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UKL-Mitarbeiter: »Leipziger Uniklinik hat kaum noch Corona-Schutzmasken«

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Leipzig hat seinen ersten Corona-Fall. Mehrere Mitarbeiter der Leipziger Uniklinik berichten, es fehle an den notwendigen Atemschutzmasken für das Personal. Die Uniklinik bestätigt »erschöpfte Lagerbestände«.

Bereits am Mittwoch berichteten mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) dem kreuzer unabhängig voneinander, dass FFP-2-Schutzmasken im Uniklinikum nicht mehr ausreichend vorrätig seien. Diese Masken sind notwendig, um das Personal bei der Behandlung von Corona-Infizierten wirksam zu schützen.

»Sobald die ersten Patienten mit Coronavirus in den Unikliniken auftauchen, werden beispielsweise Pfleger und Pflegerinnen infiziert, weil zu wenige Masken da sind«, sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, dem kreuzer.

Im Klinikbetrieb müssen die Schutzmasken mehrmals täglich gewechselt werden. Deshalb fürchtet die Mitarbeiterin, dass die aktuell vorhandenen Masken innerhalb weniger Tage verbraucht sein könnten. Pflegerinnen und Pfleger, die mit den Patienten Kontakt haben, wären dann nicht mehr geschützt. Dies könnte eine Kettenreaktion zur Folge haben: Personal würde sich infizieren, müsste in Quarantäne, was beim aktuellen Personalnotstand nur schwer zu kompensieren sei.

Die Universitätsklinik Leipzig bestätigt auf Nachfrage einen Mangel an FFP-2-Masken im Hause: »Wir haben im Moment wie alle Kliniken mit Lieferengpässen bei Atemschutzmasken zu kämpfen. Das führt dazu, dass die Lagerbestände an FFP-2-Masken derzeit erschöpft sind«, sagt Klinik-Sprecherin Helena Reinhardt.

»Auf unerklärliche Weise verloren gegangen«

»In der Uniklinik wurde der Mangel intern so begründet: Bestellungen seien storniert, weil Masken nicht lieferbar wären, außerdem wurde angedeutet, das Personal hätte vorhandene Masken aus dem Krankenhausvorrat gestohlen«, sagt ein weiterer Klinik-Mitarbeiter. Auch er möchte anonym bleiben. Ausreichend vorrätig sind ihm zufolge nur noch normale OP-Masken, der sogenannte Mund-Nasen-Schutz, die den Träger jedoch nicht ausreichend vor Viren schützen.

Tatsächlich konnte der kreuzer eine interne Order der Uniklinik einsehen, laut der pflichtwidriger Gebrauch und Hortung, sowie private Nutzung konsequent arbeitsrechtlich sanktioniert werden. Mitarbeiter berichten davon, dass viele Masken auf den Stationen inzwischen »auf unerklärliche Weise verloren gegangen« seien.

Klinik-Sprecherin Reinhardt erklärt: »Ausstehende Lieferungen haben sich verzögert. Daher wurden zur Absicherung unseres Personals unsere dezentralen Bestände gesichtet und gesichert. Diese Masken werden übrigens nicht nur bei Sars-CoV-2-Patienten benötigt. Unser Hauptziel ist es, die Versorgung der Patienten und den Schutz unserer Mitarbeiter sicherzustellen, was wir derzeit auch können.«

»Kein akuter Mangel« im St. Georg – Gesundheitsministerium sieht »bundesweites Problem«

Eine Sprecherin des zweiten großen Leipziger Krankenhauses, dem Klinikum St. Georg, teilt mit, dass detaillierte Fragen aus Zeitgründen nicht beantwortet werden können. Sie versichert aber, momentan herrsche im St. Georg kein akuter Mangel an Versorgungsmaterial.

