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Endlich DOKtober

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und so beginnt immer schon mit dem ausgehenden September das Warm-up fürs DOK Leipzig – denn dann erscheint der Oktober-kreuzer. Auch diesmal wagen wir einen Ausblick auf die 61. Auflage des internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. »Fordert das Unmögliche« ist das Motto in diese Jahr. Die Retrospektive dreht sich um das Jahr 1968, die Sektion Animation würdigt das Schaffen des preisgekrönten irischen Animationsfilmstudios Cartoon Saloon (»Melodie des Meeres«). Und Werner Herzog kommt in die Stadt, um sein Porträt über Michail Gorbatschow vorzustellen. Aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs DOK Leipzig. Mehr im Heft und schon bald auf kreuzer-leipzig.de

»61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm«: 29.10.–4.11.
www.dok-leipzig.de

Film der Woche: In einem Dorf nahe Madrid findet eine Hochzeit statt und Familie und Freunde des Brautpaars Ana und Joan sind gekommen, um ausgelassen zu feiern. Patriarch Antonio, der Vater der Braut, freut sich außerdem darüber, dass seine nach Argentinien ausgewanderte älteste Tochter Laura sowie deren Kinder Irene und Diego mit dabei sind. Weitere Gäste sind Schwester Nummer drei, Mariana, samt Ehemann und erwachsener Tochter sowie der Winzer Paco, Sohn eines früheren Angestellten, mit seiner Frau Bea und ihrem Neffen Felipe. Es wird ein rauschendes Fest, bis ein Unwetter aufzieht, der Strom ausfällt und Irene plötzlich verschwunden ist, mutmaßlich entführt von Unbekannten. Bald wird klar, dass einige unausgesprochene Wahrheiten im Raum stehen und mehrere Hochzeitsgäste ein Motiv haben könnten. Oder ist doch ein Fremder verantwortlich? Oder alles nur ein böser Streich von Irene? Der zweifach oscargekrönte Regisseur Asghar Farhadi (»Nader und Simin«) mischt in seinem neuen Kammerspiel die Themen seiner früheren Werke, um sie auf den ersten Blick in einem klassischen Krimi gipfeln zu lassen. Tatsächlich baut der iranische Regisseur zwar subtil Spannung auf und lässt die Zuschauer miträtseln, was geschehen ist. Davon sollten sie sich aber nicht in die Irre führen und auch nicht von der etwas unvermittelten Auflösung enttäuschen lassen. Denn im diesjährigen Cannes-Eröffnungsfilm geht es vor allem darum, die Untiefen der Charaktere auszuloten. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Offenes Geheimnis«: ab 27.9., Passage Kinos, Regina Palast

Kein anderer Film hat eine so bewegte Entstehungsgeschichte wie Terry Gilliams »The Man Who Killed Don Quixote«. Mehr als zwanzig Jahre arbeitete der Phantast an seinem Traum. Erst kämpfte er um die Finanzierung, dann gegen Kampfflugzeuge über der Wüste und schließlich fiel sein Hauptdarsteller Jean Rochefort mit einem Hüftleiden aus, das es ihm unmöglich machte, zu reiten. Die gescheiterten Anläufe sind in dem legendären »Unmaking-of« »Lost in La Mancha« dokumentiert und selbst ein formidables Lehrbuch für angehende Filmemacher (besser was Richtiges lernen). Doch jetzt ist es ihm tatsächlich gelungen, seine Geschichte zu erzählen – auch wenn sie im Laufe der Jahre eine neue Form angenommen hat. Es ist nun die des aufstrebenden, selbstverliebten Regisseurs Toby (Adam Driver), der bei einem Dreh in Spanien auf einen durchgeknallten Alten (Jonathan Pryce) trifft, der glaubt, Don Quixote zu sein. Er zieht ihn hinein in einen abenteuerlichen Trip, bei dem Phantasie und Wirklichkeit schon bald nicht mehr auseinanderzuhalten sind – wie so oft in Gilliams einzigartigen Filmen. Seine Variante der bekannten Legende von Miguel de Cervantes ist eine wilde Mischung aus seinen »Abenteuern des Baron Münchhausen« und Gilliams Frühwerk »Time Bandits«. Sein fröhlichster Film seit Langem, ein großer Spaß, der förmlich übersprudelt vor Ideen. Die passen zwar nicht immer zusammen, dem Spaß am Chaos tut das aber keinen Abbruch. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»The Man Who Killed Don Quixote«: ab 27.9., Passage Kinos, Schauburg, Cineplex, Regina Palast

Regisseur Michael Bully Herbig erzählt in »Ballon« eine spannende Fluchtgeschichte, top besetzt mit Friedrich Mücke (»Friendship!«), Karoline Schuch (»Ich bin dann mal weg«), David Kross (»Gefährten«) und Alicia von Rittberg (»Herz aus Stahl«) als eingeschworene Gemeinschaft. Im Sommer 1979 wagen die Familien Strelzyk und Wetzel mit einem selbst gebauten Heißluftballon die Flucht aus der DDR. Doch der Ballon stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter großem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Michael Herbig ist sonst eigentlich als Kopf der »Bullyparade« und Regisseur von Erfolgskomödien wie »Der Schuh des Manitu« bekannt. Basierend auf einer wahren Geschichte inszenierte er nun einen fesselnden Kinothriller der wohl spektakulärsten Flucht aus der DDR.

