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Das Letzte

Die Kinostarts zum Jahresende im Überblick

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Jahresende… Das bedeutet viele Feiertage, jede Menge freie Zeit und jede Menge Möglichkeiten, um 2018 noch mal ins Kino zu gehen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und damit endet auch die beliebte Reihe »Kinoorgel live« im Grassimuseum. Zum vorerst letzten Mal ertönt die Kinoorgel zu einem Filmklassiker (siehe kreuzer 02/18). Immerhin hatte das Grassi-Museum für Musikinstrumente ein Einsehen und gewährt dem historischen Klangkörper einen letzten Einsatz: Kurz vor Jahresende gibt es »Ein Landhaus in Dartmoor« von Anthony Asquith aus dem Jahr 1929 zu sehen. Philipp Hosbach und Claudia Cornelius bieten wie gewohnt eine sachkundige filmische Einführung, an der Welteorgel spielt Clemens Lucke. Auch wir verabschieden uns für dieses Jahr mit den Kinotipps für die letzten beiden Wochen des Jahres. Habt filmreife Weihnachten und ein explosives neues Jahr.
29.12., 18 Uhr, Grassi-Museum für Musikinstrumente

Film der Woche: Osamu und Shota könnten Vater und Sohn sein. Der Teenager und der Erwachsene verstehen sich ohne Worte, wenn sie auf ihren Diebeszügen stumme Gesten austauschen. Es herrscht eine vertraute Selbstverständlichkeit. Aber dennoch nennt Shota Osamu nicht »Papa«, denn in dem kleinen Häuschen, das sie ihr Heim nennen, leben fünf Menschen auf engem Raum, die das Schicksal zusammengewürfelt hat. Da ist Aki und ihre Großmutter Hatsue, die gute Seele des Hauses. Zuwachs erhält die liebevolle Gemeinschaft als Osamu und seine Partnerin Noboyu die hungrige und frierende Yuri finden und bei sich aufnehmen. Das kleine Mädchen ist von Zuhause ausgerissen und findet hier ganz selbstverständlich ein neues Zuhause. Doch ihr Leben am Rande der Gesellschaft bleibt nicht unentdeckt. Hirokazu Koreeda bewies schon mit seinen früheren Filmen, wie etwa dem preisgekrönten »Nobody Knows«, sein genaues Auge für das Leben abseits der stromlinienförmigen japanischen Gesellschaft. Er hat ein Herz für all jene, die durch das Raster fallen und findet eine warmherzige Antwort auf eine ganz essentielle Frage: Was bedeutet eigentlich Familie? Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Shoplifters«: ab 27.12., Passage Kinos, Kinobar Prager Frühling

Sie ist die unbestrittene Godmother of Goth, ihr Frankenstein ein Archetyp, von dem nicht nur das Horrorgenre bis heute zehrt. Auch das Privatleben der geborenen Mary Godwin war insbesondere für das frühe 19. Jahrhundert ungewöhnlich, war sie doch in eine polyamoröse Beziehung mit dem Dichter Percy Shelley verstrickt, den sie später heiratete. Genug guter Stoff für ein saftiges Biopic, eigentlich. Und das feministische Moment ignoriert eine Regisseurin wie Haifaa Al Mansour natürlich auch nicht: Ihr emanzipatorisches Drama »Das Mädchen Wadjda« ging schließlich 2012 als erster saudi-arabischer Kinofilm in die Filmgeschichte ein. Tatsächlich gelingt es ihr auch einigermaßen, die kritische Position einer jungen Schriftstellerin in einer von Männern beherrschten Welt darzustellen. Statt eines vielschichtigen Künstlerinnenporträts serviert uns Al Mansour allerdings seltsam telenovelahafte Figurentableaus und Schwurbeldialoge, umwabert von unerträglich schwülstiger Musik. Elle Fanning macht in diesem undankbaren Szenario eine ähnlich hölzerne Figur wie in Nicolas Winding Refns »The Neon Demon«, wo es aber besser passte. Und wenn der aalglatte Douglas Booth den wilden Poeten Percy Shelley gibt, setzt der »Twilight«-Flashback endgültig ein. Schade um eine hochinteressante Biografie und ein gewichtiges Stück Literaturgeschichte: Keine gelungene Galvanisation zum 200-jährigen Frankenstein-Jubiläum. Ausführliche Kritik von Karin Jirsak im aktuellen kreuzer.

