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Warum nicht mal Menschen bei der Arbeit zuschauen?

Der theatrale »Ameisen Report« untersucht, was der flexible Mensch von Insekten lernen könnte

Szene aus »Ameisen Report«, Foto: Inna Wöllert Größeres Bild

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit? Oder arbeiten Sie sogar gerne? Und wenn ja, warum? Das Theaterstück »Ameisen Report« im Lofft nimmt sich nun diesen Fragen an.

»Arbeit soll sich wieder lohnen.« – So und ähnlich lauten derzeit politische Slogans, unabhängig davon, ob sie nun von der CDU oder den Gewerkschaften kommen. Sie erwecken ganz den Anschein, als ob sich Erwerbsarbeit jemals gelohnt habe. Aus Arbeitnehmersicht jedenfalls dürfte das zu bezweifeln sein. Eine solche Verlustgeschichte verschleiert zudem, dass stets eine Minderheit von Menschen am Luxus teilhatte, eine Arbeit verrichten zu dürfen, die ihnen auch entspricht. Oder anders: Geld dafür zu bekommen, einer erfüllenden Tätigkeit statt entfremdeter respektive entfremdender Arbeit nachzugehen.

McJob, Leiharbeit, ABM: Die Sackgasse der Arbeitsgesellschaft wird immer spürbarer, ein neues Role-Model muss her. Warum nicht die Ameise als Experte für die Effektivitätssteigerung nehmen, dachte sich die Regisseurin Heike Scharpff. Während in der politischen und wirtschaftlichen Theorie der Vergangenheit meist der Bienenstock für das Modell des emsigen Arbeiter- und Malocherstaates herhalten musste, findet sie die Ameisen-Analogie plausibler. »Sie erinnern mich viel mehr als andere Tiere an das gigantische Gewusel in den Großstädten. Und sie bewegen sich wie wir Menschen in Bodennähe.« Außerdem hören Ameisen eigentlich nur auf zu arbeiten, wenn es zu kalt ist oder sie der Exitus erwischt, erklärt die freie Theatermacherin aus Marburg, die vor vier Jahren mit »Der Kick« am Schauspiel Leipzig zu sehen war. Diese in ihrer Absolutheit nicht zu übertreffende Selbstausbeutung macht die Ameise, so Scharpff, zum idealen Vorbild für die Effektivitätssteigerung des Menschen.

Also nimmt ihre Produktion »Ameisen Report« den allerorten beschworenen Arbeitsfetisch beim Wort und lässt die Sechsbeiner den Menschen dirigieren. Unter Insektenaufsicht begeben sich die Schauspieler in eine Laborsituation und probieren neue Formen des Lohnerwerbs aus. Wie in einem Gesellschaftsspiel deklinieren die Akteure den Lohnerwerb vielfältig durch und holen Erfahrungen aus dem Arbeitsleben auf die Bühne. Das Publikum darf sich zurücklehnen und vergnügt ihren Anstrengungen beiwohnen – und eventuell mit Schauder an den nächsten Arbeitstag denken.

»Ameisen Report«, 24.–27.11., 20 Uhr, Lofft

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