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»Stop that! Stop that!«

Pleiten, Pech und Pannen beim Konzert von Prince

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Prince gab sein einziges Konzert in Deutschland in Köln. Leipziger Fans fuhren extra hin – doch der Auftritt war ein einziges Desaster.

492 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen Leipzig und Köln. Ein Prince-Fan nimmt den Tausender hin und zurück gern in Kauf. Holger G. aus Leipzig ist so einer. In den letzten Jahrzehnten hat er mehr als 30 Konzerte der New Power Generation & Co. besucht. Keine Frage für ihn und seinen Kumpel aus Leipzig: Am 28. Juli war Köln the place to be. Was den beiden und mehr als zehntausend anderen Gästen aus ganz Deutschland widerfuhr, war ein Konzerterlebnis der anderen Art.

Die Sterne standen von Anfang an nicht günstig. Bauzaunplakatierung sah man in Leipzig nicht, Presse gab es nur gedruckt, denn Onlineredakteure, Hörfunk- und Fernsehjournalisten wurden vom Veranstalter ausgesperrt. Dieses Vorgehen ist schon fragwürdig, aber was sich Fans und Prince selbst gefallen lassen mussten, grenzt an Unverschämtheit.

Punkt 20 Uhr machten die Fressbuden vor der Lanxess-Arena dicht, wegen Kahlfraßes. Pizza, Würstchen – alles alle. Viele Hungrige wurden damit vertröstet, dass es in der Halle auch etwas gebe, wenn auch ein wenig teurer.

Punkt 20 Uhr gab es auch keine Karten mehr an der Abendkasse – obwohl es noch Karten gab an der Abendkasse. Dutzende Wartende verstanden Bahnhof, als ihnen verkündet wurde, dass die vergleichsweise preiswerten Karten um die 90 Euro ab 20 Uhr auf Anweisung des Veranstalters nicht mehr verkauft würden, sondern nur welche für 105 Euro, die kurzerhand für Stühle in den Kommentatorenreihen ausgegeben wurden.

Der fragwürdige Kassenschluss des Veranstalters führte dazu, dass Prince, als er das erste Mal auf die Bühne kam, sofort rundum auf fast leere Oberränge in der Riesenhalle blicken musste. Der Showauftakt dauerte keine fünf Minuten. Prince verschwand sofort wieder. Nach fünf Minuten ging das Licht an. Jedem war klar, dass dies keine Kunstpause des exaltierten Künstlers aus Minneapolis war. Bricht Prince das Konzert ab? Gibt es technische Probleme? Alles möglich und in Grenzen entschuldbar, aber von Kommunikation hält man in der Medienstadt in gewissen Kreisen offenbar wenig. Nach einer halben Stunde der erste stümperhaften Versuch einer Durchsage: Zehn Sekunden unverständliches Gebrabbel. Es sollten noch weitere zehn Minuten vergehen, bis die Botschaft transportiert wurde, dass es technische Probleme gebe und gerade Gespräche liefen. Das ließ das Schlimmste vermuten: Prince kommt nicht mehr zurück.

Doch nach einer knappen Stunde gab es Entwarnung, die Show ging weiter. Prince entschuldigte sich mehrfach für die entstandenen Unannehmlichkeiten und stellte sich damit vor die Tontechniker, die nicht in der Lage waren, einen nur einigermaßen erträglichen Sound an diesem Abend zu mischen. Überall in der Arena klang es miserabel, im Innenraum und auf den Rängen. An der Seite war nicht der Spur eines Basstons zu hören, es schepperte und klirrte ununterbrochen. Auch wenn die Lanxess-Arena für Unzulänglichkeiten beim Klang bekannt ist (man fragt sich zwar wieso, denn ähnliche Konstrukte wie die Red Bull-Arena in Leipzig bekommen doch auch eine ordentliche Beschallung hin), was sich dort abspielte, war ein Affront gegen das zahlende Publikum und Prince himself! Der wies die Soundleute mehrfach an, etwas zu machen. Die gaben ihm Feedback in Form von Rückkopplungen, die Prince zu entsetzten -Hilferufen veranlassten.

Holger aus Leipzig sagte anschließend, Prince habe noch nie in einer solchen Schärfe den verantwortlichen Tonmenschen angegriffen. Völlig zu Recht, denn einem Star dieses Ranges darf man nicht eine Serviceleistung liefern, die vielleicht bei Hobbytanzkappellen auf der Kirmes oder im Dorfkrug entschuldbar wäre. Es zeugt von seiner Professionalität, dass sich Prince trotz der Widrigkeiten musikalisch von seiner besten Seite zeigte. Allein wie er die Rhythmusgitarre zupft, ist nicht von dieser Welt. Neues sowie Klassiker wie »Controversy«, »Purple rain« und Sheila E.’s »A love bizarre« ließen so manches vergessen. Nach nicht einmal 90 Minuten war leider Schluss. Sicher wäre der Meister noch einmal zur Zugabe erschienen, aber wahrscheinlich hatte er nach diesem Affentheater einfach keinen Bock mehr. Der kleine Musiker hätte wahre Größe gezeigt und wäre der Größte dieses Abends gewesen, wenn er sich noch einmal präsentiert und ein finales Feuerwerk gezündet hätte. Niemand ging nach Hause, alle warteten darauf. Erst als die Bühnenbauarbeiter auf ihre Gerüste kletterten, wurde verstanden. Der Volkszorn im Innenraum entlud sich, als immer mehr Plastikflaschen auf die Bühne geschleudert wurden. Bei 30 Stück habe ich aufgehört zu zählen.

Was bleibt ist ein gespaltener Eindruck: Prince in guter Form, unzumutbarer Sound und ein amateurhaftes Pannenmanagement. Vielleicht wird es bei seinem nächsten Europabesuch besser. Tonmensch John muss sich wohl auf dem Arbeitsamt melden. Meine Tipps für die nächste Tournee: Vor Technikproblemen ist niemand gefeit, aber sie sollten ehrlich und schnell kommuniziert werden.

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