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Editorial 05/20

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Mai-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe erzählt über die Arbeit aus dem HomeOffice, Veränderungen im Hauptquartier und die immense Solidarität in den letzten Wochen.

Seit mehr als drei Wochen fahre ich nicht mehr ins Büro. Ich arbeite zu Hause, mal in der Küche, meist aber in einem kleinen Zimmer, nicht viel größer als eine Abstellkammer und – wie ich schlotternd feststelle – der mit Abstand kälteste Raum der Wohnung.

Manchmal gehe ich nach vorne, in die Küche mit dem Balkon, und dann sehe ich, wie es Frühling wird. Ja, Mensch – diese Luft! Sie riecht so gut, sie wiegt so weich. Doch wenn ich davon am Telefon erzähle, sagen alle: Andreas, das liegt nicht am Lockdown, es wird jetzt einfach Frühling! Ja, sage ich, blablabla! Und denke: Liegt doch am Lockdown.

In dieser Zeit hat sich auch im kreuzer-Hauptquartier so einiges verändert. Das Büro ist leer. Nur die Geschäfsführer Pietsch und Schwardmann, Produktionsleiterin Kraus, Veranstaltungsredakteurin Ressel und eine wechselnde Abordnung der Anzeigenabteilung sind vor Ort. Wir von der Redaktion haben derweil gevideokonferenzt und unsere gesamte Planung wie auch die Produktion über Internet und Telefon abgewickelt. Außerdem gibts noch eine neue Onlineredaktion mit Anna Hoffmeister und Tarek Barkouni, die jetzt, zusammen mit Sibel Schick, das Geschehen auf www.kreuzer-leipzig.de bestimmen und dabei Hanteln stemmen. Herzlich willkommen, Anna und Tarek!

Tja, und nun halten Sie den vermutlich dünnsten kreuzer aller Zeiten in den Händen. Na ja, nicht ganz, in den neunziger Jahren gab es auch weniger Seiten, aber seitdem haben wir unser Angebot immer weiter ausgebaut. Zuletzt bis auf 132 Seiten, in diesem Heft sind es nur 68. Weniger Seiten bedeuten weniger Druckkosten. Ich finde aber, es ist trotzdem ein sehr schönes Heft geworden.

An unseren Politikseiten, der Titelgeschichte und dem Magazinteil haben wir nur ganz wenig gekürzt. Und so können Sie ab Seite 14 die Geschichte von Fabian Hillebrand über den Corona-Alltag in Leipzig lesen, illustriert von der supertollen Nadine Prange. Direkt anschließend gibts die Grüße, Gedichte und Fotos von kreuzer-Leserinnen und Lesern, die sie aus der heimischen Quarantäne hier zu uns auf die alte Kogge geschickt haben. Ich danke allen fleißigen Einschickerinnen und Einschickern. Und wo wir gerade dabei sind: Hillebrand, eigentlich Redakteur beim Neuen Deutschland, hat seine Geschichte dem kreuzer zum Geschenk gemacht und auf ein Honorar »natürlich«, wie er schrieb, verzichtet. Danke, Fabian!

Das Wichtigste aber kommt wie immer zuletzt. Und das ist die Solidarität, die der kreuzer in dieser Zeit erfahren hat. Ich bin ja manchmal (besonders morgens) ein wenig sentimental. Wenn das vom Rücken so rau rabbelt und man gleich losheulen muss, kennen Sie das? So wars, wenn wieder neue Nachrichten hereinkamen, Aufmunterungen, Glückwünsche, Lob und Unterstützung. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit, sagen die Psychologen, ist eines der schönsten und nachhaltigster Faktor für ein zufriedenes Leben. Es bedeutet: Mit meinen Handlungen habe ich etwas bewirkt. Dieses Gefühl haben Sie uns allen gegeben, Sie haben uns Mut gemacht. Und Sie haben etwas bewirkt.
Danke!

ANDREAS RAABE

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