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Kultur

»Wir haben gemerkt, dass in Leipzig vor allem lokale Artists gefragt sind«

Am 11. Juli findet zum dritten Mal das Keinfestival in Leipzig statt.

  »Wir haben gemerkt, dass in Leipzig vor allem lokale Artists gefragt sind« | Am 11. Juli findet zum dritten Mal das Keinfestival in Leipzig statt.  Foto: Organisieren Keinfestival: Chris Fingerle und Anna Seifert/Kein Kollektiv

Am 11. Juli steigt das »Keinfestival« in den Pittlerwerken. Das Tagesfestival findet bereits zum dritten Mal statt und setzt den Fokus auf Techno sowie auf lokale Künstlerinnen und Künstler. Anna Seifert und Chris Fingerle sind Teil des Organisationsteams, des Keinkollektivs. Im Interview sprechen sie über die Anfänge des Festivals, Lehren aus den letzten Jahren und weshalb sie die Ticketpreise dieses Jahr wieder etwas senken konnten.

Wie entstand die Idee, das Keinfestival zu organisieren?

ANNA SEIFERT: Das gab es damals in der Form in Leipzig noch nicht. Nachdem wir ein paar Club-Veranstaltungen organisiert hatten, die ganz gut liefen, war es ein kleiner Traum, selbst ein Festival zu veranstalten. Irgendwann waren wir an dem Punkt, wo wir dann gesagt haben, »okay, wir probieren es einfach mal«.


Welche Form meinen Sie genau?

SEIFERT: Ich meine ein urbanes Festival direkt in der Stadt, für das man nicht noch irgendwo anders hinfahren muss und welches über das Programm eines Clubs hinausgeht. Bei uns läuft nicht nur nachts, sondern auch tagsüber auf mehrere Bühnen Musik.

CHRIS FINGERLE: Unser Programm ist auch nicht nur rein musikalisch kuratiert, sondern bietet noch mehr drumherum, wie Workshops und Performances. In diesem Jahr gibt es zum Beispiel wieder die Graffiti-Wand, die in den letzten Jahren sehr beliebt war, ein Beyblade-Tunier, Kunst, Yoga und DJ Workshops und zwei Theaterstücke.


Welche Musik wird auf dem Festival abgedeckt?

FINGERLE: Hauptsächlich elektronische Musik. Wir haben alles von Techno, Disco, Groove, Hypnotic und Trance dabei. Dieses Jahr haben wir auch noch Hiphop im Programm. Letztes Jahr haben wir außerdem mit Bands gearbeitet. Dieses Jahr haben wir uns aber dagegen entschieden.


Warum?

SIEFERT: Wir möchten ein bisschen Abwechslung bieten. Im ersten Jahr waren wir rein elektronisch unterwegs und haben uns dann entschieden, mehr musikalische Vielfalt reinzubringen. Im letzten Jahr haben wir auch Bands aus dem Rock- und Pop-Bereich eingeladen. Dieses Jahr haben wir entschieden, statt den Bands auf Hiphop zu setzen, weil es sich besser technisch betreuen lässt. Bands brauchen sehr viel Umbauzeit. Dadurch können weniger Acts spielen. Das ist auch nerviger für die Gäste, wenn sie lange auf den nächsten Act warten müssen.


Wie hat sich das Festival seit der ersten Austragung 2024 entwickelt
?

FINGERLE: Das erste Jahr lief richtig gut. Die Pittlerwerke, wo das Festival stattfindet, waren voll. Wir hatten ungefähr 900 zahlende Gäste. Mit der Orga-Crew und den ganzen helfenden Leuten waren wir über 1100 Menschen.

SEIFERT: Seitdem ist das Festival im Umfang gewachsen. Im ersten Jahr hatten wir nur drei Bühnen, im zweiten Jahr hatten wir dann vier. Auf der anderen Seite waren aber im letzten Jahr weniger Personen da, als im ersten Jahr. Dadurch haben wir im letzten Jahr 10.000 € Verlust gemacht, die wir erstmal privat ausgleichen mussten.

FINGERLE: Ein Teil des Geldes konnten wir schon durch nachfolgende Veranstaltungen und Dienstleistungen, wie Technikverleih oder Bookings unser Resident DJs wieder reinholen. Aber ich glaube noch ein Jahr mit Verlusten würde unserer Motivation echt nicht guttun.


Woran lag es, dass weniger Menschen gekommen sind?

SEIFERT: Das lag einerseits am schlechten Wetter. Bei uns werden die meisten Tickets erst kurz vor der Veranstaltung gekauft. Die Leute gucken kurz vorher, wie das Wetter wird. Wenn der Wettterbericht schlecht aussieht, dann zögern sie natürlich, ein Ticket zu kaufen. Dann glaube ich, dass das erste Jahr auch nochmal besonders war, weil es etwas Neues war, das sich gut rumgesprochen hat. Ein anderer Grund könnte sein, dass wir die Ticketpreise im zweiten Jahr erhöht haben.


Wie berechnet sich denn der Preis für das Ticket?

SEIFERT: Wir nehmen die voraussichtlichen Kosten und stellen sie einer realistischen Schätzung der Ticketverkäufe gegenüber. Durch die zwei Jahre Erfahrung haben wir mittlerweile zumindest einen groben Überblick, wie hoch die Budgets für die einzelnen Bereiche sein müssen und wie viele Leute kommen.


Welche Konsequenzen haben Sie aus den Erfahrungen aus dem letzten Jahr gezogen?

SEIFERT: Im letzten Jahr haben wir ein paar Headliner von außerhalb dazugeholt, die deutlich teurer sind. In diesem Jahr haben wir uns entschlossen, wieder mehr auf die Leipziger Szene zu setzen und keine Artists zu buchen, die mehrere tausend Follower in den sozialen Medien haben und deswegen auch über Agenturen verhältnismäßig teuer sind. Wir haben gemerkt, dass in Leipzig vor allem lokale Artists gefragt sind und größere Headliner nicht unbedingt zu mehr Ticketverkäufen beitragen. So konnten wir den Ticketpreis in diesem Jahr wieder etwas senken.


Was können Sie in diesem Jahr besonders empfehlen auf dem Festival?

SEIFERT: Ich persönlich würde sagen, dass das Gesamtpaket das Besondere ist. Es gibt super viele verschiedene Sachen, die man ausprobieren kann. Wir bieten in diesem Jahr besonders viele Workshops und Mitmachaktivitäten an. Man kann also nicht nur tanzen, sondern eben auch ganz viel Anderes machen.


> Keinfestival,11.7., 14 – 8 Uhr, Pittlerwerke, www.kein-festival.de


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