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Gegenarchiv

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Ein anderes Kino denken, die Gegenwart mitbestimmen, den Blick auf die Vergangenheit ändern. Das Gegenkino geht in die sechste Runde und stellt gewohnt Gültiges in Frage. Wer schreibt Geschichte und warum? Das ist die zentrale Frage in diesem Jahr und sie wird erörtert mit Filmen und Kunstformen, die das Medium Film adaptieren und in einen neuen Kontext setzen. Alle Vorträge, Ausstellungen, Konzerte und Filme gibt es im kreuzer-Veranstaltungskalender und einen ausführlichen Überblick über das Programm im kreuzer 04/19.

»Gegenkino #6«: 11.–22.4. u.a. UT Connewitz, Luru Kino in der Spinnerei, Schaubühne Lindenfels, www.gegenkino.de

 

Film der Woche: Für den Traum vom Reichtum geht Rapayet auf einen Deal mit den Amerikanern ein. Über die Jahre baut er gemeinsam mit seinem Freund Moisés einen florierenden Marihuana-Handel auf. Doch die Gier treibt die Freunde schließlich auseinander und ihr Volk in den Untergang. Die Geschichte vom Aufstieg des einfachen Mannes zum Drogenbaron flimmerte schon unzählige Male über die Leinwand. Dennoch ist diese einzigartig. Es ist die Geschichte einer verlorenen Unschuld, vom Verschwinden einer jahrhundertealten Tradition. Ein berauschender Trip in den Abgrund. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.
»Birds of Passage«:ab 4.4., Passage Kinos

Weil natürlich niemand Spoiler mag, wird auch in vielen Filmbesprechungen das Ende offen gelassen. Über diese Regel, die gleichermaßen heilig wie ungeschrieben ist, kann man sich bei »Im Land meiner Kinder« aber getrost hinwegsetzen, ohne auf direktem Wege in die Filmhölle zu kommen. Dario soll Deutscher werden, und das wird er am Ende auch. Feierlich bekommt der gebürtige Ecuadorianer vom damaligen Bürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz, seine Einbürgerungsurkunde in die Hand gedrückt. Gut, da ist er eigentlich schon Bürger Germaniens, doch taugt die etwas unbeholfen wirkende, offizielle »Deutschwerdung« einige Tage zuvor in einer sterilen hanseatischen Amtsstube nicht als würdiger Abschluss dieser Dokumentation. Man sieht es ihm nur zu gern nach, verbrachte Dario Aguirre doch zuvor Jahre tief im bürokratischen Dschungel, immer ruhelos, immer der Angst ausgesetzt, aus irgendwelchen Gründen nicht mal mehr erwünscht zu sein. Chronologisch beginnt Darios Geschichte in den 90er-Jahren, als er in seiner ecuadorianischen Heimat seine spätere Frau Stephanie kennenlernt. Sie stammt aus Deutschland, und bald reift in beiden die Erkenntnis, dass sie genau dort ihre gemeinsame Zukunft sehen. Das, was seitdem geschah, erzählt dieser Film anschaulich und beinahe ohne Distanz. Letzteres ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Dario nicht nur Protagonist, sondern auch Regisseur ist; schon allein das macht diese Dokumentation so besonders. Dem Film liegt, bei aller Heiterkeit, eine gewisse zynische Ironie zugrunde. Sie besteht darin, dass es für Dario eigentlich völlig egal ist, welche Nationalität in seinem Pass vermerkt ist – er aber immer wieder in seinem alltäglichen Leben damit konfrontiert wird, dass er in seiner neuen Heimat zumindest auf dem Papier immer ein Fremder bleiben wird. Für ein Land, in dem wahrscheinlich kein Thema die Gemüter so sehr erhitzt wie Migration, kommt dieser gelungene Film sicher nicht zur falschen Zeit. »Im Land meiner Kinder« endet im Dreiländereck in Zittau, wo, wenn man so will, Darios dritte und wichtigste Einbürgerungszeremonie stattfindet. Der Schwiegervater drückt ihm die Heckensäge in die Hand, die beiden sind umgeben von Büschen. »Es soll eine Kugel werden!«, ruft der ältere Herr ihm über den Lärm der Säge noch zu.
ALEXANDER KULLICK

»Im Land meiner Kinder«: ab 4.4., Cineding, am 6.4. mit anschließendem Filmgespräch mit Regisseur Dario Aguirre

Weitere Filmtermine der Woche

Kurzsuechtig Festival 

Das 16. Mitteldeutsche Kurzfilmfestival mit dem Wettbewerben Animation (3.4.), Dokumentarfilm (4.4.), Fiktion (5.4.), Experimentalfilm (6.4.) und dem Local VR Hero (6.4.) sowie dem Wettbewerb Filmmusik & Sounddesign (6.4.). Am 7.4. gibt es ein Best of des Festivaljahrgangs.

bis 7.4.Schaubühne Lindenfels, Passage Kinos, Kunstkraftwerk u.v.m.

