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Lara Rüter gewinnt Lyrik-Wettbewerb

Dichterin aus Leipzig mit Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis ausgezeichnet

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Mit ihrer Verbindung aus Mythen-Rückgriff und Computer-Jugendsprache überzeugte sie die Jury – und räumte damit erneut ab: Lara Rüter ist eine der drei Gewinnerinnen des großen Lyrik-Wettbewerbs »Literarischer März Darmstadt«.

Der »Literarische März« findet alle zwei Jahren in Darmstadt statt. Am Wettbewerb teilnehmen können Lyrikerinnen, die jünger als 35 Jahre alt sind. Die Corona-Pandemie hat das gewöhnliche Programm geändert, Live-Lesungen waren nicht möglich. Stattdessen haben die Teilnehmerinnen vorab Videos ihrer Lesungen aufgezeichnet, die am Wettbewerbstag im Internet ausgestrahlt und von der Jury im Livestream diskutiert wurden. Für den Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt Jochen Partsch eine besondere Situation: »Das war für alle nicht einfach. Das war eine neue Erfahrung. Aber auch dieser 22. Literarische März war ein belebender, inspirierender und auch irgendwie schöner Literarischer März.« Trägerin des diesjährigen Leonce-und-Lena-Preis ist Katrin Pitz, den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis erhielten Anna Hetzer und Lara Rüter.

Rüter ist zwar nicht in Leipzig geboren, lebt jedoch schon lange hier. Es ist nicht der erste Preis für die junge Autorin. 2018 wurde sie bereits mit dem Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis, dem Lyrikpreis des Open Mike sowie 2020 mit dem Caroline-Schlegel- Förderpreis für Essayistik ausgezeichnet. Noch beim Open Mike staunte Juror Steffen Popp darüber, wie gekonnt Rüter in ihren Gedichten »über Vergänglichkeit, Müll und gärigen Atem ausgeprägtes Formbewusstsein mit radikaler Subjektivität verbindet.« Über Rüters »radikale Subjektivität« diskutierte die Jury auch in diesem Jahr – anhand der ihrer neuen Gedichte.

Innovation, richtige Balance, Originalität – diese Eigenschaften von Rüters Gedichten hoben die Expertinnen besonders lobend hervor. Die Jury war begeistert von der »Koppelung von Mythen-Rückgriff und Computer-Jugendsprache des 21. Jahrhunderts, von Naivität und Raffinesse, von Koketterie und Ausgebufftheit«, die Rüter in ihrer Gedicht-Serie »lovey dovey dummchen« mit Bezügen zu Weltkulturschöpfungen wie Botticellis Venus oder Ovids klassischer altrömischer Lyrik, mit Wortspielen und einer Balance zwischen Tradition und Slang geschickt miteinander verwebt. »lovey dovey dummchen« ist keine Geschichte mit gewöhnlichen Szenario: Jedes Gedicht könnte sowohl als Teil eines größeren Konnexes, als auch als selbstständiges Werk gelesen werden. Die philosophischen Fragen über Liebe, Menschheit und Leben werden durch die digitale Routine aufgelöst, die sich als nicht minder philosophisch und poetisch erweist:

»google, was ich nicht kenn. sowas kommt vor, okay, lad ich mir.
füg hinzu: das missgeschick im nacken, das wie die arbeit ruht
die gestern andockte. to do, to do. lustig, wie venus strauchelt.
bin ich ihr punkt, ein kringel im meer, wirble lakonisch delfine rum.«

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