Startseite / Filmkritik / Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Größeres Bild

Seit 14 Jahren zeigt die »GlobaLE« globalisierungskritische Filme in Leipzig und lädt zur Diskussion. Mehr über die Hintergründe der Entstehung des Festivals lest ihr im Julikreuzer. Derzeit legt das Team letzte Hand an das Filmprogramm, das von Anfang August bis Ende November an vielen Orten der Region flimmern soll. Allerdings hat sich ein finanzielles Loch in der Planung aufgetan, das derzeit den Fortbestand der Reihe gefährdet. Wie ihr helfen könnt, damit die stets kostenfreien Vorführungen politischer Dokumentarfilme auch in Zukunft stattfinden, erfahrt ihr auf der Seite der »GlobaLE«. Derweil gibt es zwei weitere Vorstellungen außer der Reihe mit dem schwedischen Film »Concerning Violence« (21.6., 18 Uhr, Geisteswissenschaftliches Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig) und »Burkinabè Rising – The Art Of Resistance In Burkina Faso« (27.6., 20 Uhr, Grassi-Museum für Völkerkunde) – organisiert von der »GlobaLE«.

> www.globale-leipzig.de

Film der Woche: Das Reittalent hat Brady Blackburn von seinem Vater mit in die Wiege gelegt bekommen, der früher selbst Rodeos bestritt, nach dem Tod seiner Frau aber spielsüchtig wurde. Auch Brady galt als aufsteigender Stern in dieser uramerikanischen Sportart, doch die Träume des 21-Jährigen zerplatzten jäh, als er nach einem Sturz mit einer Stahlplatte im Kopf aus dem Koma erwachte. Reiten, geschweige denn an einem Rodeo teilnehmen, darf er nie wieder. Selbst ein leichter neuer Unfall könnte tödlich sein oder zumindest zu einer schweren Behinderung führen, wie sie sein Kumpel und Ex-Kollege Lane Scott erlitt, der nun fast vollständig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Brady kümmert sich bei seinen Besuchen rührend um ihn, ebenso wie zu Hause um seine geistig behinderte Schwester. Mit seinem eigenen Schicksal hadert er aber massiv, obwohl er neben einem Job im Supermarkt zumindest als Pferdeflüsterer Erfolg hat. Denn in einer Welt voller Männlichkeitsgebaren bedeutet das, was Brady widerfahren ist, beinahe dasselbe wie Impotenz. Regisseurin Chloé Zhao inszenierte ihr beinahe dokumentarisch anmutendes, stilles Drama fast ausschließlich mit Schauspielerlaien, die sie von den Dreharbeiten ihres Debütwerks »Songs My Brothers Taught Me« kannte und nun quasi sich selbst verkörpern. Das funktioniert ganz wunderbar. Insbesondere Brady-Darsteller Brady Jandreau wirkt völlig natürlich und ungekünstelt, wenn er vor der Kamera und beeindruckenden Landschaften noch einmal den Lebensabschnitt durchmacht, dessen Verarbeitung ihn vor erst zwei Jahren jede Menge Kraft gekostet hat. Das körperliche, vor allem aber das seelische Leid ist ihm stets im Gesicht abzulesen, während er die Zuschauer an dessen Bewältigung schmerzhaft, zuletzt aber auch in Ansätzen hoffnungsvoll teilhaben lässt. Chloé Zhao geland mit »The Rider« ein berührendes, vielfach preisgekröntes Drama im Wasteland South Dakotas. PETER HOCH

»The Rider«: ab 21.6., Passage Kinos

Die geschichtsträchtige Kolyma-Straße im eiskalten Sibirien: Wo einst Millionen in Stalins Arbeitslagern ihr Leben ließen, begegnet Stanislaw Mucha (»Absolut Warhola«, »Tristia«) auf seiner Reise überraschend offenen Menschen. Wie lebt es sich heute in dieser unwirtlichen Gegend? Kann man hier lieben, lachen und glücklich sein? Ein skurriler Roadtrip, ausgezeichnet mit dem Preis als Bester Dokumentarfilm beim diesjährigen Achtung Berlin Festival.

»Kolyma«: 21., 24., 27.6., Schaubühne Lindenfels

Weitere Filmtermine der Woche

Concerning Violence
Göran Olssons Film »Concerning Violence – Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence« setzt sich mit den afrikanischen Befreiungsbewegungen der sechziger, siebziger und achtziger Jahre auseinander. Neu entdecktes Archivmaterial über die gewaltvolle Konfrontation mit den Kolonialmächten wird kombiniert mit Zitaten aus Frantz Fanons polarisierendem Text zur Entkolonialisierung »Die Verdammten dieser Erde«.
21.6., 18 Uhr, Geisteswissenschaftliches Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig

Fate/Stay Night: Heaven’s Feel – I. Presage Flower
Erster von drei geplanten »Fate/Stay Night: Heaven’s Feel«-Verfilmungen, basierend auf der gleichnamigen Computerspielreihe.
21.6., 22 Uhr, 24.6., 17, 20 Uhr, Cinestar

