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Im Zeichen der Verfinsterung

Die euro-scene ruft zum Wettbewerb »Das beste deutsche Tanzsolo« auf und gewährt erste Einblicke ins diesjährige Programm

»Kein Ding ist unverhofft, und verschwören kann man nichts, / noch sich wundern, seit Zeus, der Vater der Olympier, / aus dem Mittag Nacht machte, da er das Licht verbarg / der strahlenden Sonne. Feuchte Angst kam da über die Menschen.« – So drückt der antike Lyriker Archilochos das Hoffen und Bangen im Angesicht der Sonnenfinsternis aus. Unter dem gleichnamigen Motto findet die euro-scene Leipzig im November statt

»Kein Ding ist unverhofft, und verschwören kann man nichts, / noch sich wundern, seit Zeus, der Vater der Olympier, / aus dem Mittag Nacht machte, da er das Licht verbarg / der strahlenden Sonne. Feuchte Angst kam da über die Menschen.« – So drückt der antike Lyriker Archilochos das Hoffen und Bangen im Angesicht der Sonnenfinsternis aus. Unter dem gleichnamigen Motto findet die euro-scene Leipzig im November statt.

Auch das diesjährige Festival für zeitgenössisches europäisches Theater spielt auf die ambivalente Haltung zur Eklipse an, die sich als Unheilsomen wie göttliches Zeichen deuten lässt, und stellt damit ein weites Feld für die künstlerische Auseinandersetzung dar.

Eröffnet die Spiele der Dunkelheit: Das Cullberg Ballet gibt den »Moment der Verfinsterung« (Foto: Håkan Larsson, Stockholm)

Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff bezieht das astronomische Ereignis auch auf das Jubeljahr des Mauerfalls und darauf, dass nur zwanzig Jahre nach den gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen erneut eine Situation großer Verunsicherung eingetreten ist. So kann die Sonnenfinsternis genauso fürs desolate Wirtschaftssystem und den kriselnden Zeitgeist gelten, wenn vermeintlich solide Größen im Leben wie der feste Job und das Eigenheim wegfallen. Doch wie sangen einst Ton Steine Scherben: »Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.« Im Moment der Verfinsterung des Firmaments kann auch ein Stück Hoffnung stecken. Ob sich diese dann bestätigt, steht auf einem anderen Blatt. Bezüglich des euro-scene-Programms ist bereits jetzt von den ersten der zwölf Gastspiele zu lesen, die im November gezeigt werden. Darunter befinden sich allein acht Deutschlandpremieren.

Hamletas: Maskerade und Spiegelungen: Oskaras Koršunovas’ »Hamletas«

Als Opener wird das Stockholmer Cullberg Ballet mit dem Tanzstück »Point of Eclipse« auftreten, das 2007 Premiere feierte. Den »Moment der Verfinsterung« bringen sie als Demonstration verschiedener Antagonismen auf die Bühne des Centraltheaters. An den neun weiteren Spielstätten ist unter anderem Julien Cotterau, bekannt vom Circle du soleil, mit einem Solo zu sehen. Das Muziektheater Transparant (Antwerpen) setzt Musik von Franz Schubert und Berichte ehemaliger SS-Mitglieder zu einer eindrucksvollen Monolog-Musik-Collage zusammen. Der litauische Regisseur Oskaras Koršunovas aus Vilnius wird seine Adaption von Shakespeares »Hamlet« als Reflexion von Spiel und Wirklichkeit, Alter und Ego präsentieren. Die Carte blanche obliegt in diesem Jahr Sigrid Gareis. Die künstlerische Leiterin des Tanzarchivs Wien hat die österreichischen Choreografen Philipp Gehmacher und Milli Bitterli ausgewählt, auf der 19. euro-scene eine Lecture Performance abzuhalten.

Jianan Qu: Tanzsolo-Preisträger: Jianan Qu aus Linz zeigte »Weiße Chrysantheme«

Zum Gelingen des Festivals soll in diesem Jahr wieder der Wettbewerb »Das beste deutsche Tanzsolo« beitragen, das auf einer Konzeption Alain Platels fußt. Die Festivalleitung ruft alle aktiv Tanzbegeisterten – egal ob Profi oder Amateur – zur Teilnahme auf. Bewerben können sich diese mit einem Solo von fünf Minuten Länge bis zum 5. September. Vierstellige Preisgelder winken und auch ein Publikumspreis wird vergeben.

euro-scene Leipzig, 3.-8.11., http://www.euro-scene.de
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