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Pop im Centraltheater

Das Konzert von Tocotronic

Popmusik im Theater, das ist neu. Und es kommt gut an im Centraltheater. Die ersten Konzerte im großen Saal waren gut besucht – der Abend mit Tocotronic am 17. Oktober sogar ausverkauft. Ein erstes Resümee

Popmusik im Theater, das ist neu. Und es kommt gut an im Centraltheater. Die ersten Konzerte im großen Saal waren gut besucht – der Abend mit Tocotronic am 17. Oktober sogar ausverkauft. Ein erstes Resümee

Ein Blick in den Saal und die Geräuschkulisse darin hätten beim Tocotronic-Konzert auch eine Aufführung für Schulklassen erwarten lassen, so ungewohnt ist der Anblick eines gefüllten großen Theatersaals mit fast ausschließlich jungen Menschen. So jung war das Publikum allerdings gar nicht. Die Tocotronic-Fans sind ebenso in Würde gealtert und gereift, wie das Hamburger Quartett selbst. Dass Getränke im großen Saal nicht gestattet sind, ist verständlich, für die meisten Konzertbesucher jedoch mehr als gewöhnungsbedürftig. Für viele dürfte es das erste Tocotronic-Konzert ohne Kippe und Bierflasche in der Hand gewesen sein. Schlechte Laune kam dennoch nicht auf. Kurz vor Beginn wurden die Saal-Türen geschlossen. Die Spannung war groß, wie eine Rockband vor einem sitzenden Auditorium auftreten würde.

Die ersten drei Stücke bleibt es gesittet, obwohl es allesamt alte Tocotronic-Klassiker sind. Dann aber gibt Gitarrist Rick McPhail zu verstehen, dass es doch blöd ist, wenn die Leute sich in ihren Sitzen fläzen. Und Sänger Dirk von Lowtzow legt nach: »Heute ist alles erlaubt.« Sofort steht der Großteil des Publikums, ein Teil stürmt direkt vor die Bühne oder an die Seitenaufgänge zum Tanzen. Der Rest steht etwas verloren zwischen den Stuhlreihen. Zwar hebt sich die Stimmung nach dieser kollektiven Erhebung merklich, der Reiz eines Theaterkonzerts von Tocotronic ist aber leider dahin. Ein spezielles Live-Set wurde für den Auftritt wahrscheinlich ohnehin nicht vorbereitet. Ein toller Abend war es trotzdem, Tocotronic wirkten sichtlich gut gelaunt, Sänger von Lowtzow kündigte viele der Stücke in ungewohnt theatralischer und leicht agitatorischer Weise an. Der Sound stimmte, die Fans waren richtige Fans und das Centraltheater bebte ein wenig.

Ruhiger ging es hingegen Ende September beim Konzert von Wolfgang Voigt zu, der erstmals seit zehn Jahren sein Projekt GAS live aufführte. Hier passte der Theatersaal perfekt, um die Musik einwirken lassen zu können. Die Visuals auf der großen Leinwand lenkten da beinahe ab. Sie griffen zwar den »Mythos Wald«, wie ihn Voigt immer wieder für GAS integrierte, auf, waren aber weit weniger beeindruckend als die epischen Klänge. Wolfgang Voigt stand am linken Bühnenrand, ohne dass ein Spot auf ihn gerichtet war. GAS muss man live auf einer guten Anlage erleben, dann entfaltet sich diese wundersame Musik aus Samples von Wagner-, Schubert- und Mahler-Stücken besonders eindringlich. Zum Ende drang dann durch die verwobenen, langsam mäandernden Flächen ein dumpfer Techno-Beat, der eine Parallelität von klassischer und elektronischer Musik möglich machte. Enttäuschend waren einzig die Pausen zwischen den Stücken. Anstatt sie in einanderfließen zu lassen, wurde bei jedem Stück am Ende einfach der Regler runtergezogen und das nächste Stück baute sich auf.

Insgesamt geht das Musikkonzept des Centraltheaters aber auf. Und hat viel Potential für besondere Konzertabende.


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