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Stadtleben

»Sauna ist auch Sport«

Aufgussmeister-Meister Kacper Zawadzki über die WM sowie Spiderman und Filzhüte in der Sauna

  »Sauna ist auch Sport« | Aufgussmeister-Meister Kacper Zawadzki über die WM sowie Spiderman und Filzhüte in der Sauna  Foto: Ein Meister seines Fachs: Kacper Zawadski/Christiane Gundlach

An einem diesigen, für einen Schwitzhüttenbesuch prädestinierten Tag empfängt uns Kacper Zawadzki in der Meri-Sauna am Kulkwitzer See. Der deutsche Meister im Saunaaufguss von 2024 sprach mit uns über die WM in Verona und Tipps fürs richtige Saunieren.

Wie kommt man dazu, Aufgussmeister zu werden?

Als ich eines Tages beim Saunieren war und den Aufguss beobachtet habe, wollte ich das auch mal probieren. Der Aufgussmeister hat mir damals ein, zwei Wedeltechniken mit dem Handtuch gezeigt, ich habe das dann zu Hause nachgemacht und trainiert. Beim nächsten Mal habe ich ihn dann gefragt, ob ich das auch mal für einen Aufguss machen darf (lacht). So ging das dann los, es wurde langsam mein Hobby. Durch die Energie der Leute und die positiven Rückmeldungen bin ich drangeblieben. Ich habe gemerkt, ich kann Meditation mit dem Showeffekt verbinden und wurde Jahr für Jahr besser. Von meiner Zeit als Fußballer habe ich ein Fitnesslevel mitgebracht, denn Sauna ist auch anstrengend, ist auch Sport: Man bewegt sich in der Hitze, muss beweglich sein.


Wie kam es dann zur Teilnahme an Wettbewerben?

Ich mache das beruflich seit etwa acht Jahren, erst in Polen und nun seit knapp drei Jahren hier. Leute haben mich gefragt, ob ich nicht mal bei einem Wettbewerb mitmachen will. Ich hab das dann gemacht, noch in Polen, aber auch damals schon oft in Deutschland, das waren meist Events in Thermen. Die Wettkämpfe sind jedes Jahr anders, es geht nicht nur ums Aufgießen, sondern man erzählt eine Geschichte. 2024 wurde ich deutscher Meister, 2025 Dritter.


Durch die deutsche Meisterschaft qualifizierten Sie sich für die WM. Wie war das Turnier letztes Jahr in Verona?

Es kamen Teilnehmer aus der ganzen Welt, sogar aus den USA, Japan und Kanada kamen Aufgussmeister. Es gab Team- und Einzelwettbewerbe, ich bin im Einzel gestartet. Es war sehr interessant, weil die Saunakulturen sehr unterschiedlich sind. In Japan zum Beispiel darf nicht nackt sauniert werden – in Deutschland hat man damit ja kein Problem (lacht). Man kann viel lernen von anderen Aufgüssen, anderen Ideen, die man mitnehmen kann. Die Atmosphäre war toll. Ich habe den 13. Platz geholt von 40 und war zufrieden. Das Turnier fand in einer richtigen Arena statt: einer Sauna für 300 Leute!


Sie haben gerade davon gesprochen, beim Aufgießen eine Geschichte zu erzählen. Erzählen Sie doch mal!

Früher haben die Teilnehmer bei der WM einfache Themen gewählt: Titanic, Wikinger, Spiderman, so was. Heute muss man kreative Ideen haben, um die Jury zu beeindrucken. Ich habe letztes Jahr ein postapokalyptisches Szenario entwickelt: Ich muss in einer Welt nach einer Katastrophe das Haus meiner Familie finden. Dort suche ich das Familienalbum, ich muss die Vergangenheit zuschließen, um die Zukunft zu öffnen. Diese Geschichte habe ich in Verona versucht zu erzählen. Vielleicht war es ein bisschen zu philosophisch … (lacht) Die Leute wollen unterhalten werden, es darf nicht zu simpel, aber auch nicht zu kompliziert sein.


Wie oft gehen Sie selbst saunieren?

Da ich alle zwei Tage Aufgüsse mache und dazwischen einen Tag Massage-Termine habe, komme ich nicht so oft dazu, selbst saunieren zu gehen. Man braucht den Ruhetag auch, die Aufgüsse sind körperlich anstrengend.


Was ist für Sie das Schönste am Saunabesuch?

Dass die Leute den Kopf freikriegen, finde ich gut, diesen Meditations-Charakter. Wenn ich meinen Show-Aufguss gemacht habe, spielt der Spaß schon eine Rolle. Dazu gehört das Feedback der Leute, wenn die sagen: Das war super. Wenn ich für mich gehe, möchte ich den Kopf freikriegen. In der Sauna sind alle gleich, es gibt keinen Chef, keinen Angestellten, alle sind gemeinsam da.


Verraten Sie uns Ihren Lieblingsduft?

Das wechselt jedes Jahr bei mir. Am Anfang meiner Zeit als Aufgussmeister hatte ich andere Ideen als jetzt. Ich mag Kräuter, Naturaufgüsse. Manchmal mache ich auch Aufgüsse mit Klangschale, da passen Kräuter auch besser dazu. Das habe ich mir selbst beigebracht, da experimentiere ich noch rum.


Welche Sauna-Tipps haben Sie?

Ganz klar: Viel trinken, nicht zu viel oder keinen Alkohol beim Saunabesuch. Wenn man nicht mehr so viele Haare hat, ist ein Filzhut gut. Und im Winter kann ich ein Eisbad nach dem Saunagang sehr empfehlen. Was viele Leute nicht wissen: Man sollte sich von den Füßen aufwärts kalt abduschen, wenn man aus der Sauna kommt, nicht direkt das kalte Wasser auf den Kopf. So hat der erhitzte Körper Zeit, sich an die kalten Temperaturen zu gewöhnen. 


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