Das sächsische Gesundheitsministerium schreibt auf kreuzer-Anfrage: »Nach unserer Kenntnis gibt es momentan ausreichende Bestände der beschriebenen Schutzkleidung (gemeint sind FFP-2-Masken, d. Red.). Die Bevorratung liegt in der Verantwortung der Kliniken. Uns ist bekannt, dass es Lieferengpässe bei Schutzkleidung gibt. Dies ist mindestens ein bundesweites, wenn nicht auch ein europa- oder gar weltweites Problem.«

Seit Ausbruch der Infektionen mit dem Coronavirus in Europa ist auch in Deutschland die Nachfrage nach Atemschutzmasken massiv gestiegen. In vielen Apotheken sind Schutzmasken seit Tagen ausverkauft. Kliniken und Ärzte berichten von gestohlenen Masken. Der Export der Masken ins Ausland wurde in dieser Woche untersagt.

Vor einer Tröpfcheninfektion mit Viren bieten die sogenannten Partikel-filternden Halbmasken der Klassen FFP-2 und FFP-3 einen akzeptablen Schutz. Am Montag dieser Woche wurde ein erster Corona-Fall in Sachsen gemeldet. Am heutigen Freitag ist die erste Infektion mit dem Coronavirus in Leipzig bekannt geworden. Der Infizierte wird aktuell im Klinikum St. Georg behandelt.

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Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. Anonym | 6. März 2020 | um 14:44 Uhr

    Fragt doch mal auch in anderen Leipziger Kliniken und Pflegeheimen nach. Die Lage ist Katastrophal. Ein Freund arbeitet in einer Klinik in Probstheida. Dort wird den Mitarbeitern gesagt, sie müssten auch arbeiten kommen wenn sie Kontaktperson eines Infizierten seien. „Sonst gebe es ja bald keine Pflegekräfte mehr“. Es gibt keine Masken mehr und Desinfektion ist auch abgezählt. Dort hat man es mit schwer erkrankten Menschen zu tun, sollten die sich infizieren dann wars das.
    Es gibt auch dort Patienten mit starken Grippesymptomen, diese werden weder auf Influenza noch auf Corona getestet. Man kann allen Menschen mit schweren Krankheiten nur wünschen, dass sie in nächster Zeit in kein Krankenhaus müssen.

  2. Anonym II | 12. März 2020 | um 19:00 Uhr

    Unverständlich, denn unlängst war man hier noch logistisch in der Lage, Unterkünfte für tausende Flüchtlinge in kürzester Zeit verfügbar zu machen und die Krankenkassen haben gerne auch die Zugezogenen behandelt, ohne dass diese je eingezahlt haben und jetzt ist es nicht möglich, Beatmungsgeräte und Masken zum Schutz der Bevölkerung bereit zu haben ?

    Das Land bricht zusammen bei 1000 (die Zahl, die gemeldet ist, Dunkelziffer fraglich) Infizierten. Es mangelt an Desinfektionsmitteln und Masken in dieser angeblich wohlhabenden Gesellschaft, die ihre kranken Bürger nicht mehr angemessen versorgen kann und eine Regierung lässt sich Wochen Zeit, um Entscheidungen zu treffen.

    Man kann nur noch hoffen und sich um sich selbst und seine Familie kümmern.

    Es sei angemerkt, dass im Iran eine 23 Jährige Profi Fußballerin und ein junger Arzt in Wuhan am Virus gestorben sind.
    Die Altersfrage und derzeit veröffentlichte Meinung sind damit teilweise obsolet.

    Bis Herr Jung Maßnahmen ergreift, vergehen einige wertvolle Tage bis Wochen. Die Bevölkerung ist prophylaktisch null sensibilisiert, das Gesundheitsamt hat keine Befugnisse und Herr Jung feiert erstmal seinen grün-linken erkauften Wahlsieg.

    Es zeigt sich, welche Verschwendung und Unfähigkeit Föderalismus bedeutet, zumindest hinsichtlich des Gesundheitssystems.

    Bildung derweil vernachlässigt. Die Lehrer werden in Kürze im Corona -Urlaub sein (bei vollem Gehalt und verbeamtet krankenversichert) während sich die Intensivversorgung mit Ärzten und Pflegekräften auf unbegrenzte Arbeitszeit aus Mangel an Fachpersonal einstellen darf.

    Ein miserables Bild diese Wirklichkeit.