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Grüne Zukunft

Umweltplakette sei dank: Heute beginnt der Traum vom sauberen Leipzig

Hurra, wir sind Umweltzone! Egal ob Zwölftonner, Stretch-Limo oder Trabi: Ab heute dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette nach Leipzig einfahren. Auch wenn Kritiker den Beitrag von Umweltzonen zur dauerhaften Senkung der Feinstoffbelastung in der Luft anzweifeln: Die Stadt hat sich die Einführung des ökologischen Sperrgebiets 130.000 Euro kosten lassen. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) fährt schon mal grün vorweg. Die übrige Flotte der Stadtverwaltung nicht. Es gibt schließlich Ausnahmegenehmigungen.

Ein Umzug steht an. Am großen Tag passiert dann aber erstmal gar nichts. Beine in den Bauch stehen und warten statt Möbelschleppen. Wo bleiben nur die Möbelpacker? Irgendwann kommen vier abgehetzte Gestalten. Schwer bepackt mit vielen Kartons und großen Schränken auf Sackkarren, sind die Profis vom Umzugsunternehmen endlich mit der ersten Ladung da. Außer Atem und viel zu spät zwar, aber kein Wunder. Denn schließlich haben sie den ganzen Weg zu Fuß zurück gelegt. Eine ziemlich abwegige Vorstellung, zugegeben. Ohne LKW würde wohl niemand so einen Transport angehen. Das wäre ja so, als würde jemand ohne grüne Plakette in die Leipziger Innenstadt fahren. Denn mit dem heutigen Tag ist sie endlich da, die Umweltzone. Teil einer genialen Strategie, um die Messestadt in Zukunft noch beliebter zu machen. Das ist so ein Meilenstein, dass sich Bürgermeister Heiko Rosenthal gestern sogar höchstpersönlich auf den Weg gemacht hat, um eines der insgesamt 575 Hinweisschilder aufzustellen.

130.000 Euro hat die Stadtverwaltung in neue Verkehrsschilder, Plakate, Informationsflyer und in eine Homepage investiert. So haben selbst unaufmerksame Menschen die Zeichen der Zeit jetzt erkannt. Bürgermeister Rosenthal ist jedenfalls ganz stolz auf die grüne Plakette an seinem Dienstwagen. Die wird er ab jetzt auch brauchen, um weiterhin kostenfrei über die löchrigen Straßen der Stadt fahren zu dürfen. Denn ohne Aufkleber drohen 40 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Erfüllt ein Fahrzeug die Norm für die Plakette nicht, kann es ja immer noch kostenintensiv umgerüstet werden. Da ist die Stadtverwaltung gerade dabei. Seitdem die Zone vor zwei Jahren beschlossen wurde, war einfach nicht genügend Zeit dafür. Aber zum Glück gibt es ja Ausnahmegenehmigungen. Wer rechtzeitig einen Antrag beim Ordnungsamt gestellt hat, kann sich jetzt noch bis 2014 Zeit nehmen, um sich einen tauglichen fahrbaren Untersatz zu besorgen. Bis Ende des Jahres werden deshalb noch mal rund 350.000 Euro in die kommunale Fahrzeugflotte investiert.

Wer das alles nicht will, der kommt mit seinem Auto in Zukunft nicht mehr rein. Allen die draußen bleiben müssen, zeigte Thomas von den Jungen Liberalen gestern schon mal die Alternative auf. Während Bürgermeister Rosenthal noch sprach und verträumt in Leipzigs grüne Zukunft blickte, lief der junge Mann mit dem gelben T-Shirt und der blauen Latzhose an einem der neuen Verkehrsschilder vorbei. Auf seinem Rücken trug er einen großen Umzugskarton. »Ab jetzt zu Fuß« war darauf zu lesen. Den Karton bekamt er übrigens von einem Umzugsunternehmer. Der muss seinen LKW heute erstmal stehen lassen. Denn in die Innenstadt darf er mit seiner Dreckschleuder nicht mehr. Die Umrüstung war zu teuer. Also ab jetzt doch Umzüge ohne LKW?


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