Filmriss Filmquiz
… denn sie quizzen nicht, was sie tun! Das Filmquiz zum ersten Mal zu Gast im StuK. Seit 2009 stellen André Thätz und Lars Tunçay Fragen rund um unsere Lieblingskunst, quizzen durch 100 Jahre Filmgeschichte und belohnen Bescheidwissen mit haufenweise feinen Preisen. Ihr könnt alle 50 Schattierungen von Grau aufzählen? Ihr könnt den Handlungsort vom Murmeltiertag buchstabieren? Ihr könnt alle »Star Wars«-Teile in die chronologisch richtige Reihenfolge bringen? Respekt – dann seid ihr hier genau richtig!
22.6., 20.30 Uhr, Studentenkeller StuK

Geschichten aus der Peripherie
Kurzfilmprogramm des Leibniz-Instituts für Länderkunde über regionale Ungleichheiten in der EU. Im Anschluss Diskussion mit Filmemachern, im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften.
22.6., 20 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Muhi – Generally temporary
Die berührende Geschichte eines palästinensischen Jungen und seines Großvaters, die seit Jahren in einem israelischen Krankenhaus festsitzen, gewann in diesem Jahr die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb des DOK Leipzig.
22.6., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels

This ain’t California
Umstrittene Mockumentary über Skater in der DDR. Wie das wirklich war, damals, kann im Anschluss mit der Leipziger Skateboarding-Legende Torsten »Goofy« Schubert besprochen werden.
22.6., 18 Uhr, Stadtgeschichtliches Museum/Neubau

Fernweh
Sehnsucht im Sommer: Shorts Attack im Juni mit allerlei kurzfilmischen Ausflügen.
23.6., 21 Uhr, UT Connewitz

2001: Odyssee im Weltraum
Philosophischer Sci-Fi-Klassiker von Stanley Kubrick. Am 24. Juni wird der Film zum 50. Jubiläum in 4K-Auflösung im Regina Palast gezeigt.
24.6., 21 Uhr, Regina Palast

Russisches Kino
Russisches Kino im Original ohne Untertitel – diesmal mit: »Nochnaya Smena – Nachtschicht« (R 2018, OF) im Cineplex, Cinestar und Regina Palast.
24.6., 17 Uhr, Regina Palast, Cineplex, 17.30 Uhr, Cinestar

Staatenlos – Klaus Rózsa, Fotograf
Ein filmisches Portrait über den ungarisch stämmigen und politisch engagierten Fotografen Miklós Klaus Rózsa, der jahrzehntelang staatenlos in Zürich lebte. – anschl. Gespräch mit dem Protagonisten, im Rahmen des 8. Festivals für Fotografie »F/Stop«
24.6., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Attack on Titan 3: The Roar of Awakening
Teil drei der erfolgreichen Manga-Kinoadaption »Attack on Titan« in der Anime-Night.
26.6., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar

F/Stop Kurzfilmprogramm
Am 26. und 27. Juni zeigt das Luru-Kino auf der Spinnerei ein Kurzfilmprogramm im Rahmen des F/Stop – 8. Festival für Fotografie.
26.6.:
»Angriff auf eine dicke Tür aus Glas« (D 2018) & »In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod« (D 1974; OmeU): 18 Uhr
»Electrical Gaza« (GB 2015; OmeU), 20.30 »Estate, a Reverie« (GB 2016; OmeU): 20 Uhr
27.6.:
»Into the Unknown« (LT 2009, OF), 19.30 »Namibia Today« (D/FI/NA 2018, OmeU): 19 Uhr, anschl. Gespräch mit der Regisseurin,
»The Conspicuous Parts« (D/USA/PL 2018; OmU): 20.30 Uhr, anschl. Gespräch mit dem Regisseur,
»The Dud Effect« ( LT 2008; OmeU): 21.30 Uhr
Luru-Kino in der Spinnerei

Festival der Demokratie
Eine Chronik der Ereignisse rund um den G20-Gipfel. Sehr einseitige Doku, die mit Hilfe von Crowdfunding realisiert wurde. – anschl. Diskussion mit Gästen, Moderation: Thorsten Mense (Jungle World)
27.6., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Kino im Osten: »The Party« (GB 2017; OmU)
Bitterböse Gesellschaftssatire von Sally Potter um eine Partygesellschaft und deren Abgründe. Lustvoll inszenierte Boulevardkomödie mit bissigen Dialogen, strikten Schwarz-Weiß-Bildern und einem großartigen Ensemble. Die Kameraarbeit von Aleksei Rodionov, die den begrenzten Raum auszunutzen weiß, und der temporeiche Schnitt sorgen für kurzweilige 71 Minuten.
27.6., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Social Movements in Africa
Auf dem afrikanischen Kontinent finden derzeit tiefgreifende soziopolitische Wandlungsprozesse statt. Soziale Bewegungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Welches Potenzial zur Umwälzung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse haben soziale Bewegungen? In verschiedenen Kurzfilmen sowie dem Dokumentarfilm »Burkinabè Rising – The Art Of Resistance In Burkina Faso« (OBV 2014, Dok) werden vielschichtige Einblicke in aktuelle Veränderungen auf dem afrikanischen Kontinent gezeigt. Im Anschluss Filmgespräch über politischen und wissenschaftlichen Aktivismus mit Wendpanga Eric Segueda (Goethe Universität Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. Bettina Engels (FU Berlin). – im Rahmen der internationalen Tagung des Vereins für Afrikawissenschaften Deutschlands und GlobaLe
27.6., 20 Uhr, Grassi-Museum für Völkerkunde

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.