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Kultur

Echter und fantastischer Horror

Die Kinostarts der Woche

  Echter und fantastischer Horror | Die Kinostarts der Woche  Foto: Filmstill »Souleymanes Geschichte«/ Film Kino Text


Film der Woche: Es gibt diese Filme, die ganz ihren Protagonisten gehören. In Vittorio De Siccas »Fahrraddiebe« waren es der Vater und sein Sohn. In »Zwei Tage, eine Nacht« Marion Cotillard als verzweifelte Mutter am Rand zur Arbeitslosigkeit. »Souleymanes Geschichte« passt in vielerlei Hinsicht in diese illustre Gesellschaft. Hauptdarsteller ist der Laienschauspieler Abou Sangaré. In der ersten Einstellung wartet er, notdürftig zurechtgemacht, auf seine Asyl-Anhörung. Dann spult der Film zurück und zeigt uns die Tage, die zu diesem Moment geführt haben.

Als Lieferfahrer hetzt Souleymane durch Paris und man kann gar nicht anders, als darin auch eine Metapher für seine Situation zu sehen. Prekär, vulnerabel, mit wenig Spielraum für die eigenen Bedürfnisse. Der Keks wird auf dem Rad verschlungen, die Trennung von der Freundin in Guinea, muss in einem dunklen Treppenhaus bewältigt werden. Und wenn Souleymane sich nachts hinlegt, dann in das Doppelstockbett einer Obdachlosenunterkunft. Das alles, während über ihm das Damoklesschwert der Anhörung schwebt.

Tristan Galand’s Kamera bleibt stets ganz dicht bei diesem Mann. Der Ton fängt den permanenten Lärm um ihn kongenial ein. Doch am Ende ist es die schauspielerische Performance, die im Gedächtnis bleibt. Sangaré, der für den Film seine eigene Fluchtbiografie zur Verfügung stellte, gewann dafür 2024 unter anderem einen Preis in Cannes. Völlig verdient. JOSEF BRAUN

»Souleymans Geschichte«: ab 19.2., Cinémathèque, Schaubühne Lindenfels


In nicht allzu ferner Zukunft haben die Uniformträger des »Amtes für Ruhe und Ordnung« die Kontrolle über die Bürger erlangt. Wer sich intolerant oder aufmüpfig verhält, wird zu Kreativarbeit verdonnert. Der eigenbrötlerische Messie Hugo Drowak hat Beamte mit Urinbomben beworfen und muss nun einen Strafkurs in Kreativem Schreiben ableisten. Die junge und ambitionierte Lena Jakobi leitet den Kurs, und da Drowak der einzige Teilnehmer ist, gibt sie ihm die Stunden in seiner zugemüllten Wohnung. Bei den gemeinsamen Treffen gelingt es Jakobi, dass sich Drowak schließlich öffnet und aus seiner wesentlich bunteren Vergangenheit berichtet. Diese Szenen sind in Farbe gedreht, wohingegen die Gegenwart im Film in kontrastreichem Schwarz-Weiß eingefangen ist. Nicolas Steiner hat in seinem Spielfilmdebüt ein hervorragend durchkomponiertes Kinoerlebnis geschaffen, das dank Markus Nestroys preiswürdiger Kameraarbeit faszinierende Bilder von einer futuristisch angehauchten Welt entwirft, die unserer heutigen trotzdem gar nicht so unähnlich ist. Denn hinter der überzogenen Geschichte, die voller surrealer Ideen und liebenswert-verspielter Absurditäten steckt, verbirgt sich auch eine beißende Gesellschaftskritik. Die aus international erfolgreichen Kinostars bestehende Darstellerriege ist exzellent, insbesondere zwischen Karl Markovics und Luna Wedler stimmt die Chemie. FRANK BRENNER

»Sie glauben an Engel, Herr Drowak?«: ab 19.2., Passage-Kinos, Schauburg


Die Welt in Bryan Fullers Spielfilmdebüt funktioniert nach ihren eigenen Regeln, ganz so wie man es von einem der kreativsten Serienschöpfer (»Pushing Daisies«, »American Gods«) der letzten Jahre erwartet. Mit »Dust Bunny« erzählt er ein Schauermärchen für die ganze Familie – also zumindest scheint es zunächst so. Das Haus, in dem die achtjährige Aurora mit ihren Eltern lebt, wirkt in seinen kräftigen Farben und verspielten Ornamenten wie einem Jeunet/Caro-Streifen entlehnt. Der Einstieg ist märchenhaft, so tut man die Angst des kleinen Mädchens vor dem Monster unter ihrem Bett auch zunächst als kindliche Phantasie ab. Doch die Hasengestalt, die sich aus den Staubflusen zusammenfindet, ist real und hat spitze Zähne. Das müssen auch Auroras Eltern erfahren und so ist das Mädchen bald auf sich allein gestellt. Nur gut, dass sie des Nachts ihren schweigsamen Nachbarn beobachtet, wie er in einer dunklen Gasse gegen Drachen und fiese Schergen kämpft. Also heuert sie ihn kurzerhand an, um das Monster zu erlegen. So wird es alsbald actionreich und ganz schön blutig und »Dust Bunny« zum höchst unterhaltsamen Albtraum. Sophie Sloan und Mad Mikkelsen geben ein gutes Team ab, das nicht von ungefähr an »Léon – Der Profi« erinnert. Ein Schuss »Matrix« steckt aber auch in der DNA von Fullers Debüt. Auf jeden Fall ist die Mischung frisch, immer überraschend und kreativ und funktioniert auch dank der gut aufgelegten Darsteller erstaunlich gut.

