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Sterne, Mützen, Kochlöffel

Wie schneidet die Leipziger Gastronomie in den überregionalen Restaurantführern ab?

Jeder weiß: Die Bewertungen der Guides sind nicht alles, und man muss sie vielleicht nicht überbewerten. Aber wenn überregionale Gäste mit eben diesen Büchern in der Hand ihr Lokal fürs Dinner aussuchen und bereit sind, genau in diesen Restaurants viel Geld auszugeben, dann sind sie eben doch ein Teil des international zelebrierten Feinschmecker-Tourismus.

Every year the same procedure: Während wir von der Redaktion Essen & Trinken des Leipziger Stadtmagazins kreuzer unser zwölf Monate langes Beobachten der Leipziger Gastroszene im Juni mit der Herausgabe des aufwendigen Gastroführers Leipzig Tag & Nacht krönen, geben sich auch die Tester der überregionalen Guides in den besten Lokalen dieser Stadt die Klinke in die Hand. Und immer wieder ist es spannend zu lesen, mit welchen Eindrücken sie in ihre Redaktionsstuben zurückgefahren sind. Dort wird es dann ernst: Der rote Michelin vergibt maximal drei Sterne, der Schlemmeratlas Kochlöffel, der Varta-Führer Diamanten, Bips und Küchentipps, Gault Millau seine berühmten Punkte in der Kochmütze und der Feinschmecker einfache F. Nach einem festen Schlüssel gehen dann die Kollegen vom Fachmagazin Gastrotel an die Auswertung aller Trophäen und erstellen eine jährliche Liste mit dem Ranking der besten 1.000 Restaurants im Lande. Auf dieses bewährte Mittel greift die Redaktion von Leipzig Tag & Nacht gern zurück, um zu sehen, auf welchen Plätzen Leipzig gelandet ist. Denn stets gibt es dabei Überraschungen.
Die erste auf der aktuellen Liste ist die Platzierung des Restaurants La Cachette. Diesem bescheinigten Gault Millau, Varta, Feinschmecker und Schlemmeratlas zwar 2010 noch gute Noten, trotzdem schloss es kürzlich seine Türen. Die Gründe dafür sind vielfältig, auf keinen Fall sollte man daraus gleich auf den Untergang der Sterneküche schließen, den die Pessimisten der Branche mit der Begründung prophezeien, sie sei zu teuer, zu abgehoben und nicht mehr zeitgemäß. Dass es durchaus Gourmets gibt, die exquisite gastronomische Leistung anerkennen, zeigen Lokale, die sich nicht nur seit Jahren an der Spitze halten, sondern dort sogar ihre Position ausbauen. Als gern zitiertes Beispiel seien an dieser Stelle die Restaurants Falco im Hotel The Westin und der Stadtpfeiffer im Gewandhaus genannt. Seit 2008 verteidigt Falco-Patron Peter Maria Schnurr zwei Michelin-Sterne. Dass er den Stern Nummer drei anstrebt, ist kein Geheimnis. Wer die Leistung von Küche und Service in der 27. Etage des Gourmettempels erlebt hat und mit Sterneküchen in Hamburg oder Baden vergleicht, traut ihm diese Steigerung sogar zu. Das Falco ist unter den 1.000 Besten auf Platz 26 gelandet. Dazu trugen nicht nur die zwei Sterne, sondern ebenso 17 Gault- Millau-Punkte, je vier Feinschmecker-F und Varta-Küchentipps sowie drei Kochlöffel vom Schlemmeratlas bei.
Hut ab auch vor der Leistung von Petra und Detlef Schlegel, die mit dem Stadtpfeiffer als Familienbetrieb wiederum einen Stern erkochten und dazu 17 Gault- Millau-Punkte, drei Varta-Küchentipps, 2,5 Feinschmecker-F und drei Löffel vom Schlemmeratlas erhielten. Im Ranking schoben sie sich damit von Platz 110 auf die 96 vor. Danach muss man erstmal ein paar Seiten weiter blättern, bis auf Platz 515 das bereits erwähnte und inzwischen geschlossene La Cachette folgt. Vielleicht wirft ein neuer Küchenchef dort bald wieder den Herd an.
Sehen lassen kann sich das Ergebnis des Restaurants Michaelis in der Paul- Gruner-Straße: Mit 13 Gault-Millau-Punkten, je zwei Küchentipps und Kochlöffeln sowie einem F auf dem Konto erreichte es Platz 587. Im Vorjahr war es noch die Nummer 603 im Ranking. Um beachtliche 21 Plätze schob sich Niemanns Tresor nach vorn: Dazu verhalfen dem gediegenen Haus 14 Gault-Millau-Punkte, zwei Küchentipps und 1,5 F. Die Crew vom Restaurant Villers im Hotel Fürstenhof arbeitete sich mit 14 Gault-Millau-Punkten, zwei Löffeln und drei Küchentipps gegenüber 2010 um 38 Plätze nach vorn. Ihr Lohn: Platz 713 unter den 1.000 Besten dieses Landes. Zu denen gehören auch die Köche und Kellner der Historischen Weinstuben in Auerbachs Keller. Mit 1,5 F, zwei Löffeln und zwei Küchentipps gebührt ihnen Platz 828. Auch hier ist eine Verbesserung im Vergleich zu 2010 erkennbar, als das Restaurant Platz 891 erreicht hatte.
Jeder weiß: Die Bewertungen der Guides sind nicht alles, und man muss sie vielleicht nicht überbewerten. Aber wenn überregionale Gäste mit eben diesen Büchern in der Hand ihr Lokal fürs Dinner aussuchen und bereit sind, genau in diesen Restaurants viel Geld auszugeben, dann sind sie eben doch ein Teil des international zelebrierten Feinschmecker-Tourismus. Und genau deshalb lohnt es sich, in den Küchen jeden Tag Vollgas zu geben und jeden Gast so zu behandeln, als wäre er ein Profi -Tester.

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