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Eine Anlaufstelle für Familien

Seit zehn Jahren hat Leipzig ein Familieninfobüro. Cornelia Pauschek über die Gründung und was seitdem passiert ist

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Burgplatz 1. Das Familieninfobüro ist noch umgeben von einer riesigen Baustelle, verfehlen kann man es trotzdem nicht. Cornelia Pauschek, Referentin für Familienpolitik, führt durch die Räumlichkeiten: Ein kleiner Eingangsbereich mit Theke, im Raum daneben ist das Büro. Schreibtische, Computer. In der Ecke Sessel und Spielzeug für die Kinder. Pauschek weiß einiges über das Büro zu erzählen, das seit seiner Gründung 2008 mehr als 110.000 Besucher verzeichnen kann.

kreuzer: Vor zehn Jahren wurde das Familieninfobüro gegründet. Mit welchem Ausgangsgedanken?
CORNELIA PAUSCHEK: Wir haben damals verschiedene Workshops gemacht und gemeinsam mit vielen Akteuren überlegt, wie die Stadt familienfreundlicher werden kann. Eine Idee war dann ein Büro zu schaffen – als Anlaufstelle für Familien, um sich zurechtzufinden in der sehr vielfältigen Landschaft in Leipzig.

kreuzer: Wie schnell wurde das Angebot damals wahrgenommen?
PAUSCHEK: Das hat eine Weile gebraucht. Zunächst einmal bestand unsere Hauptkundschaft aus Leuten, die sich im Rathaus verlaufen hatten. Dann haben wir mithilfe von Workshops und Infoabenden das Büro bekannter gemacht. Den richtigen Durchbruch gab es 2012 als wir damit begonnen haben die Babybox auszugeben. Seitdem kommt jede Familie fast zwangsläufig einmal bei uns vorbei.

kreuzer: An wen richten Sie sich mit Ihrer Arbeit?
PAUSCHEK: Unsere Hauptzielgruppe sind Eltern mit ihren jungen Kindern. Aber prinzipiell richten wir uns an alle. Auch an Seniorinnen und Senioren mit verschiedenen Angeboten, wie zum Beispiel der Seniorensprechstunde. Ich kann mich noch sehr genau an die erste Seniorin erinnern, die ins Büro kam und sagte, sie brauche eine Beratung zum Abfassen eines Testaments. Das war für uns als Familieninfobüro natürlich ungewöhnlich. Aber sie sagte dann sehr selbstbewusst: »Ich bin auch Familie und das ist auch eine Familienangelegenheit«.

kreuzer: Mit was für Themen kommen die Familien zu Ihnen ins Büro?
PAUSCHEK: Werdende Eltern informieren sich über alles was mit der Geburt in irgendeiner Form verbunden ist. Dazu zählen Behördenwege, welche Anträge sie stellen müssen, wo sie die Geburtsurkunde bekommen, wie sich die Sache mit dem Elterngeldantrag verhält. Wenn man die Themen in eine Rangreihenfolge setzt, ist die »finanzielle Leistung« das Topthema. Danach, aber weit abgeschlagen, rangieren die Themen Kitaplatz und Beratungs- und Hilfsangebote.

kreuzer: Wie laufen die einzelnen Beratungen ab? Ist das immer entspannt oder gibt es auch schwierige Situationen?
PAUSCHEK: Die meisten sind sehr entspannt. Oft sind das Eltern, die in einer sehr schönen Situation sind. Sie haben gerade ihr Baby bekommen. Die sind in der Regel in guter Stimmung und sehr überrascht, dass sie so freundlich bei uns aufgenommen werden. Natürlich passiert es, dass Leute kommen, die sich über irgendwas geärgert haben und sauer sind. Wir nehmen auch Beschwerden auf und leiten sie weiter.

kreuzer: Inwieweit hat sich das familiäre Leben in der Stadt in den letzten zehn Jahren verändert?
PAUSCHEK: Das ist immer sehr subjektiv. Ich empfinde es so, dass es sich sehr in Richtung Freundlichkeit verändert hat. Natürlich kann man nicht übersehen, dass wir als Stadt aus allen Nähten platzen. Also das ganz viele junge Menschen zugezogen sind, die auch hierbleiben, die hier ihre Familie gründen. In so einer Situation hinkt die Infrastruktur immer ein bisschen hinterher. Aber vom Klima her empfinde ich es so, dass sich das deutlich verbessert hat.

kreuzer: Wo gibt es Ihrer Meinung nach die größten Probleme für Familien in Leipzig?PAUSCHEK: In der Infrastruktur in Bezug auf Kitaplätze und Schulen. Die Stadt leistet hier sehr viel, beispielsweise mit speziellen Bauprogrammen. Trotzdem muss man dem Zuwachs aber erst einmal Herr werden. Außerdem sind Verdichtung und Verkehr zwischen Stadt und Land ein Thema. Wenn man in der Stadt leben möchte, dann nimmt man das in Kauf. Ich glaube, die Illusion hat keiner, dass man eine Stadt so verändern kann, dass alles verkehrsberuhigt ist und überall Grünflächen und Spielplätze dazwischen sind. Trotzdem würde ich sagen, dass sich die Stadt in den letzten Jahren zunehmend verdichtet hat. Und dass viele der kleinen Räume, die vorher Grünflächen waren, verschwinden.

kreuzer: Zehn Jahre sind geschafft. Wie blicken Sie in die Zukunft? Was wünschen Sie sich für das Familieninfobüro?
PAUSCHEK: Zunächst einmal eine gute Personalabsicherung. Außerdem denke ich, dass wir unsere Ehrenamtler noch ein Stückchen aufstocken könnten. Der Wunsch wäre da, für sie ein Bausteinsystem an Fortbildungen aufzubauen. Das Schwierige am Ehrenamt ist dass man trotz Freiwilligkeit eine gewisse Fachlichkeit gewährleisten muss. Schlimm wäre, wenn man bei uns falsche Auskünfte bekommt. Damit das nicht passiert, sind wir permanent dabei, unsere Mitarbeiter zu schulen. Wünschenswert wäre eine systematische, fachliche Schulung für die Ehrenamtler. Und dann würde ich mir wünschen, dass wir noch ein paar mutige Ideen haben, irgendetwas ganz Neues zu machen. Das geht aber nur, wenn man Personal hat, das auch die Zeit und damit Kraft hat, neue Angebote zu entwerfen und umzusetzen.

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