Dark Eden – Der Albtraum vom Erdöl 

Die Leipzigerin Jasmin Herold schildert in ihrem Dokumentarfilm das existentialistische Drama um Segen und Fluch der Erdölgewinnung. Am 4.4. und 11.4. stellt sie ihn gemeinsam mit Co-Regisseur Michael Beamish in der Kinobar vor. Am 27.4. gibt es im Anschluss an die Vorführung ein Filmgespräch mit Joachim Eckstein (Vorstand der EGL – Energiegenossenschaft Leipzig), im Rahmen des Tages der Erneuerbaren Energien.

4.4., 18.30 Uhr, 11.4., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Jules et Jim

Die fast schon legendäre, sensibel gestaltete Geschichte einer unmöglichen deutsch-französischen Liebe zu Dritt. Nach dem Roman von Henri-Pierre Roche. – Filme mit Freunden

5.4., 20 Uhr, Pöge-Haus (OmU)

Diamanten der Nacht 

Zwei jüdische Gefangene können bei einem Transport von einem KZ in ein anderes entfliehen. Von einer Gruppe bewaffneter SS-Männer werden sie verfolgt – durch Wald und Schnee. – Tschechische Meister. Literaturverfilmungen 1929-1967

7.4., 19 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Frühlingssinfonie 

Der junge Komponist Robert Schumann verliebt sich in Clara, die Tochter seines Lehrers und Förderers Friedrich Wieck. Intensive Künstlerbiografie von Peter Schamoni. – Special im Rahmen von Clara 19: zum 200. Geburtstag von Clara Schumann, mit musikalischer Einstimmung um 11 Uhr, Filmstart: 11.30 Uhr

7.4., 11 Uhr, Passage Kinos

The Favourite – Intrigen und Irrsinn 

Alle buhlen um die Macht im Schatten von Queen Anne. Gefeiertes, oscargekröntes Historiendrama von Yorgos Lanthimos. Der Sonntagsfilm um 5.

7.4., 17 Uhr, Regina Palast

Trails in Motion 

Die Trailrunning Film Tour zeigt fünf Filme zum Langstreckenlauf auf den Bergen dieser Welt.

7.4., 17.30 Uhr, Cineplex

Maria Stuart, Königin von Schottland 

Die Rivalität der Cousinen Elisabeth I. und Maria Stuart, Königin von Schottland. – Filmleben

8.4., 17.30, 20.15 Uhr, 9.4., 17.30, 20.15 Uhr, Cineplex

Atlas 

Vorsichtige Annäherung zwischen Vater und Sohn vor dem Hintergrund einer kriminellen Entmietung. – Neues Deutsches Kino, am 9.4. Preview in Anwesenheit des Hauptdarstellers Rainer Bock und des Nebendarstellers Roman Kanonik.

9.4., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Club der roten Bänder 

Wie alles begann. Leo erkrankt an Krebs und muss lernen, damit umzugehen. Die Vorgeschichte der erfolgreichen Jugendserie. Wissenschaftskino

9.4., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Quartett 

In einem konfortablen Altersheim für Opernsänger bedroht das Auftauchen einer Diva die routinierten Vorbereitungen für das alljährliche Wohltätigkeitskonzert.

9.4., 19.15 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Glücklich wie Lazzaro 

Die außergewöhnliche, magische Geschichte des gutherzigen Lazzaro, der in einer Bauernkolonie in einem entlegenen Dorf lebt, das von der despotischen Marchesa und ihrem Sohn kontrolliert wird.

10.4., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Lab/p – Poetry in motion 3 

Ein deutsch-ägyptisches Kurzfilmprogramm ist heute in Anwesenheit der Filmemacher und Autoren in der Schaubühne Lindenfels zu erleben. Die dritte Ausgabe des Kurzfilmabends Lab/p ist eine Koproduktion von Ostpol Leipzig und Fig Leaf Studios Alexandria. Zum Thema »Identität« haben sechs internationale Teams je einen Kurzfilm umgesetzt. Die teils animierten, teils experimentellen Filme laden zu Abenteuern jenseits konventioneller Ästhetik ein.

10.4., 19.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Zuflucht 

In »Zuflucht« muss Martin wegen seiner Beteiligung an der Novemberrevolution aus Deutschland fliehen und kehrt erst acht Jahre später nach Berlin zurück. Die Marktverkäuferin Hannelore bietet ihm in ihrer Wohnung Obdach, woraufhin sich beide ineinander verlieben. Mit dem Kurzfilm »Markt in Berlin«. – Ballet Mécanique

10.4., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

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