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Alles? Oder nichts?

Leipzigs Subkultur schwitzte zur Global Space Odyssey gegen Mieterhöhungen und für eine bessere Welt

Die Global Space Odyssey Größeres Bild

Hätten alle von Mieterhöhungen betroffenen Leipziger mitgetanzt, wäre die Global Space Odyssey eines der größten Festivals überhaupt. Zehn Wagen und 1000 Demonstranten taten es aber auch: Schweiß, drückende Bässe und fein dosierte Redebeiträge von Plagwitz bis zum Friedenspark.

Augustusplatz, 16 Uhr, stechende Hitze: Seit drei Stunden tanzen die Crews der Leipziger Subkultur durch die Stadt. Raus aus dem Keller, Soundsystem auf die Pritsche geschnallt und ab auf die Straße. Die Global Space Odyssey hat sich rund um die Fontäne vor dem Opernhaus zur Wagenburg aufgebaut. Von einem Wagen schallen Redebeiträge über den Platz:

»Ein Clubevent sollte künstlerisch wertvoll sein. Das dauert acht bis zehn Stunden! Das ist eure Kultur!« – Jürgen Kasek

Jürgen Kasek, Rechtsanwalt und Grünen-Politiker, kündigt das baldige Ende der Sperrstunde für das Institut für Zukunft an. Im August soll der Stadtrat darüber beschließen. Vor ihm sprachen Frederick Sander für das Team der Global Space Odyssey und Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke zu den diesjährigen Schlagworten Diversität, Verantwortung und Solidarität.

Darfs noch etwas Politik sein?

Flyer mit Aufrufen und Informationen zu Gentrifizierung machen die Runde, während ein gutes Drittel der Demonstranten den Rednern zuhört. Der Rest verteilt sich zwischen den Wagen in der Sonne oder kühlt sich im Brunnen vor der Oper ab – Festivalatmosphäre. Wie politisch ist also die Global Space Odyssey? Wer feiert hier eigentlich wen? Derrick sollte es wissen: »Das war ’95. Da hab ich den ersten Generator in einen Keller geschleppt.« Er fährt den Wagen der 3takter-Reihe. Drum N‘ Base, Jungle und Dubstep in den Leipziger Clubs und wo immer es geht.

Global Space Odyssey Derrick

Fotos: Paul Hildebrand

»Die GSO ist immer so politisch wie ihre Protagonisten. Hedonistisch oder politisch, ja da gibt es Unterschiede beim Anspruch. Mir persönlich tuts ein bischen um den Techno leid, aber der Wertekontext ist doch immer der selbe.« – Derrick

Während die Rücklehnen dank ihres selbstgebauten Soundsystems vom Bass vibrieren, zeigt Derrick durch die Windschutzscheibe auf einen Wagen an der Spitze des Zuges: »Ganz vorn, siehst du den Wagen da? 2 Guys 1 Dub? Die Leute haben auf unseren Partys gefeiert und ihre Nische gefunden.“ Mit der Musik und der Szene komme eben auch die Politik oder zumindest eine bestimmte Attitüde und offene Einstellung. Miteinander zu feiern, unabhängig von so ziemlich allem, was unterscheidet, sei schon politisch an sich. Im Aufruf zur Global Space Odyssey forderten unter anderen die Crews Waldbrand, Buntspecht und der Rote Stern Leipzig:

»Feiern wir gemeinsam in den Straßen und den Clubs für eine lebenswerte Zukunft für alle!«

Vielfalt und Diversität seien Voraussetzung für Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit. Wer das bestreite, sei zum Stillstand verdammt. Stichwörter wie Obergrenzen für Geflüchtete, Gentrifizierung und Sperrstunden zwingen zu solch grundsätzlichen Statements.

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