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Großnutzungen um jeden Preis

Aus dem Fassadenwettbewerb für das Porta-Möbelhaus auf der Alten Messe ist das Büro RKW als Sieger hervorgegangen. Das Ergebnis tut dem Gelände nicht gut

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Trotz aller Proteste im Frühjahr gegen den Bau eines Porta-Möbelhauses auf der Alten Messe hat das Projekt eine weitere Hürde genommen. Für die Ansiedlung müssen die historischen Messehallen des Architekten Curt Schiemichen weitgehend abgerissen werden. Aus dem von der Stadt als Kompromiss verkauften Fassadenwettbewerb für den Neubau am Ort der bestehenden Messehallen 1–3 ist das Büro RKW aus Düsseldorf, das in Leipzig eine Niederlassung unterhält, als Sieger hervorgegangen.

Ein bestimmendes Element zeigt der Entwurf: Der monumentale Mittelteil an der Prager Straße soll weit vor die lange Front der Seitenflügel treten. Doch mit diesem Erhalt der bestehenden Gebäudekubatur allein – einem gängigen Mittel der städtebaulichen Einordnung – wird man den alten Hallen nicht gerecht.

Denn deren besonderer baugeschichtlicher Wert liegt neben einer gestalterischen Qualität gerade in der sichtbaren ästhetischen Differenz der Fassaden, die aus der Anpassung von Curt Schiemichen an die architektonischen Konventionen und Forderungen der Bauherren resultieren: Die großen Glasflächen der Halle 3 folgten den Leitbildern des Neuen Bauens der 1920er Jahre, der Mittelteil und die strenge Steinverkleidung der Halle 1 dem Mainstream der NS-Repräsentationsarchitektur. An einem Bau können unterschiedliche architektonische Konzepte und deren Gebrauch durch einen Architekten über politische Systemgrenzen hinweg begutachtet werden.

Diese einzigartige Differenz lässt sich mit einem in der Kubatur angepassten Möbelhaus nicht mehr erleben. Und die neue Front zur Straße des 18. Oktober wird nichts zeigen, was dem Bau einen eigenen Charakter verleihen würde. Mit der Betonung des Eingangsbereichs und der Rhythmisierung der Fassade durch hohe Pfeiler wird das aufdringliche Pathos einer Shopping Mall beschworen.

Gerade hier an der Rückfront der alten Hallen – der eigentlichen Hauptseite des neuen Möbelhauses – und dem vorgelagerten Parkplatz wird die ganze Problematik des Projekts deutlich: Die zentrale Achse der Alten Messe verkommt zur Parkplatz-Zufahrt und verwischt so die städtebauliche Struktur des Areals. Aber das ist nicht den Architekten anzulasten, sondern der Strategie der Stadt im Umgang mit dem Areal: Großnutzungen um jeden Preis.

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Dein Kommentar

Ein Kommentar

  1. J. | 17. Februar 2012 | um 00:16 Uhr

    Da erübrigt sich ja jeglicher Kommentar! Sieht einfach nur Schei… aus, dieser Kasten. Warum bauen die nicht in Düsseldorf, da ist nichts mehr zu versauen. Vielleicht aber braucht eine Stadt wie Leipzig noch weitere 40 – 100 solcher Porta-Möbelhäuser, in denen Wer einmal schon in Düsseldorf war, weiß wie prachtvoll sich Häßlichkeit entfalten kann.