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Grüße von der Insel

Zum neunzigsten Geburtstag des Künstlers erscheint »Janosch. Leben und Werk«

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Unzählige Bücher überfluten den Markt. Linn Penelope Micklitz und Josef Braun helfen einmal wöchentlich auf »kreuzer online« bei der Auswahl. Diesmal stöbert Familienredakteur Josef Braun in »Janosch. Leben und Werk« und trifft auf alte Bekannte wie Tiger, Bär und Herr Wondrak, genauso wie auf eher unbekannte Janosch-Werke.

Eigentlich könnte man sein Leben auf eine der Postkarten schreiben, die Janosch im Laufe seiner abwechslungsreichen künstlerischen Karriere gezeichnet hat. Dort würde dann stehen, dass Janosch als Horst Eckert in Oberschlesien geboren wurde, während des zweiten Weltkrieges nach Westdeutschland floh und schließlich eine Ausbildung an der Münchener Akademie der Künste absolvierte. Außerdem natürlich, dass er inzwischen auf der Insel Teneriffa wohnt. Von der meldet er sich nur selten zu Wort. Vielleicht gäbe es noch einen Hinweis auf den großen Erfolg seiner Figuren. Oder darauf, dass er um die Jahrtausendwende beschloss, die Rechte der Bekanntesten von ihnen zu verkaufen. Die Folgen lassen sich noch heute in deutschen Kinderzimmern, Spielzeug- oder Buchläden sehen. Überall sind sie zu finden der Bär, der Tiger, die Tigerente und Günter Kastenfrosch. Doch Janoschs künstlerisches Universum ging stets weit über sie hinaus.

Janosch. Leben & Werk; Cover: Merlin Verlag.

Einen Eindruck seiner vielfältigen Arbeitsweisen und der verschiedenen Genres, der er sich dabei bediente, bietet der Band »Janosch. Leben und Werk«. Erschienen im Merlin Verlag finden sich darin weit über 200 Abbildungen von Janoschs Werken aus sechs Jahrzehnten. Da stehen Aquarelle neben Zeichnungen, Drucke neben Radierungen oder Textilarbeiten. Sie zeigen Janoschs Entwicklung als Künstler, die niemals gradlinig verlief. So tauchen Gestalten wiederholt auf, Motive werden verändert oder in neue Kontexte gesetzt. Treu bleiben sich die Bilder in ihrem Witz und darin, wie sie scheinbar Bekanntes auf den Kopf stellen. In einem Janosch-Haus geht es so wild zu wie in Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt. Und weil die Anarchie nicht an der Haustüre endet, gibt es auch auf hoher See oder inmitten eines Feldes viel zu entdecken. Darunter den ein oder anderen gut verpackten politischen Kommentar.

»Janosch. Leben und Werk« ist kein Kinderbuch. Junge Leserinnen werden darin vielleicht die ein oder andere vertraute Figur wiederfinden. Die meisten Bilder sprechen doch eher Erwachsene an. Für sie ist auch das Vorwort, dass die wenigen Daten zu Janoschs Leben und Werk zusammenträgt. Hier hätte man sich ausführlichere Informationen gewünscht. Aber vielleicht gibt es die auch gar nicht. Nicht bei diesem rätselhaften, unbändigen Künstler, der am 11. März neunzig Jahre alt wird und mit diesem Band eine verdiente Würdigung erfährt.

Marie Thierit & Marc Bastet (Hrsg.): Janosch. Leben und Werk. Gifkendorf: Merlin 2021. 240 S., 38 €

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