»Mary Shelley«: ab 27.12., Passage Kinos

Jafar Panahi darf nicht drehen und tut es doch. Seit Jahren ist der Iraner mit einem Berufsverbot belegt, weigert sich jedoch, das Land zu verlassen. So vertreibt Panahi seine kleinen, selbstgedrehten Filme im Ausland, wo sie auf Festivals Preise gewinnen und sein persönliches, ungefiltertes Bild des Iran in die Kinos rund um die Welt bringen. Mit dem Goldenen Bären für »Taxi Teheran« erhielt er auch bei uns mehr Aufmerksamkeit und „Drei Gesichter“ schließt dort an. Die Reise geht diesmal in die ländlichen Regionen. Dort ist die bekannte Schauspielerin Behnaz Jafari auf der Suche nach einem jungen Mädchen, dass ihr nacheiferte. Sie hat ihrem Leben aber offensichtlich mit einem effektvollen Selbstmordvideo ein Ende gesetzt. Behnaz findet keine Ruhe, verlässt die Dreharbeiten und überredet Jafar, sie in das Dorf zu fahren, aus dem die Botschaft stammt. Dort will sie herausfinden, ob es sich um eine Fälschung handelt, oder ob das Mädchen wirklich den Freitod gewählt hat. Erneut sitzt Jafar Panahi am Steuer und bedient auch die meiste Zeit die Kamera. Dadurch erfährt die Geschichte ein Unmittelbarkeit, der man sich nicht entziehen kann. Geschickt verarbeitet er vorherrschende Themen wie Armut, Ehre und Zwangsheirat, versetzt mit dem bekannten schlitzohrigen Humor. In der entlegenen Provinz stoßen sie dann auch noch auf das dritte Gesicht, eine alternde Schauspiel-Diva, deren tragischer Lebensweg das Bild des heutigen Iran vervollständigt. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Drei Gesichter«: ab 26.12., Passage Kinos

»Glauben Sie mir, dass ich meinen Mann getötet habe?« Die Frage, die Sarah Adelmann dem verängstigten Journalisten stellt, der eine Biographie über den frisch verschiedenen Autor schreiben will, zieht uns unweigerlich in die Geschichte hinein. Ein geschickter Köder, den Nicolas Bedos da auswirft, und der Beginn der Chronik einer Liebe. Sarah erzählt von der ersten Begegnung mit Victor Anfang der Siebziger, wie sie sich gleich hingezogen fühlte zu dem von Selbstzweifeln zerfressenen Autor. Wie sie ihm über die Jahr hinweg jede Affäre verzieh und treibende Kraft für seine Kunst wurde. Sie lässt die Höhen der Leidenschaft und die Krisen einer Ehe Revue passieren, die sich über vier Jahrzehnte erstreckte. Dabei erleben wir die Beziehung einzig aus ihrem Blickwinkel und durch ihren Mund, was der Plot für einige clevere erzählerische Kniffe nutzt. Höchst kurzweilig und temporeich fliegen die Jahre vorbei. Regisseur Bedos verneigt sich selbstbewust vor dem Kino Woody Allens und verkörperte seine neurotische Hauptfigur gleich selbst, ihm gegenüber Doria Tillier, mit der er auch gemeinsam das Drehbuch schrieb. Mit viel Dialogwitz beginnt eine locker leichte Romantikkomödie, die sie zunehmend mit satirischen Gesellschaftsspitzen versehen und schließlich in der zweiten Hälfte zum Ehedrama umkehren. Dabei nimmt der etwas schwülstig betitelte »Die Poesie der Liebe« bis zum überraschenden Ende kaum den Fuß vom Gas. Das sorgt für zwei fordernde Stunden, die mit visueller und inszenatorischer Spielfreude aufgelockert werden. Ein großes Lob gebührt zudem den Make-Up Künstlern, die die Spuren der Zeit an den beiden Darstellern glaubwürdig umsetzen. »Die Poesie der Liebe« ist französisches Kino von seiner besten Seite: angenehm unkorrekt, schön spielfreudig und sehr sehr gesprächig. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Die Poesie der Liebe«: ab 20.12., Passage Kinos

