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28. Oktober: Eine Frage der Kultur

Zu später Stunde berät der Stadtrat über das geplante Haus des Festivals

  28. Oktober: Eine Frage der Kultur | Zu später Stunde berät der Stadtrat über das geplante Haus des Festivals  Foto: Stefan Ibrahim

Es ist spät im Stadtrat. Während es vor den Fenstern schon längst dunkel geworden ist und die Konzentration der Anwesenden langsam nachlässt, schlägt Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit vor, nur noch eine Vorlage abstimmen zu lassen.

Als letzter Punkt des Abends steht das geplante Haus des Festivals in der Gottschedstraße 16 auf der Tagesordnung. Dort soll ein denkmalgeschütztes Gebäude zu einer Heimatstätte für die vielen verschiedenen Festivals und Veranstaltungsreihen der freien Szene Leipzigs umgebaut werden – ein Baustein des Investitionsprojekts »Internationale Festivallandschaft Freie Szene«, mit dem ursprünglich auch das Filmkunsthaus finanziert werden sollte.

Und auch wenn die Kosten hoch sind – zu 11,9 Millionen Euro an Fördermitteln kommen auch ungefähr 5,4 Millionen Euro an Eigenmitteln der Stadt hinzu – wünscht sich Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke »eine breite Zustimmung für dieses Vorhaben«, denn: »Kultur braucht Räume und einen solchen Raum schaffen wir mit dem Haus des Festivals«.

Keine Zustimmung kann Jennicke von Roland Ulbrich (AfD) erwarten. Seine Fraktion hat einen Änderungsvorschlag gegen die geplante Sanierung eingereicht. Sie will das Gebäude an den Meistbietenden verkaufen. Nebenbei darf Ulbrich noch über »linken Kulturkampf« und ein »Festival der Geldverschwendung« schimpfen. Das übliche eben.

Konstruktiver ist man da bei den Grünen. Gesine Märtens merkt jedoch an, dass man nicht vergessen dürfe, dass es vor allem die Cinémathèque war, die das Projekt entscheidend vorangetrieben hatte. Inzwischen ist die Beteiligung des Vereins in den städtischen Plänen allerdings nicht mehr vorgesehen. Nach einer langen Odyssee durch den Stadtraum ist klar: Das Filmkunsthaus, so wie es geplant war, ist Geschichte (der kreuzer berichtete). Der Änderungsantrag der Grünen sieht daher als Kompromiss vor, dass »die Cinémathèque eine Chance erhält, im Haus wirken zu können.«

Trotz dieser Unstimmigkeit mit dem Vorschlag der Stadt sind sich gerade die Fraktionen der Grünen, der Linken und der SPD im Laufe der Diskussion einig: Die 17,3 Millionen Euro für das Projekt, die größtenteils von Land und Bund kommen, seien für den Kulturbereich eine Chance, die man nicht ausschlagen dürfe. Denn mit einer Ablehnung des Beschlusses, so Märtens, schlage man eine Tür zu, »die sich nicht wieder öffnen wird«. Während Lucas Schopphoven (CDU) wie so oft bei Kulturprojekten vor allem die finanziellen Risiken umtreiben, erhalten die drei Fraktionen dennoch Unterstützung aus einer anderen Ecke des Parteienspektrums: »Ich gehöre nicht zum linken Lager«, verkündet Sven Morlok (FDP) inbrünstig, und löst damit eine Welle der Erheiterung im Plenarsaal aus. Ein solches Projekt sei für Morlok aber gerade keine Sache von rechts oder links, sondern vielmehr »eine Frage von kultureller Vielfalt in einer offenen Gesellschaft.« Deshalb stimme er der Vorlage zu.

Und damit ist Morlok nicht allein. In der abschließenden Abstimmung werden der Bau und die Finanzierung des Hauses des Festivals mit einem Ergebnis von 34 Ja- zu 24 Gegenstimmen beschlossen. Und auch die Cinémathèque soll ihren Platz finden: Mit der Zustimmung von 33 Stadträtinnen und Stadträten wird der Änderungsantrag der Grünen angenommen, der die Einmietung des Vereins im fertigen Gebäude ermöglichen soll.


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