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Politik

Schkeuditzer Kettensägenmassaker

Am Samstag tagt die libertäre Milei-Konferenz in Schkeuditz über Mittel zum Staatsabbau. Unter den dort zusammenkommenden Staatsverächtern sind einige, die von der öffentlichen Hand leben.

  Schkeuditzer Kettensägenmassaker | Am Samstag tagt die libertäre Milei-Konferenz in Schkeuditz über Mittel zum Staatsabbau. Unter den dort zusammenkommenden Staatsverächtern sind einige, die von der öffentlichen Hand leben.  Foto: Adobe Stock


Es beginnt mit einem Etikettenschwindel: Die Milei-Konferenz findet 2026 ihrer Ankündigung zum Trotz am Samstag nicht in Leipzig statt, sondern in Schkeuditz. Das klingt natürlich weniger mondän, wenn Köpfe aus dem ultrakonservativem, rechten und libertären Lager diskutieren, wie sie an den Staat die Kettensäge anlegen können. Darin eifern sie ihrem namengebendem Vorbild, dem argentinischen Präsidenten Javier Milei nach. Der hatte das Waldarbeiterwerkzeug zum Symbol eines libertären Autoritarismus gemacht; denn im Kern geht es um die Bemächtigung von staatlicher Macht. Unter den nun in Schkeuditz zusammenkommenden Staatsverächtern sind einige, die von der öffentlichen Hand leben.

Warum sie sich in Schkeuditz treffen, liegt mutmaßlich an der guten Erreichbarkeit des Veranstaltungsorts. Und dass er offenbar problemlos für rechte Auftritte mietbar ist. Denn auf der in Privatbesitz befindlichen Messe Schkeuditz, die unterm Namen Globana Event Campus firmiert, fanden in der Vergangenheit mehrfach Konferenzen des extrem rechten Compact-Magazins statt. Hier soll also am 14. März diskutiert werden, wie die gefühlte Unfreiheit in Deutschland überwunden und die Wirtschaft entfesselt werden kann.

Das Milei-Institut ist aus dem Umfeld der Hayek-Gesellschaft erwachsen, der auch AfD-Leute wie Alice Weidel (mittlerweile ausgetreten) und Beatrix von Storch angehören. Der stellvertretende Geschäftsführer der Hayek-Gesellschaft, Carlos A. Gebauer, gründete das Milei-Institut im Januar 2026. Der Jurist verfügt vor allem deshalb über eine gewisse Prominenz, weil er in der RTL-Gerichtssoap »Das Strafgericht« hundertfach als Strafverteidiger auftrat. Er erntete intern Kritik, als er die Aufnahme von Hans-Georg Maaßen in der Gesellschaft befürwortete. Der ehemalige Verfassungsschutzchef wird nach seinem voreiligen Ausscheiden aus dem Amt selbst vom Verfassungsschutz als extrem Rechter geführt.

Frauke Petry fungiert als Gebauers Stellvertreterin im Milei-Institut. Die Unternehmerin machte sich vor allem als AfD-Politikerin einen Namen – und durch ihr Scheitern im dortigen internen Machtkampf. Zwischendurch versuchte sie, mit der Blauen Partei zu punkten. Derzeit führt sie die Kleinstpartei Team Freiheit an, die den Sozialstaat zerschlagen will und Klimaschutz ablehnt. Auch die ehemalige AfD-Politikerin und Ex-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar ist Mitglied im Institut. Beide haben zeitweise also von dem Staat profitiert, den sie nun abbauen möchten. Mit mehreren Professoren sind Personen im Institut vertreten, die direkt von staatlicher Alimentierung profitieren. Auch Referierende auf der Konferenz in Schkeuditz werden öffentlich gefördert oder bezahlt.

So tritt der Geschäftsführer des extrem konservativen bis rechten R21-Thinktanks Martin Hagen auf. Für die Vereinigung sah der Bundeshaushalt 2025 satte 250.000 Euro vor. Mit Tim Drygala spricht ein Professor der Universität Leipzig in Schkeuditz, der ebenfalls zum Team Freiheit zählt. Der Jurist fiel zuletzt lärmend auf X – ehemals Twitter – vor allem mit sexistischer Schlagseite auf. »Das wird mal noch sagen dürfen«, wird er wohl auf der Konferenz im Zeichen der Kettensäge sagen dürfen.


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