Halla ist eine Einzelgängerin und wird des Nachts zur Einzelkämpferin. Beliebt bei ihrer Chorgruppe, schleicht sie sich nach Einbruch der Dämmerung raus in die Weite der isländischen Berglandschaft und sabotiert die Hochspannungsmasten des benachbarten Kraftwerks, welches das Aluminiumwerk des Ortes mit Strom versorgt. Ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, der aber an die Chinesen verkauft werden soll. Hallas Form des Protests gegen die Folgen der Globalisierung bleibt nicht unentdeckt. Schon bald reißt sich die Presse um den Fall und ihr Vorgehen ruft nicht nur positives Echo in der Bevölkerung aus. Sie findet aber auch Verbündete. Benedikt Erlingsson schuf den wunderbar schrägen »Von Menschen und Pferden« und wie wir bei seinem Erstlingswerk lernen durften, muss man auch hier auf alles gefasst sein. Immer wieder bricht der Isländer die Erzählung und gibt absurden Situationen Raum. Vor allem die omnipräsente Band, die im Hintergrund den Soundtrack spielt, sorgt für etliche herrlich skurrile Momente. Wer sich darauf einlässt und den trockenen Humor schätzt, wird auch an »Gegen den Strom« seine wahre Freude haben. Obwohl Erlingsson hier ernstere Töne anschlägt und die ökologische Botschaft offen vor sich her trägt. Halldóra Geirharðsdóttir (»Metalhead«) ist eine starke Frontfrau im Kampf für die Gerechtigkeit. Die Bilder von Bergsteinn Björgúlfsson sind groß, die Musik von Davíð Þór Jónsson mitreißend.

»Gegen den Strom«: seit 13.12., Passage Kinos, ab 27.12., Schauburg

Weitere Filmtermine der Woche

Black Moon
Mythologisches Märchen über den Sprung zum Erwachsensein: Lily gerät auf ihrer Flucht vor einem Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen auf eine entlegene Farm, wo ihr zunächst alles merkwürdig und verdreht erscheint. – Gewandhaus spielt Kino, Filmabend mit konzertantem Entree

18.12., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Terry Pratchett’s Hogfather
Terry Pratchetts etwas andere Weihnachtsgeschichte: Als der Weihnachtsmann verschwindet, übernimmt kurzerhand der Tod seine Rolle. – MoritzKino
18.12., 20 Uhr, Moritzbastei



Easy Raver
Ralf, Student und Sohn aus gutem Hause, lernt Toni kennen, der ihn in die Techno-Szene einführt.
19.12., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling



Überraschungsfilm
Wer weiß, was das Ost-Passage Theater unter der Ägide von Michael »Luru« Ludwig darbieten wird … lassen wir uns überraschen.

19.12., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Männerfreundschaften
Wie schwul war Goethe? Und wie sieht es mit seinen Zeitgenossen aus? Rosa von Praunheim geht diesen und anderen Fragen nach. – Queerblick, mit Regisseur Rosa von Praunheim


19.12., 19.30 Uhr, Passage Kinos



Horror-Doppel mit Donis
Horrorpapst Donis präsentiert diesmal ein Best of 2018 mit zwei effektvollen Indie-Horror-Filmen aus den Staaten: »Hereditary« (USA 2018; OmU) und »A Quiet Place« (USA 2018; OmU).
19.12., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei


Roma 
Die junge Cleo arbeitet in den siebziger Jahren als Hausmädchen für eine Mittelstandsfamilie im Stadtteil Roma in Mexiko Stadt. Eines Tages werden in der Stadt protestierende Studenten von einer paramilitärischen Gruppe getötet. Nicht nur Cleo, sondern auch der Rest der Familie muss auf ihre Art mit den Geschehnissen umgehen. Der diesjährige Siegerfilm bei den Filmfestspielen von Venedig lebt von visuellen und erzählerischen Kontrasten. Vorder- und Hintergrund, Detail und Panorama, Einzelschicksal und Weltgeschichte.
Ab 20.12., Luru Kino in der Spinnerei


