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Kultur

»Gegensätze werden bewusst aufeinander losgelassen«

Leipjazzig feiert seinen 30. Geburtstag mit einem Festival im Ring-Café

  »Gegensätze werden bewusst aufeinander losgelassen« | Leipjazzig feiert seinen 30. Geburtstag mit einem Festival im Ring-Café  Foto: Gellert Szabo Ideal Orchestra

Zwischen Mokkadiele, Bar, Konzert- und Tages-Café lässt es sich gut tanzen: Seit nunmehr 70 Jahren finden Konzerte, Tanztees und Bälle im Leipziger Ring-Café statt – und nun auch das Jubiläumsfestival von Leipjazzig. Der Verein bündelt seit 30 Jahren lokale Musikerinnen und Musiker, um gemeinschaftlich Inspirationen auszutauschen, zu spielen und so auch die Vielfalt des Genres zur Schau zu stellen. Wir haben mit drei von ihnen gesprochen: Gellért Szabó, Stephan König und Fabian Niermann.

Was macht den Verein auch nach 30 Jahren für junge Musikerinnen und Musiker, aber auch junge Musikbegeisterte bis heute reizvoll?

GELLÉRT SZABÓ: Wir sind ein sehr niedrigschwelliger Verein, in dem Alter oder Dauer der Mitgliedschaft keine Rolle spielen und alle sich direkt einbringen können. Ob bei Moderationen, der Programmgestaltung oder anderen Visionen: Engagement ist ausdrücklich erwünscht, denn so bleibt der Verein lebendig und verändert sich mit jedem neuen Mitglied. Gleichzeitig können wir so unserem Selbstverständnis treu bleiben: ein Verein aus der Szene für die Szene zu sein, in dem Eigeninitiative und Ideen nach wie vor die Grundlage dafür sind, die Leipziger Kulturlandschaft mitzugestalten.


Sie veranstalten Ihr Jubiläumsfestival im Ring-Café. Hat der Ort für Sie eine besondere Bedeutung?

STEPHAN KÖNIG: Das Ring-Café als neuer Spielort unseres Festivals hat mich zu einem neuen Programm mit dem Leipjazzig-Orkester inspiriert. Das Ring-Café ist Teil der sogenannten Ringbebauung Leipzigs, die ein prominentes Beispiel für Stalinbauten in der DDR im Stil des sozialistischen Klassizismus ist. Es wurde 1956 eröffnet – dem Jahr, als in Ungarn die Volksaufstände durch das sowjetische Militär niedergeschlagen und Zehntausende Demonstranten eingekerkert oder interniert wurden. Das brachte mich zum wohl bedeutendsten ungarischen Komponisten der Moderne – Béla Bartók. Er war einige Jahre zuvor in New York gestorben, wohin er emigrieren musste. Zu den interessanten und aufwühlenden Kompositionen von Bartók, von denen sich viele auf die Volksmusik des Balkan beziehen, habe ich Jazz-Bearbeitungen für die besondere Besetzung des Leipjazzig-Orkesters geschrieben, die am 15. März zum ersten Mal erklingen werden.


Das Ring-Café ist ja auch ein Ort für Tanzveranstaltungen. Bei welchen Ihrer Festivalkonzerte wird wohl am ehesten getanzt?

SZABÓ: Das Ideal Orchester lädt am 13. März zum Tanz ein – in einer besonderen Kollaboration mit dem jungen Leipziger Schlagersänger Tim Adieu. Für diesen Abend arrangiere ich Tim Adieus größten Hit als Marsch – eine Verbindung der nostalgisch-verträumten Schlagerwelt mit der Dramatik des Ideal Orchesters. Zudem werden Teile von meiner derzeit entstehenden Oper zur Uraufführung gebracht.


»Gegensätze und Kontraste« lautet das Festivalmotto …

SZABÓ: Genau, Gegensätze ziehen sich an. Oder besser gesagt: Sie werden bewusst aufeinander losgelassen. Große und kleine Besetzungen, scheinbar widersprüchliche musikalische Welten teilen sich einen Abend. Das ist eine Herausforderung für Musiker:innen wie Publikum gleichermaßen, denn manchmal prallen hier Genres aufeinander, die sonst lieber Abstand halten.


Was reizt Sie daran?

SZABÓ: Wir wollen alle Beteiligten sanft aus der Komfortzone kitzeln und neugierig machen auf das Unbekannte. Denn oft warten die spannendsten Entdeckungen genau dort, wo man sie zunächst nicht vermutet.

FABIAN NIERMANN: Menschen, die sonst vielleicht nur eines der beiden Konzerte besucht hätten, hören Musik, mit der sie andernfalls nicht in Berührung gekommen wären. Und im besten Fall entsteht daraus ein Dialog innerhalb unseres Publikums.


> 30. Leipjazzig-Festival: 13.–15.3., Ring-Café, www.leipjazzig.de


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