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Die Sachspendenzentrale in Eutritzsch will mehr Transparenz zeigen

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Ende April veranstaltete die Sachspendenzentrale in Eutritzsch ihren ersten Tag der offenen Tür. Seit knapp zwei Jahren haben die Zentrale und die mobile Kleiderkammer hier ihren Standort. Der Tag der offenen Tür sollte dafür genutzt werden, um in der Öffentlichkeit sichtbarer zu werden.

Vor der Einfahrt der Sachspendenzentrale steht ein Schild, das auf den Tag der offenen Tür hinweist, ansonsten wirkt die Zentrale von außen recht unscheinbar. Auf dem Gelände stehen Bierbänke und -tische. Es gibt Kaffee, Kuchen und Snacks vom Grill. Am Ende der Einfahrt ist die Halle, in der sich die Spenden befinden. Alles gut sortiert, in Kartons gepackt und ordentlich beschriftet. 2015 ist die Sachspendenzentrale durch eine Bürgerinitiative entstanden, zwei Jahre später ist sie vom Leutzscher Bahnhof nach Eutritzsch gezogen. Hier sei sie dann von der Produktionsschule übernommen worden, sagt Julia Walta, die Bereichsleiterin für die Maßnahmen ist.

Die Arbeit in der Sachspendenzentrale ist eine Maßnahme des Jobcenters. »Wir arbeiten mit 19 Langzeitarbeitslosen«, sagt Koordinationsleiter Mathias Schreiber, »sie nehmen die Spenden an, sortieren sie, waschen und bügeln die Textilien«. Zur Arbeit gehört auch, mit der mobilen Kleiderkammer drei Mal die Woche verschiedene Einrichtungen anzufahren und die Sachen zu verkaufen. »Die Sachspendenzentrale reagiert auf Anfragen von Streetworkern und jeglichen Institutionen, die mit Bedürftigkeit im Alltag zu tun haben«, sagt Schreiber.

20 Cent pro Stück, Jacken kosten zwei Euro

Die Zentrale nimmt Textilien an, ausgeschlossen sind hingegen Möbel und Elektrogeräte. Schreiber ist auch der Ansicht, dass zu viele Sachen abgegeben werden, mehr als wieder verkauft werden kann. Mangel gäbe es jedoch stets an Männerkleidung, so Schreiber. Bei der mobilen Kleiderkammer wechselt der Andrang im Laufe des Monats. »Am Anfang ist der Zulauf deutlich höher, zum Ende merkt man, dass das Hartz-4-Geld nicht reicht«, sagt Schreiber. Die Kleidungsstücke sind dort sehr günstig zu erhalten, der Großteil kostet 20 Cent pro Stück, Jacken sind mit zwei Euro das Teuerste.

Dass zu viele Sachen da sind, muss nicht zwingend negativ gewertet werden. »Es kommt drauf an, wie hoch der Bedarf ist. Schon morgen könnten wir Hochwasser haben, oder ein Wohnblock brennt ab, dann verändert sich die Bedarfslage von jetzt auf gleich und da ist es wichtig, sofort handlungsfähig zu sein und den Bestand zu haben«, sagt Walta und ergänzt, dass man auch darauf achten müsse, dass die Bedarfe, die bestehen, abgedeckt werden könnten.

»Wir wollen das Image entstauben«

Die Angebote würden zwar angenommen, es könnte aber durchaus mehr sein, sagt Schreiber. Das sei auch der Grund für den Tag der offenen Tür. »Wir wollen nach außen treten, das Image entstauben und Netzwerkarbeit betreiben«, sagt Walta, »denn die Bedürftigkeit besteht ja, deshalb müssen wir mit anderen Vereinen und sozialen Projekten zusammenarbeiten«.

Ein Weg sei auch, die Bedarfe ganz speziell anzugehen. Perspektivisch ist das Ziel, einen Wiedererkennungswert zu schaffen und auch die sozialen Netzwerke stärker zu nutzen. Walta ist der Meinung, dass es für bedürftige Menschen eine Hemmschwelle geben könnte, die Zentrale aufzusuchen. »Man muss herkommen und sagen, dass man nicht viel hat – es ist also wichtig, mit Streetworkern zusammenzuarbeiten, die an den Leuten dran sind, ohne dass diese aus ihrer Not heraustreten müssen«.

Schreiber und Walta ist aber auch wichtig, zu zeigen, dass es einen Ort gibt, wo man unabhängig von Gründen und Rechtfertigungen sagen kann, dass es einem schlecht geht und man Unterstützung benötigt. Doch auch für die Menschen, die Sachen abgeben, will die Zentrale in Zukunft offener und transparenter sein.

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