Stille Stadt, lautes Land
Der kürzeste Tag des Jahres ist traditionell Kurzfilmtag. Das UT Connewitz zeigt zu diesem Anlass das vom Berliner Interfilm-Verleih präsentierte Kurzfilmprogramm »Stille Stadt, lautes Land«. Getreu dem Motto »Zwischen dem Rauschen des Meeres und dem Rauschen der Autobahn liegen Welten und diese gilt es zu bereisen!« vereint die Filmauswahl ein Programm der Gegensätze. Stadt und Land brüllen einander an oder singen im Einklang in diesen neun Animations- und Realfilmen zwischen Landluft und Smog-Alarm.


21.12., 20 Uhr, UT Connewitz



Golden Shorts – Short Attack Best of Festival
Die große Kunst der kurzen Filme: Ein Tiger im Raumschiff sorgt für Turbulenzen (»Voyagers«), Meerschweinchen gehen zum Schönheitswettbewerb (»WK Cavia«, im Foto) und der mexikanische Präsident bekommt Probleme mit der Landesflagge (»Mamartuile«), während anderswo ein Mann vom Himmel in einen Garten fällt (»A man falls from the sky«). Alien »Karl« ist begabt in Social Media, »Bendito Machine« erprobt Apps in der Steinzeit und »No snow for Christmas» übt sich in Wettervorhersage. »Sea» ist in Animation gegossene Poesie, »Mamoon« lädt zu einer urbanen Reise in der Nacht, und in Südeuropa wird derweil Plastik aus dem Meer gefischt (»8th Continent«).
21.12., 20.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling



Stirb langsam
40 Stockwerke, zwölf Terroristen, ein Held – und das alles an Heiligabend. Es ist die Zeit der Wunder! Der erste Teil der »Die Hard«-Reihe definierte Ende der achtziger Jahre nicht nur ein Genre neu, sondern ließ den damals eher mäßig bekannten Bruce Willis zur Actionikone einer ganzen Generation aufsteigen.
25./26.12., 22.45 Uhr, Cinestar (OF)

Preview: Green Book
Ein italienischer Einwanderer wird zum Chauffeur eines afroamerikanischen Musikers auf Tour durch den amerikanischen Süden in den 1960ern. Während der langen Fahrt, bei der sie sich am sogenannten Negro Motorist Green Book orientieren, in dem die wenigen Unterkünfte und Restaurants aufgelistet sind, in dem auch schwarze Gäste willkommen sind, entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern.

26.12., 17.30 Uhr, Passage Kinos (Start: 31.1.)

Russisches Kino
Russisches Kino im Original ohne Untertitel – diesmal mit der Komödie »Yolki 7«: Es ist wieder Silvester und in Russland gehen die Menschen auf die Suche nach dem Glück.
26.12., 11, 15, 17 Uhr, Cineplex, 26.12., 17 Uhr, Cinestar, 26.12., 15, 17, 19 Uhr, Regina Palast (alle OF)

Filmriss Filmquiz

Das wird ein Fest: Filmalarm im StuK! Die beliebte Rateshow rund um alles was flimmert im Quizkeller! Ihr wisst, welche Farbe Marty McFlys Jacke hat? Wer zuerst schoss, Han Solo oder Greedo? Wie die ersten Worte von „Apocalypse Now“ oder die letzten von „2001“ lauten? Ihr könnt alle 50 Schattierungen von Grau aufzählen? Ihr buchstabiert den Handlungsort vom Murmeltiertag im Halbschlaf? Ihr bringt aus dem Stand alle Star Wars Teile in die chronologisch richtige Reihenfolge? Dann seid ihr hier genau richtig!

27.12., 20.30 Uhr, StuK Studentenkeller

Die Feuerzangenbowle
Der Klassiker mit Heinz Rühmann, der sich als Gymnasiast tarnt, um nie gemachte Pennälerstreiche nachzuholen. Am 14. Dezember beim Filmabend im Advent im KOMM-Haus und wie jedes Jahr am 31. Dezember mit Glühwein und Gebäck in den Passage Kinos.


31.12., 15, 17.30 Uhr, Passage Kinos

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