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Stoppt Bio den Klimawandel?

Gemüse essen spart CO2 – Bio ist dabei weniger wichtig

Bio ist nach wie vor in. Mengenmäßig war das letzte Jahr mal wieder Rekord und auch die Anbaufläche wächst hierzulande stetig. Zwar ist Leipzig mit 2,91 Bio-Läden auf 100.000 Einwohner von den drei großen Städten im Freistaat am schlechtesten ausgestattet, aber Bio ist ja längst nicht mehr nur Sache des arrivierten Fachhandels. Die Gründe für den Kauf von Bio-Produkten sind zahlreich: Neben der eigenen Gesundheit werden auch immer wieder Umweltschutz und Nachhaltigkeit genannt. Ist aber die Bio-Curry-Wurst dem konventionellen Original in CO2-Hinsicht überlegen?

Bio ist nach wie vor in. Mengenmäßig war das letzte Jahr mal wieder Rekord und auch die Anbaufläche wächst hierzulande stetig. Zwar ist Leipzig mit 2,91 Bio-Läden auf 100.000 Einwohner von den drei großen Städten im Freistaat am schlechtesten ausgestattet, aber Bio ist ja längst nicht mehr nur Sache des arrivierten Fachhandels. Die Gründe für den Kauf von Bio-Produkten sind zahlreich: Neben der eigenen Gesundheit werden auch immer wieder Umweltschutz und Nachhaltigkeit genannt. Ist aber die Bio-Curry-Wurst dem konventionellen Original in CO2-Hinsicht überlegen?

Diese Frage führt mitten hinein in eines der aktuellsten Felder der angewandten Klima- und Produktforschung: dem sogenannten Carbon-Footprinting, dem CO2-Fußabdruck eines Produkts. Denn erst, wenn zum Beispiel der Transport der Ware oder der Rohstoffe in die Bilanz eingerechnet werden, können Bio-Erzeugnisse mit konventionellen wirklich verglichen werden. Da diese Zahlen oft noch unsicher sind, bleiben zunächst nur die direkt bei der Produktion entstehenden Emissionen zu bilanzieren und zu vergleichen. Der Transport wird bestenfalls mit Pauschalen erfasst.

Die Ergebnisse sind für Bio-Freunde leicht ernüchternd. Sowohl das Öko-Institut als auch das Institut für ökologische Wirtschaftsführung (IÖW) kommen in zwei Studien unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass Bio-Erzeugnisse keine ausnehmend bessere Klimabilanz haben als Vergleichsprodukte aus konventionellem Anbau. So liegen die Emissionen bei pflanzlichen Produkten zwar um bis zu 30 Prozent niedriger, aber bei vielen tierischen Nahrungsmitteln sind die Einsparpotentiale eher marginal. Teilweise schneiden Bio-Produkte sogar schlechter ab. So werden für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch aus Rindermast mit 13,5 kg CO2 rund 60 Prozent mehr Treibhausgase in die Luft geblasen als bei konventionellen Produktionsweisen. Und selbst bei dem halbwegs gut abschneidenden Öko-Schweinefleisch, das mit etwa 30 Prozent weniger Treibhausgasen auskommt, ist der Gesamtausstoß an Treibhausgasen immer noch deutlich höher als bei einer vergleichbaren vegetarischen Kost.

Denn hier liegt das eigentliche CO2-Sparpotential im Bereich Ernährung: Weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse machen den Unterschied, und nicht ob das Fleisch bio ist oder nicht. Mit Fleisch, so beide Studien unisono, ist das Klima nicht zu retten. Bei der Produktion von Obst, Gemüse und Getreide fallen pro Kilo Ware deutlich weniger Emissionen an als bei tierischen Produkten – und dazu gehören auch Milch und Käse.

Wer also mit Bio auch etwas fürs Klima tun will, der sollte verschiedene Dinge jenseits der reinen Produkte beherzigen. So empfiehlt Urte Grauwinkel vom Ökolöwen Leipzig, auf saisonale und regionale Produkte zu achten und möglichst alle Besorgungen zu Fuß oder mit dem Rad zu erledigen. »Für Familien sind bestellbare Ökokisten zudem eine Alternative«, meint die Verantwortliche für Ökovermarktung beim Ökolöwen. Auch hochverarbeitete Fertigprodukte schneiden klimatechnisch deutlich schlechter ab als selbstgekochte. Wo es in Leipzig biologisch korrekt zugeht, das erklärt der neue Bio-Einkaufsführer, der seit Sommer 2010 in einer aktualisierten Ausgabe vorliegt und kostenlos beim Ökolöwen und an zahlreichen anderen Ausgabestellen erhältlich ist.


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