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Die beste Woche des Jahres

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Herzlich willkommen in der besten Kinowoche des Jahres. In dieser Woche gibt es eigentlich keinen Grund, nicht täglich das Lichtspielhaus des Vertrauens aufzusuchen. Es ist arschkalt und das Kinojahr fährt nochmal mächtig was auf.

Mit »Climax« kommt Noés irres Meisterstück endlich zu uns, mit »Under the Silver Lake« legt »It Follows«-Schöpfer Mitchell einen nicht weniger irren Nachfolger vor, mit »Widows« meldet sich Meisterregisseur McQueen fünf nach »12 Years a Slave« endlich zurück, mit »An Elephant Sitting Still« kommt der beste Film der diesjährigen Berlinale und mit »Roma« der vielleicht beste Film des Jahres in die Kinos. Also, worauf wartet ihr noch? Ab ins Kino!

Film der Woche: Alles beginnt recht harmlos: Eine Gruppe Tänzer stellt sich der Kamera. Jeder einzelne von ihnen redet von seinen Zielen und Träumen, bevor sie aufeinander losgelassen werden. Der Schauplatz: Ein entlegenes Gebäude, wo sie ihre Choreographie einstudieren und danach ausgelassen feiern. Eine irre Tanzsequenz zu Cerrones Disco-Klassiker »Supernature« zieht den Zuschauer in den Bann, um ihn dann hinterrücks zu überfallen – als klar wird, dass jemand die Bowle des Abends mit LSD versetzt hat. Was folgt ist ein aberwitziger Trip in menschliche Abgründe, blutig, böse und bisweilen schwer zu ertragen – aber eben auch so nachhaltig wie kaum eine Kinoerfahrung in diesem Jahr. Wie Noé die Figuren bloßstellt, ihre Oberflächlichkeiten, ihr Intrigenspiel offen legt, und ihnen die Masken entreißt, um sie dem Wahnsinn auszusetzen, ist beispiellos. In Cannes gab es viel Applaus und in Sitges den Hauptpreis des Festivals. »Climax« ist ein Sinnesrausch, bei dem die Kamera von Benoît Debie (»Spring Breakers«), dem Weggefährten des Regisseurs, und die exzellente Musikauswahl mit Klassikern von Georgio Moroder bis Aphex Twin und zusätzlichen Tracks von Thomas Bangaltar (Daft Punk) im Zentrum stehen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Climax«: ab 6.12., Passage Kinos

Als seine mysteriöse, hübsche Nachbarin verschwindet, macht sich Erik auf die Suche nach ihr durch den Dschungel von Los Angeles. Er trifft auf Cowboys und Zwerge, barbusige Eulen-Frauen, Verschwörungstheoretiker und den König der Obdachlosen. Was hat die Goth-Gruppe »Jesus and the Brides of Dracula« mit alledem zu tun? Und wer ist der mysteriöse Hundemörder, der im Viertel sein Unwesen treibt? Viele Fragen, auf die es nicht sonderlich viele Antworten gibt in den stattlichen 139 Minuten Laufzeit. Die Ratio lässt man besser zuhause, wenn man Sam auf seinem irrwitzigen Trip folgen will. Einen großen Sympathiebonus hat »Under the Silver Lake« durch die Wahl seines Hauptdarstellers. Andrew Garfield hat sichtlich Spaß am absurden Spiel und driftet chandlerhaft und stets im selben T-Shirt durch die künstliche Szenerie Hollywoods. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Under the Silver Lake«: ab 6.12., Regina Palast, Kinobar Prager Frühling, Passage Kinos

Schweden in den 1920ern: Astrid Ericsson lebt mit ihren drei Geschwistern auf einem Hof nahe der Kleinstadt Vimmerby. Die Eltern sind streng, der Vater trotzdem liebevoll und anspornend, auch als die schriftstellerisch begabte 17-Jährige ein Praktikum bei der Lokalzeitung antritt. Als sie sich dort in den noch verheirateten Herausgeber Reinhold Blomberg verliebt und sogar ein Kind von ihm erwartet, soll das jedoch nicht bekannt werden – nicht zuletzt, weil der Hof der Ericssons der Kirche gehört und ein Skandal fatale Folgen hätte. Blomberg unterstützt Astrid und plant eine gemeinsame Zukunft mit ihr, sobald seine Scheidung durch ist. Aufgrund der Umstände soll ihr Kind aber geheim in Dänemark geboren werden und zunächst bei einer Pflegemutter aufwachsen. Nur selten kann Astrid den Jungen besuchen und so zweifelt sie immer mehr daran, dass sie dem kleinen Lasse überhaupt irgendwann eine Mutter sein kann. Diese Astrid, die der sehenswerte, wenn auch recht konventionell erzählte Film von Regisseurin Pernille Fischer Christensen porträtiert, ist die weltberühmte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Alba August spielt sie einnehmend als starke, freiheitsliebende junge Frau, die nicht frei von Sorge und Trauer, aber mit viel Lebensfreude, Fantasie, Humor und Sensibilität gesegnet ist. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Astrid«: ab 6.12., Passage Kinos

Vier Frauen, die nichts gemeinsam haben außer einer Schuld, die durch die kriminellen Machenschaften ihrer toten Ehemänner hinterlassen wurde. Angesiedelt im heutigen Chicago, inmitten einer Zeit des Aufruhrs, bauen sich Spannungen auf, als Veronica (Viola Davis), Alice (Elizabeth Debicki), Linda (Michelle Rodriguez) und Belle (Cynthia Erivo) ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und einen Komplott schmieden, um die Zukunft nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

»Widows«: ab 6.12., Regina Palast, Cineplex, CineStar, Passage Kinos

Knapp vier Stunden begleiten wir eine Gruppe von Menschen in einer chinesischen Stadt. Die Alltagsrealität des Einen erfährt eine völlig andere Dimension, wenn wir sie durch die Augen eines Anderen betrachten. Es ist schlichtweg faszinierend und fesselnd, dieses meisterhafte Gesellschaftsporträt des erst 29-jährigen Hu Bo, das bei der Berlinale mit dem Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde. Leider wird sein Debütfilm sein einziger bleiben: Bo nahm sich kurz nach Beendigung der Dreharbeiten das Leben.

