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Integrationsfrage: Ungelöst

Zur Podiumsdiskussion im Centraltheater zum Thema Integration waren Lösungsansätze Mangelware

»Wir wollen über das Wort Integration diskutieren«, meinte Politikwissenschaftlerin Elena Buck zur Eröffnung der Podiumsdiskussion der »Initiative gegen die Integrationsdebatte« im gut besuchten Saalfoyer des Centraltheaters. Hunderte Augenpaare richteten sich am Montag Abend auf die Moderatorin, als sie die vier Teilnehmer auf dem Podium fragte, was Integration denn eigentlich bedeute. Die Antworten waren höchst unterschiedlich, und am Ende fanden sich kaum Lösungsansätze.

»Wir wollen über das Wort Integration diskutieren«, meinte die Politikwissenschaftlerin Elena Buck. Mit diesen Worten eröffnete sie am Montag Abend die Podiumsdiskussion der »Initiative gegen die Integrationsdebatte« im gut besuchten Saalfoyer des Centraltheaters. Hunderte Augenpaare richteten sich auf die Moderatorin, als sie die vier Teilnehmer auf dem Podium fragte, was Integration denn eigentlich bedeute.

»Ein Ausdruck von Kolonialismus«, sagt Rex Oser vom Netzwerk »The Voice Refugee Forum« aus Göttingen, das Flüchtlinge berät und unterstützt. Für die Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (SPD) heißt Integration rechtliche Benachteiligungen abzubauen. Dies solle ermöglicht, aber nicht erzwungen werden, fügt der Leiter des Referats für Migration und Integration der Stadt Leipzig, Stojan Gugutschkow, hinzu. Am schwersten hatte es der in Berlin lebende Schriftsteller Imran Ayata.

Und das, obwohl er die Thematik von Haus aus kennt, denn seine Eltern kamen in den siebziger Jahren als Gastarbeiter in die Bundesrepublik. Er musste sich mit dem Wort Integration auseinandersetzen, das er eigentlich gar nicht verwendet. Warum er den Integrationsbegriff, der seit Tilo Sarrazins Thesen im vergangenen Herbst wieder in aller Munde ist, ablehnt, erklärt der Mitbegründer der Initiative »Kanak Attak« so: »Weil es unterscheidet zwischen denjenigen, die dazu gehören und denjenigen, die draußen sind«, sagt Ayata, »und das ist undemokratisch.«

»Aber man muss doch ein Problem erst benennen und klassifizieren, ehe es gelöst werden kann«, hielt ihm die demokratisch gewählte Abgeordnete Kolbe entgegen. Insgesamt wurden es zwei zähe Stunden. Denn sich auf gemeinsame Vokabeln zu einigen, war nur ein Problem. Auch darüber, wen Integration überhaupt betrifft, herrschte kein Konsens. »Asylbewerber dürften sich nicht integrieren«, sagt Rex Oser. Stojan Gugutschkow gab ihm Recht und verwies dabei aber auf den Verursacher, die Gesetzeslage.

Nach ihr muss ein Einwanderer mindestens acht Jahre am Stück hier leben, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Das ist schwierig, denn oftmals wird er vorher abgeschoben. Ohne Arbeit durchzuhalten ist ohnehin nicht leicht. »Fünf Millionen Arbeitslose Asylsuchende gibt es derzeit, die mit 60 Prozent der Hartz-IV-Leistung auskommen müssen«, rechnet Daniela Kolbe vor. »Dieses System dient in Wirklichkeit der Abschreckung«, sagt Stojan Gugutschkow. Unter diesem Gesichtspunkt kann sich Integration also nur auf Menschen beziehen, die bereits deutsche Staatsbürger sind und einen oftmals jahrelangen Kampf um Anerkennung hinter sich haben. Alle anderen bleiben außen vor.

Dieser Unterscheidung in Asylsuchende und Menschen mit Migrationshintergrund stimmten nicht alle zu. Imran Ayata nannte sie gar Heuchelei. »Auf der einen Seite werden Migranten einem Integrationszwang unterworfen, andererseits sollen so wenig wie möglich ins Land kommen«. Das Grundübel ist für ihn offensichtlich. »In Deutschland hat man einfach noch nicht begriffen, dass man in Zeiten der Globalisierung Bevölkerungsbewegungen nicht mehr regulieren kann«. So lang das so ist, stehe die Integrationsdebatte noch ganz am Anfang. An Lösungsansätze, das müssen sich die Diskutanten eingestehen, war im Centraltheater jedenfalls nicht zu denken. Auch ein halbes Jahr nach Tilo Sarrazins umstrittenem Buch nicht.


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