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»Ich tanze auf allen Hochzeiten«

Sebastian Breuninger, Erster Konzertmeister des Gewandhausorchesters, stellt sich als Kammermusiker und Solist vor – am Sonntag spielt er in der »Rezital-Reihe« im Gewandhaus

Wenn man früh anfängt, Talent hat, zielstrebig und wirklich gut ist, gelingt einem vielleicht, was Sebastian Breuninger gelang. Man wird Konzertmeister und kann eines Tages sagen: »Ich arbeite in einem Beruf, der mir sehr am Herzen liegt.«

Wenn man früh anfängt, Talent hat, zielstrebig und wirklich gut ist, gelingt einem vielleicht, was Sebastian Breuninger gelang. Man wird Konzertmeister und kann eines Tages sagen: »Ich arbeite in einem Beruf, der mir sehr am Herzen liegt.«

Breuninger fing früh an. »Ich hatte das Glück, das richtige Umfeld zu haben und gefördert zu werden«, sagt der aus dem Badischen stammende Geiger. Kritisch merkt er an, dass es angesichts all der Kürzungen eine solche Förderung heute nicht mehr gebe. Er bewies auch Talent und wurde als Jungstudent an der Hochschule in Würzburg aufgenommen. Hier studierte er bei Max Speermann, ging kurzzeitig nach Düsseldorf und schließlich nach Berlin zu Thomas Brandis.

Dass er wirklich gut ist, zeigte sich nicht nur bei den Wettbewerben, die er gewann. Mit 21, zwei Jahre vor seinem eigentlichen Studienabschluss, bekam er eine Stelle bei den Berliner Philharmonikern. Er war mit Abstand der Jüngste. »Das war schon eine Umgewöhnung«, erinnert er sich. »Ich war auf einmal mit den älteren Kollegen konfrontiert und wurde ins kalte Wasser geschmissen.« Aber die Kollegen empfingen ihn freundlich. Er fühlte sich wohl und blieb drei Jahre. Dann bewarb er sich für die Konzertmeisterstelle beim Deutschen Symphonie-Orchester (DSO).

Auch hier war er der Jüngste, als Konzertmeister nun aber in einer besonderen Position. Wie geht man damit um? »Es ist eine große Herausforderung, und die Altersfrage kann schon zum Problem werden. Aber man muss sich klar darüber sein, dass man vom Orchester gewählt worden ist und darauf bauen kann. Außerdem gibt es ja noch die Musik, die Konflikte lösen kann.«

Dass es Sebastian Breuninger 2001 nach Leipzig verschlug, hatte verschiedene Gründe. Er kannte das Gewandhausorchester, denn kurz vorher war er Aushilfe gewesen. »Es hat mich gereizt, mit einem Orchester zusammenzuspielen, das eine so lange Tradition hat. Die besonderen Aufgaben, auch in der Oper, haben mich interessiert. Außerdem spiele ich gern vor Publikum.« Denn als ehemaliges Rundfunkorchester ist das DSO einem anderen Programm verpflichtet und meist mit Rundfunkproduktionen beschäftigt.

Breuninger aber liebt das traditionelle Orchesterrepertoire. Hier fühlt er sich wohl. Dennoch ist er offen für Neues, will sich ihm nicht verschließen. Könnte nicht auch das Gewandhaus etwas offener sein gegenüber Zeitgenössischem? Natürlich seien die Musiker daran interessiert, die Programme spannungsreicher zu gestalten und dem Publikum etwas anzubieten, was es nicht unbedingt von sich aus gewünscht hätte, erklärt er. Er verspricht Veränderung, obwohl er keinen direkten Einfluss auf die Programmplanung hat. »Unsere Meinung wird aber gern gehört.«

Die Möglichkeit einer ganz individuellen Programmgestaltung ist ihm dennoch gegeben. Für einen Quartett-Abend am 16. Dezember hat er selbst Stücke zusammengestellt. Mit seinem Ensemble, dem Breuninger-Quartett, das sich vor elf Jahren in Berlin aus Musikerkollegen der renommierten Orchester zusammenfand, wird er neben anderen Werke von Gideon Klein und Viktor Ullman spielen – beides Komponisten, die nach Theresienstadt deportiert wurden und denen es verwehrt blieb, ihren Platz in der Musikgeschichte einzunehmen. »Wir haben das Programm vor zehn Jahren gespielt und viel Resonanz vom Publikum erfahren, deshalb wollte ich es gern noch einmal in Leipzig spielen«, sagt Breuninger.

Neben diesem kammermusikalischen Abend wird er am 13. Januar als Solist in der »Rezital-Reihe« des Gewandhauses zu hören sein. »Als Konzertmeister habe ich die Möglichkeit, auf allen Hochzeiten zu tanzen«, sagt Breuninger selbstbewusst. Wird das nicht manchmal ein bisschen viel? »Musik ist eine sehr schöne Sache, die einem viel gibt. Aber sie ist natürlich nicht das Einzige. Es ist immer wichtig, mehrere Standbeine im Leben zu haben«, antwortet der frischgebackene Familienvater. Und es lässt sich vermuten, was er damit meint.

Rezital: 13.1., 18 Uhr, Gewandhaus (Mendelssohn-Saal)
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