»Dust Bunny«: ab 19.2., Passage-Kinos, Cineplex, Schauburg, Regina-Palast


Weitere Filmtermine der Woche

Epic: Elvis Presley in Concert
USA/AUS 2025, R: Baz Luhrmann, 96 min

Nach seinem Biopic über Elvis Presley inszenierte Baz Luhrmann nun einen Konzertfilm, der überwiegend aus bislang unveröffentlichtem Material aus Presleys früher Las-Vegas-Zeit besteht.

Cinestar 20.02. 20:00 (OmU)


Svadba
KRO/SRB, R: Igor Šeregi, D: Rene Bitorajac, Dragan Bjelogrlić, Linda Begonja, 97 min

Die Tochter des kroatischen Geschäftsmanns Miljenko will in dieser Komödie den Vater ihres ungeborenen Kindes heiraten. Dass der ein Serbe ist, schmeckt Miljenko allerdings nicht und auch die Eltern des Bräutigams sind wenig begeistert über die Verbindung.

Cineplex 21.02. 17:30 (OmU)

Das deutsche Volk
D 2025, Dok, R: Marcin Wierzchowski, 132 min

Vier Jahre lang begleitet der Dokumentarfilm Überlebende und Hinterbliebene des rassistischen Anschlags in Hanau, der am 19. Februar 2020 neun junge Menschen aus dem Leben riss.

Cineding 21.02. 19:00 (Film & Gespräch)


Architektur des Glücks
D/CH 2025, Dok, R: Michele Cirigliano, Anton von Bredow, 83 min

Doku über die bewegte Geschichte des Spielcasinos im italienischen Campione am Lago di Lugano. Erbaut wurde es vom Architekten Mario Botta.

Passage-Kinos 22.02. 13:00 (OmU)

Assembly
USA 2025, Dok, R: Rashaad Newsome, Johnny Symons, 98 min

Der Künstler Rashaad Newsome verwandelt ein ehemaliges Militärgelände in einen Rückzugsort, an dem Künstlerinnen und Künstler ihre schwarze, queere Identität erkunden.

Ost-Passage-Theater 25.02. 19:00 (Black History Month)


Der lange Februar 
D/UKR 2024, R: Michael Stadnik,, 79 min

Doku über den russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 und die sich daran anschließende Besatzung der Stadt Butscha, bei der viele Bewohnerinnen und Bewohner grausam ermordet wurden.

Schaubühne Lindenfels 24.02. 18:30 (anschließend Gespräch, OmU)

Filmriss Filmquiz

Beim Filmquiz gibt es die Möglichkeit, Filmwissen zu beweisen und sich mit tollen Gewinnen wie Freikarten, T-Shirts, Büchern und mehr einzudecken. André Thaetz und kreuzer-Redakteur Lars Tunçay laden ein zu Wissenstest und launigen Spielerunden.

Moritzbastei 25.02. 20:00


Luru Archive: Im Dutzend zur Hölle / Abrechnung in San Francisco
I 1973/1976, R: Alberto De Martino / Maurizio Lucidi, D: Martin Balsam, Tomás Milián, Francisco Rabal / Roger Moore, Stacy Keach, Ivo Garrani, 194 min

Es werden zwei italienische Mafiathriller aus den 1970ern mit internationaler Besetzung gezeigt.

Luru-Kino in der Spinnerei 23.02. 20:00

Horror-Doppel mit Donis: Weapons / Bring Her Back
USA/AUS 2025, R: Zach Cregger / Michael Philippou, Danny Philippou, D: Josh Brolin, Julia Garner, Alden Ehrenreich / Sally Hawkins, Billy Barratt, Sora Wong, 227 min

Zwei der besten und intensivsten Horrorfilme des Jahres 2025 nacheinander.

Luru-Kino in der Spinnerei 25.02. 19:00 (OmU)

Pillion 
GB/IRL 2025, R: Harry Lighton, D: Alexander Skarsgård, Lesley Sharp, Harry Melling, 107 min

Mit viel Charme, Einfühlsamkeit und Verständnis schildert Harry Lightons Film die dominante Liebesgeschichte zwischen dem schüchternen Colin und dem Biker Ray.

Passage-Kinos 25.02. 20:30 (OmU, QueerBLICK)

Viktor
DK/UKR/F/USA 2024, Dok, R: Olivier Sarbil, 89 min

Ein sehr persönliches audiovisuelles Erlebnis, das den Weg eines Gehörlosen durch die russische Invasion in der Ukraine und das darauf folgende Chaos zeigt.

Luru-Kino in der Spinnerei 24.02. 19:00 (24FPS – Fotografie im Film, OmeU)

Welcome Venice
I 2022, R: Andrea Segre, D: Paolo Pierobon, Andrea Pennacchi, Ottavia Piccolo, 103 min

Die Brüder Pietro und Alvise gehören zu einer alten Fischerfamilie in Venedig. Der zunehmende Einfluss des globalen Tourismus verändert die Beziehungen zwischen der Stadt und ihren Bewohnern. Obwohl es anstrengend und einsam ist, möchte Pietro weiterhin Krebse in der Lagune fischen. Alvise hingegen sieht in seinem Elternhaus die Möglichkeit, neu anzufangen, indem er Beziehungen zur Immobilienelite aufnimmt. Der Konflikt greift schließlich auf die ganze Familie über.

Stadtbüro 24.02. 18:00 (Architektur im Film, Film & Gespräch)


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