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Stadtleben

Aus für den Revolutionswächter

Tobias Hollitzer, Leiter der Runden Ecke, wurde entlassen – nach jahrelanger Kritik an Eignung und Führungsstil

  Aus für den Revolutionswächter | Tobias Hollitzer, Leiter der Runden Ecke, wurde entlassen – nach jahrelanger Kritik an Eignung und Führungsstil  Foto: Onkel Tomm

»›Hollitzer muss weg!‹ Immer wieder begleitete diese Forderung die Recherche. Nur im Ton leicht variierend erklärten viele Angesprochene Tobias Hollitzer für untragbar als Chef des Museums in der Runden Ecke. Solche Einschätzungen kamen aus der Runden Ecke selbst, aus der Politik und der Verwaltung.« Diese Sätze leiteten eine kreuzer-Titelgeschichte über Tobias Hollitzer im Juni 2019 ein. Das war vor sieben Jahren. Wie nun zu erfahren ist, wurde der langjährige Leiter des Museums in der Runde Ecke entlassen.

Das teilte der Vorstandsvorsitzende des Bürgerkomitees, Tobias Ulbricht, dem Evangelischen Pressedienst mit, zuerst hatte die LVZ berichtet. Das Bürgerkomitee ist Träger des Erinnerungsortes, der sich in der ehemaligen Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit befindet. Der Gedenkstättenbetrieb ist laut Ulbricht gesichert. Der Vorstand übernimmt kommissarisch.

Bereits in der Vergangenheit wurden dem 60-jährigen Hollitzer mangelnde historisch-didaktische Kompetenz, einseitige Geschichtsvermittlung, erinnerungspolitische Engführung und ein herrisches Auftreten gegenüber der Stadt Leipzig und ihren Vertretern vorgeworfen. Seine Autorität bezieht der Träger des Bundesverdienstkreuzes und Sächsischen Verdienstordens aus seiner Biografie, obwohl über seine Rolle im Herbst 1989 konkrete Informationen rar sind.

Dem gebürtigen Leipziger bescheinigt sein 10.-Klasse-Abschlusszeugnis – 43. POS, Max-Planck-Straße, aus dem Jahr 1982 sehr gute Noten, auch in den Fächern Staatsbürgerkunde und Einführung in die sozialistische Produktion. »Er beteiligt sich rege an Diskussionen«, so die Beurteilung, »äußert offen und ehrlich seine Meinung. Lobenswert ist seine ständige Bereitschaft zur gesellschaftlich-nützlichen Tätigkeit. Aktive gesellschaftliche Arbeit leistet er im Timurstab der Schule«.

Aufgrund seiner kirchlichen Bindung erhält Hollitzer, so seine Selbstauskunft, keine Zulassung zum Studium. Er ist als Möbeltischler tätig, engagiert sich in Umweltgruppen. Im Juni 1989 beteiligte er sich mehreren Quellen zufolge mit der Gestaltung von Flugblättern und der Ausstellung an der Organisation des Pleiße-Gedenkmarschs. Zu der Besetzergruppe der Runden Ecke – ob die Stasi tatsächlich besetzt wurde oder sich besetzen ließ, ist umstritten – stieß er später dazu.

Mit dieser Biografie im Rücken wird er Archivbeauftragter für den Bezirk Leipzig mit Volkskammerauftrag. Von 1991 bis 2007 ist er Sachgebietsleiter und stellvertretender Außenstellenleiter der Stasi-Unterlagenbehörde in Leipzig. Nachdem er die Behörde verlässt, übernimmt er 2008 die Runde Ecke, die zuvor seine Mutter Irmtraut Hollitzer leitete.

Kritik an Hollitzer und an der nicht zeitgemäßen Dauerausstellung in der Ex-Stasi-Zentrale gab es immer wieder. Die Stadt Leipzig und auch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten hatten die Fördermittel immer weiter reduziert. Zuletzt hatte die Stadt Gelder komplett eingestellt, weil der Verein die Fördervoraussetzungen seit Jahren nicht mehr erfüllte. Bereits im April schied Tobias Hollitzer aus dem Vorstand des Bürgerkomitees und als Geschäftsführer aus. Ein neuer Vorstand wurde gewählt. Details zur Kündigung waren nicht zu erfahren. Hollitzer soll sich der Presseagentur zufolge rechtliche Schritte vorbehalten. Eine seit Jahren von der Stadt, dem Publikum und Experten gewünschte und geforderte Neu- und Umgestaltung der Ausstellung in der Gedenkstätte soll ab Herbst eingeleitet werden.


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