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Da ist Musik drin

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Umleitung des Schwerlastverkehrs durch das Musikviertel

Bis zu 300 LKWs rollen pro Tag zusätzlich durchs Musikviertel, vorbei an fünf Kitas mit etwa 350 Kindern – empören sich die Initiatoren einer neu gegründeten Bürgerinitiative. Stimmt so nicht ganz, meinen die Verantwortlichen der Stadt Leipzig. Der Streit existiert schon seit einigen Wochen, da ein Anwohner der Harkortstraße erfolgreich gegen zu viel Feinstaub vor seiner Haustür geklagt hat. Nun müssen Schwerlasttransporter auf andere Straßen ausweichen, doch wohin, das weiß niemand so ganz genau.

Das Viertel zwischen Karl-Tauchnitz- und Harkortstraße hat schon ruhigere Zeiten erlebt. Vor 130 Jahren sollen sich hier noch Bisamratte und Waldmaus gute Nacht gesagt haben, doch dann ging alles ganz schnell. 1880 kaufte die Stadt das Gebiet, 1882 wurde der Grundstein für das neue Gewandhaus gelegt, sechs Jahre später begann der Bau des Reichsgerichts. Um 1900 war das neue Stadtviertel fertig, und auf seinen Straßen rollten die ersten, gerade erfundenen Automobile.

Seitdem sind es nicht weniger Autos geworden, die sich tagtäglich durch das Musikviertel quälen. Und seit Mitte Dezember seien es gar richtig große Dinger, sagen die Gründer der neuen Bürgerinitiative, die dem LKW-Verkehr in ihrem Viertel jetzt den Kampf angesagt hat. Bis zu 300 Schwerlasttransporter pro Tag rollen durch ihr Viertel und vorbei an fünf Kitas mit etwa 350 Kindern – und das nur, weil ein Anwohner der Harkortstraße erfolgreich gegen zu viel Feinstaub vor seiner Haustür geklagt hat. Die Verbindung zwischen Bundesstraße 2 und Innenstadt ist seitdem für LKW über 12 Tonnen gesperrt, die Laster weichen durch das Musikviertel aus.

Die Stadt habe es versäumt, die Umfahrung über die Karl-Tauchnitz-Straße ordentlich auszuschildern, sagen die aufgebrachten Anwohner. Deshalb landen die LKW direkt im Wohnviertel. Stimmt nicht, meint der zuständige Bürgermeister für Stadtentwicklung, Martin zur Nedden. Die Schilder seien in Ordnung, sowieso nutze »nur eine Teilmenge dieser 300 Fahrzeuge« überhaupt noch diese Strecke, 50 Prozent fahren über die neu gebaute Semmelweisbrücke in Richtung Prager Straße. »Natürlich müssen wir die weitere Entwicklung beobachten und korrigierend eingreifen, falls es Bedarf geben sollte«, erklärt zur Nedden. Doch so lange wollen die Anwohner nicht stillhalten.

»Die Stadt verkauft uns permanent für dumm, doch damit ist nun Schluss«, sagt Constanze Latussek von der Bürgerinitiative. Ein runder Tisch müsse her, um ein tragfähiges Verkehrskonzept zu entwickeln – nicht nur im Musikviertel, sondern auch in anderen betroffenen Stadtteilen. Die ersten Unterschriftenlisten füllen sich bereits, die Bürgerinitiative lotet juristische Wege aus und bereitet eine Demonstration vor. So oder so, Ruhe wird es in den kommenden Monaten im Musikviertel wohl nicht geben.


aus dem kreuzer-Heft 02.11

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