Der Museumspädagoge Gerald Rolle, 38, führte als Max-Klinger-Double Besucher durch die Ausstellung »Eine Liebe – Max Klinger und die Folgen«. Der studierte Sozialpädagoge sucht zurzeit eine neue Arbeit.
Der Museumspädagoge Gerald Rolle, 38, führte als Max-Klinger-Double Besucher durch die Ausstellung »Eine Liebe – Max Klinger und die Folgen«. Der studierte Sozialpädagoge sucht zurzeit eine neue Arbeit.
KREUZER: Kaum jemand kennt Max Klingers Gesicht. Wie kommt man auf die Idee, als sein Doppelgänger aufzutreten? GERALD ROLLE: Erst mal setzt es voraus, dass man sich aus eigenem Antrieb für Klinger interes-siert. Und mit Leipziger Kunst im Allge-meinen habe ich mich sowieso beschäftigt. Außer-dem bin ich wie Klinger rothaarig und Brillenträger. Weil ich nun wusste, dass 2007 Klingerjahr ist, hatte ich schon länger die Idee, ihn zu doubeln. Dazu kommt, dass ja schon ein Lotter- und ein Schillerdouble als Stadtführer unterwegs sind. Ein Künstler des 19. Jahrhunderts fehlte da noch. KREUZER: Wie doubelt man jemanden, der schon 87 Jahre tot ist? ROLLE: 87 Jahre, das geht gerade noch. Während Hieronymus Lotter ja schon ein paar hundert Jahre tot ist. Zu Klinger ist genügend Material vorhanden, obwohl er zu sich selbst und seinen Werken nicht viel gesagt hat. Denn er war schüchtern und sprach tiefstes Sächsisch. Aber dafür gibt es über ihn viele Aussagen von seinen Freunden, Bekannten und Verwandten. KREUZER: Tun Sie aktiv etwas dafür, wie Max Klinger auszusehen, oder liegt das schon immer in Ihrem Naturell? ROLLE: An dem markanten Bart muss man schon mehrere Monate arbeiten, bevor er diese Länge schafft. Frack, Zylinder, Kneifer und Gehstock hatte ich sowieso in meinem Fundus, weil ich Antiquitäten sammle und mich mit der Kunst der letzten 200 Jahre beschäftige. Und letztes Jahr habe ich geheiratet, wie man vor 100 Jahren geheiratet hätte. Da gings im Frack mit der Kutsche zur Kirche. Das würde niemand machen, in dessen Naturell so was nicht ein bisschen liegt. KREUZER: Leben Sie seelisch ein bisschen im 19. Jahrhundert? Ihre Wohnung sieht ein wenig danach aus. ROLLE: Nicht ganz. Aber als ich 18 war, sagten meine Mitschüler über mich: »Der trägt ja immer die Sachen von seinem Opa!« Ganz so war es zwar nicht, aber ich fand es tatsächlich immer toll, wie mein Großvater sich kleidete. Er gehörte zu den Männern der alten Schule, die noch einen Hut aufsetzten, wenn sie spazieren gingen. Da war alles so stimmig. So was hat mich beeindruckt.

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