»Ballon«: ab 27.9., Cineplex, Passage Kinos, Regina Palast, CineStar

Klein und liebenswert ist die 13-jährige Ava (Noée Abita) nun wirklich nicht mehr. Das muss auch ihre Mutter Maud (Laure Calamy) einsehen. Ebenso, wie sich beide mit der Tatsache abfinden müssen, dass Ava ihr Augenlicht verliert. Die Nachricht platzt mitten in die Ferien. So ist die Welt im Urlaubsdomizil an der Atlantikküste auf einmal nicht mehr ganz so sonnig. Die alleinerziehende Mutter und ihre pubertierende Tochter müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen. In kontrastreichen Farben entwirft die französische Regisseurin Léa Mysius in ihrem kraftvollen Debüt die Lebenswelt einer Heranwachsenden. Ava muss erwachsen werden, viel schneller, als sie es will. Die erste Liebe, der Drang nach Freiheit, die Abnabelung von der Mutter – all das läuft bei Ava auf Anschlag. Mysius erzählt eine unkonventionelle Coming-of-Age Geschichte, die in Cannes gefeiert wurde und nun auch unsere Kinos erobert. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Ava«: 27.9., Schaubühne Lindenfels, ab 4.10., Cineding, ab 8.10., Cinémathèque in der Nato

Weitere Filmtermine der Woche

Divers & unstoppable: Women
Filmabend mit »Sonita. Was ist ein Mädchen wert?« (D 2016, Dok) und »Traumweberinnen« (M 2015, Dok) mit Einführung und Diskussion, im Rahmen der Interkulturellen Wochen
28.9., 19 Uhr, Frauenkultur

Phantasm – Das Böse 3
Seit fast 40 Jahren beglückt Don Coscarelli eine eingeschworene »Phantasm«-Fangemeinde mit der Suche nach dem Tall Man. Cineplex und Cinestar zeigen den dritten Teil der Horror-Reihe. – Horror-Special
28.9., 22.30 Uhr, Cineplex

Soviet Hippies
Der höchst unterhaltsame Film porträtiert die Hippie-Bewegung im Sozialismus, Freigeister in einem restriktiven System. Preisgekrönt beim 60. Dok Leipzig. Am 28.9. Eröffnung der Ausstellung »Soviet Hippies. 1970s Estonian Psychedelic Underground Culture« in Anwesenheit der Regisseurin und Kuratorin Terje Toomistu. Am 30.9. Vortrag und Diskussion mit Juliane Fürst (Uni Bristol) und Terje Toomistu (Kuratorin/Regisseurin, Tallinn), anschl. sowjet-estnische Animationsfilme (1970–1980).
28.9., 21.30 Uhr, 30.9., 20 Uhr, Galerie KUB

Nachlass
Christoph Hübner und Gabriele Voss begleiten in ihrem Dokumentarfilm, der letztes Jahr beim DOK Premiere feierte, sieben Menschen, die sich aus der Täter- oder Opferperspektive mit ihrer Familiengeschichte und der Involviertheit in den Holocaust auseinandersetzen. Fragen von Schuld und Sühne werden aufgeworfen, verschiedene Formen des Umgangs mit dem schweren Vermächtnis aufgezeigt.
28.9., 17 Uhr, Schauburg

Das stille Leuchten
Der Dokumentarfilm widmet sich dem Bildungssystem von Schulen in einer Zeit, in der die Welt sich immer schneller wandelt.
29.9., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Juliusz
Weil sein Vater, ein ständig partyfeiernder Maler, selbst nach seinem zweiten Herzinfarkt seinen Lebensstil nicht ändern will, muss Juliusz einen kreativen Weg finden, um das Verhalten seines Vaters zu beeinflussen. – Polnisches Kino
29.9., 17 Uhr, 30.9., 20 Uhr, Cineplex (OmU)

Light to the World
Dokumentarfilm über Baha’u’llah, spiritueller Lehrer und Gründer der Bahá’i-Religion. – im Rahmen der OSTLichter 2018
29.9., 19.30 Uhr, Bahá’í-Zentrum

Cézanne – Porträt eines Lebens
Dokumentarfilm über den Maler Paul Cézanne. Eine Entdeckungsreise in das Leben des Künstlers und an die Orte, an denen Cézanne lebte und arbeitete. – Kunst trifft Film
30.9., 15 Uhr, Passage Kinos

Die Wunderübung
Ein Paar in der Krise landet beim Therapeuten, um zu retten, was zu retten ist. Doch die Sitzung läuft nicht so wie geplant. Deutsches Beziehungsdrama nach Daniel Glattauers gleichnamigem Theaterstück.
30.9., 17 Uhr, Regina Palast

Nadel & Faden – Made in India
Mauji ist Schneider mit Leib und Seele und lebt gemeinsam mit seiner Frau Mamta, die Stickerin ist, in einem kleinen indischen Dorf. Maujis und Mamtas traditionell gefertigte Kleidungsstücke finden in ihrer Heimat reißenden Absatz, doch beide träumen von dem großen Durchbruch in der Welt der Mode. Charmante indische Komödie über den schwierigen Weg in die Unabhängigkeit. – Indisches Kino
30.9., 11 Uhr, Cineplex

Teheran Tabu
Seine miteinander verzahnten Geschichten über (Un-)Recht und (Un-)Moral in der iranischen Hauptstadt erzählt dieses Drama im Rotoskop-Animationsstil.
3.10., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Burg Sneak
Preview in OmU
Überraschungs-Preview in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
3.10., 20 Uhr, Schauburg

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