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Editorial 03/21

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der März-Ausgabe des kreuzer. Darin erklärt Interims-Chef Tobias Prüwer, was auf dem Schiff passiert, solange Chefredakteur Andreas Raabe genesen wird – und dass der Übergang eigentlich ein Normalzustand ist.

Interim. Betrachten Sie dieses Editorial bitte als Ausdruck einer Zwischenzeit. An Übergangslösungen und Notbehelfe sind wir seit einem Jahr gut gewöhnt. Wenn schon Ausnahmezustand, dann richtig. Also müssen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nun zusätzlich zur Pandemie mit einem Aushilfschefredakteur und einem provisorischen Editorial vorliebnehmen.

Was war passiert? Ihr geschätzter Andreas Raabe muss nach acht Jahren zeitweise das kreuzer-Steuer abgeben – er ist längerfristig krankgeschrieben. Während wir ihm alle die beste Guterung und Rückkehr zur vollen Gesundheit wünschen, muss einer weiter das Deck schrubben. Das habe ich für dieses Heft getan. Zum Glück wird Kollegin Juliane 
Streich die nächsten Ausgaben übernehmen. Sie kennen sie als langjährige kreuzer-Musik- und Online-Redakteurin, die sie bis vor zwei Jahren war. Als freie Autorin blieb sie uns erhalten. Und wird nun mit der geballten Kraft ihrer Lässigkeit die nächsten Monate die Segel setzen und mit voller Fahrt voraus die Wellenreiter kielholen.

Interim. Nicht nur in Seuchenzeiten ist der Übergang der Normalzustand. Wir bemerken das nur nicht so intensiv. Nehmen Sie den Begriff Identität – der derzeit wieder viel gescholten wird. »Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose«: Wann sind wir denn jemals mit uns selbst identisch – kann man solch einen Satz überhaupt sinnvoll formulieren? »Ich bin mit mir selbst identisch.« Persönlichkeit ist immer eine Art Übergang, man weiß nur nicht, von wo nach wo. Eine Bewegung, ein Kommen und Werden ist auch die Demokratie; oder ein Vergehen und Verderben, wenn wir nicht aufpassen. Demokratie ist nicht fixiert, kein fester Gesellschaftszustand, sondern ein permanentes Aushandeln, ein Ringen auf allen Ebenen um eine bessere Gegenwart und noch bessere Zukunft – etwas Kommendes.

Dass etwas wahrscheinlich Kommendes nicht eintreten soll, ist derzeit ein wichtiges Ziel demokratischer Debatten. Die meisten sind sich einig: Auf die eine oder andere verheerende Art wird die Klimakatastrophe über uns hereinbrechen – genau genommen ist sie schon da. Um weiteres Unheil abzuwenden, hat die Stadt Leipzig vor zwei Jahren den Klimanotstand ausgerufen (auch so eine Art Interim). Nur – ist es damit getan? Was heißt das eigentlich und sind wir jetzt alle gerettet? Leider ist es nicht so einfach, wie kreuzer-Redakteur Josef Braun weiß. Er hat für Sie in der Titelgeschichte zusammengetragen, was seitdem passiert ist. Eigentlich sind sich auch alle einig, dass etwas in Sachen Klima getan werden muss, es geht nur noch nicht so richtig los. Warum das so ist? Das erfahren Sie ebenfalls in der Titelgeschichte (S. 16–23).

Immer klemmt halt irgendetwas. Auch so ein ständiges Interim. Meine Interims-Zeit ist bereits vorbei, wenn Sie diese 
kreuzer-Ausgabe in den Händen halten. Als Urlaubsvertretung werde ich Ihnen dann und wann erhalten bleiben. Drücken Sie die Daumen, dass der Herr Raabe bunt und munter auf die Brücke zurückkehren kann. Und bis dahin bleiben Sie mit Frau Streich hart am Wind.

»Supernormal«: Für diesen Marketingslogan wurde die Stadt Elmshorn ausgiebig verspottet. Nun könnte man loben, wie weitsichtig das Motto gewählt wurde, wäre es nicht perfekt als Wahlspruch für eine neue Zeit – zurück in die Zukunft?

Maybe. Interim aus, Ende neu. Für mich bleibt zu sagen: Auf bald. Genießen Sie die Interims, bedeutet Leben nichts anderes. Und vergessen Sie diesen schweren Gedanken sofort wieder. Genießen Sie die Freiräume, die uns bleiben oder sich eröffnen. Nehmen Sie Rücksicht auf andere und auf sich selbst.

TOBIAS PRÜWER

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