»An Elephant Sitting Still«, 9.12., Luru Kino in der Spinnerei

Weitere Filmtermine der Woche

Cinema Italia!
Aktuelles italienisches Kino in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gibt es wieder eine Woche lang in den Passage Kinos zu entdecken.
6.–12.12., Passage Kinos

Medienwochen Courage leben: Fokus Jugendkulturen
Die Medienwoche „Courage leben“ bietet seit über 15 Jahren eine Plattform zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen und den damit verbundenen Herausforderungen für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft.
m Mittelpunkt steht die Kritik verschiedener Diskriminierungsformen, von Rassismus und Antisemitismus aus aktueller wie historischer Perspektive.
bis 7.12., Cineding

Roma
Die junge Cleo arbeitet in den siebziger Jahren als Hausmädchen für eine Mittelstandsfamilie im Stadtteil Roma in Mexiko Stadt. Eines Tages werden in der Stadt protestierende Studenten von einer paramilitärischen Gruppe getötet. Nicht nur Cleo, sondern auch der Rest der Familie muss auf ihre Art mit den Geschehnissen umgehen. Der diesjährige Siegerfilm bei den Filmfestspielen von Venedig lebt von visuellen und erzählerischen Kontrasten. Vorder- und Hintergrund, Detail und Panorama, Einzelschicksal und Weltgeschichte. – Vorpremiere


6.12., 20 Uhr, 9.12., 17 Uhr, 12.12., 12 Uhr, Cinestar (OmU)

Wiedergeburt – Deine Seele ist unsterblich
»Man lebt nur einmal« – heißt es. Aber woher wissen wir dies? Ein Film über die Wiedergeburt. – anschl. Publikumsgespräch mit Regisseur Thomas Schmelzer
7.12., 19 Uhr, Im Einklang

Bad times at the El Royale
Unter dem Dach des baufälligen Hotels »El Royale« finden sich sieben Fremde mit Geheimnissen in einer schicksalhaften Nacht wieder – mit fatalen Folgen. Thriller von Drew Goddard (»Cabin in the Woods«).
9.12., 17 Uhr, Regina Palast

Jota – Mehr als Flamenco
Musikdokumentation über La Jota, den traditionellen Tanz und die Musik aus dem spanischen Aragon.
9.12., 13 Uhr, Passage Kinos

Le Grand Bal – Das große Tanzfest 


Dokumentarfilm über das sieben Tage und acht Nächte dauernde Festival Le Grand Bal, das jährlich in einem kleinen Dorf in der französischen Auvergne stattfindet und zu dem 2.000 Menschen aus ganz Europa anreisen.
9.12., 12.30 Uhr, Passage Kinos

Schneewittchen
Der DEFA-Märchenfilm nach den Gebrüdern Grimm ist neben der Disneyversion, die bekannteste Verfilmung des Märchens in Deutschland. – Filmreihe Märchenhafter Dezember
9.12., 15 Uhr, Schauburg

Eldorado
Markus Imhoof reist an die Brennpunkte der Flüchtlingskrise, filmt die dramatischen Zustände auf einem Rettungsschiff und trifft illegale Arbeiter auf italienischen Plantagen. – zum Internationalen Tag der Menschenrechte
10.12., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom
Netflix-Doku über den Konflikt in der Ukraine von den friedlichen Studentenprotesten hin zum Blutvergießen. – Bibo goes Doku


10.12., 18 Uhr, Bibliothek Südvorstadt

Jian Bing Man
Ein geschasster Schauspieler auf dem Weg zurück ins Rampenlicht. Buddy-Komödie aus China. – New Chinese Comedies
11.12., 19 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig (OmeU)

Weiterleben
Vier Porträts von Menschen, die für Freiheit und Menschenrechte kämpfen mussten. Ein emotionaler Dokumentarfilm über Ungerechtigkeit, Folter und das Wiederaufstehen. – anschl. Gespräch mit Experten von Amnesty International, anlässl. der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren
11.12., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Die Liebe der Jeanne Ney
Diese hervorragend inszenierte Kriegsgeschichte von Georg Wilhelm Pabst aus dem Jahr 1929 blickt auf die Zeit nach der russischen Revolution und erzählt eine Liebesgeschichte in politisch bewegten Zeiten, ein Melodram einer unerfüllten Liebe. – Reihe Ballet Mécanique
12.12., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Isle of Dogs – Ataris Reise
Wes Anderson erzählt in seinem liebevoll animierten Meisterwerk gewohnt verschroben von einem Waisenjungen, den es auf eine Insel verschlägt, die bevölkert ist von Hunden. Gemeinsam mit ihnen tritt er eine Revolution in der futuristischen Metropole Megasaki los.


12.12., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

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