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»Ich steh total auf Rhabarber«

Die Leipzigerin Nadine Passage vermitt elt Kindern bewusste Ernährung und Spaß am Kochen

Josy, Clara und Felicitas halten ein Nudel-Rezept in den Händen. Langsam lesen sie die Zutaten vor: »Ricotta? Was ist das denn?«, fragen sie. Heute ist Felicitas’ achter Geburtstag, sie hat sich gewünscht, Ravioli zu kochen. Zum Nachtisch gibt es Rhabarber Kompott mit Vanillesauce. Sie und ihre Gäste bekommen zwei Körbchen in die Hand, dann geht es ans Einkaufen. Die fünf Mädchen flitzen durch die Regale im Karstadt Supermarkt.

Josy, Clara und Felicitas halten ein Nudel-Rezept in den Händen. Langsam lesen sie die Zutaten vor: »Ricotta? Was ist das denn?«, fragen sie. Heute ist Felicitas’ achter Geburtstag, sie hat sich gewünscht, Ravioli zu kochen. Zum Nachtisch gibt es Rhabarber Kompott mit Vanillesauce. Sie und ihre Gäste bekommen zwei Körbchen in die Hand, dann geht es ans Einkaufen. Die fünf Mädchen flitzen durch die Regale im Karstadt Supermarkt.

Wie sieht bloß Rhabarber aus? Sie sind sich nicht ganz sicher. »Der Ricotta steht im Käseregal«, so viel verrät Nadine Passage. Passage ist studierte Ökotrophologin, gelernte Köchin und bietet in Zusammenarbeit mit dem Umweltbund Ökolöwe Kochkurse bei Karstadt an. »Um gesunde Ernährung zu vermitteln, ist es gut, bei den Kindern anzusetzen«, sagt sie. Die meisten hätten kaum Erfahrungen beim Kochen. In dieser Gruppe ist das anders: Fachkundig demonstrieren die Mädchen die Handbewegungen beim Eiertrennen.

Nach dem Einkaufen beginnt das Schnippeln und Teigkneten. »Kennt ihr das? Das ist Estragon. Wollt ihr mal kosten?«, fragt Passage. Überall darf genascht werden – damit die Kinder die verschiedenen Zutaten kennenlernen. Bei einer Geburtstagsfeier steht zwar eindeutig der Spaß am Kochen im Vordergrund, aber Passage hofft, dass die Kinder auch ein paar Ideen mit nach Hause nehmen. »Ich finde es gut, wenn sie wissen, was in einer Nudel drin ist«, sagt sie.

Passage kocht nicht nur auf Kindergeburtstagen im Kaufhaus, sie bietet auch Kurse an Schulen an. Das würde sie gerne regelmäßiger tun, aber die meisten Schulen täten sich schwer, wenn es um ein Problembewusstsein in Sachen Ernährung gehe, sagt die 35 Jährige. Schwierig gestaltet sich an Schulen auch die Finanzierung ihrer Kochkurse. Da die Schulen nicht gratis Lebensmittel ausgegeben dürfen, müssten die Schüler die Kochzutaten selbst bezahlen. »So werden wieder die Finanzschwächeren ausgeschlossen«, sagt Passage. Und die feiern ihren Kindergeburtstag auch nicht bei Karstadt.

Vor allem sollen Jugendliche lernen, sich kritisch die Inhaltsstoffe von Produkten anzusehen. Für problematisch hält Passage so scheinbar gesunde Produkte wie Trinkjoghurt, in dem aber sehr viel Zucker enthalten ist. Ausgewogene Ernährung muss nach Passages Meinung nicht viel kosten. Teuer seien vor allem Fertigprodukte wie ihr Lieblingsbeispiel: »die Packung Zwiebel Sahne-Hähnchen, für die man aber noch Zwiebeln und Sahne braucht.«

Deswegen wird unter ihrer Anleitung alles selbst gemacht: Die Mädchen pulen Erbsen und blanchieren Tomaten. »Ich möchte auch mal rühren«, sagt Clara. Das Rhabarberkompott duftet nach Orange und Vanille. Beim Essen kauen alle zufrieden. Nur Felicitas mag den Nachtisch nicht besonders. Josy schon: »Ich steh total auf Rhabarber!«, ruft sie.
Inga Dreyer


aus dem kreuzer-Heft 08.10

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