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»Wir sind nicht das Ende«?

Mit kreativen Kraftakten bäumt sich die Skala noch einmal auf, bevor sie im März geschlossen wird

Wir sind nicht das Ende, Foto: R. Arnold, CT Größeres Bild

Der Betrieb in der Skala soll ab Mitte März ruhen. In den vergangenen Tagen fanden aber gleich noch drei Premieren statt. Immer dabei: einer der Harder-Brüder.

Die Bühne gleicht einem Kampfplatz. Der Boden besteht aus Sand. Das Publikum sitzt zu beiden Seiten dieser rechteckigen Arena, in der eine Frau (Birgit Unterweger) eine Nacht lang mit sinistren Träumen um ihren toten Mann (Günther Harder) ringt. Nach drei Jahren hat er sie verlassen, um am 11. September in den USA ein Passagierflugzeug zu entführen, das schließlich auf einem Acker in Pennsylvania abstürzt. Gleich dreimal hinterlässt er auf ihrer Mailbox »Ich liebe Dich«.

»Wir sind nicht das Ende«: Das auf der wahren Geschichte eines der Terrorpiloten vom 11. September beruhende Stück fügt sich auf dem engen Raum in der Skala zur dichten Szenenfolge (Regie: Manuel Harder). Als beeindruckendes Sprechtheater wälzen die beiden Protagonisten die Mono- und Dialoge hin und her. Der Inhalt schafft Distanz, wenn es um Paradiesvorstellungen und den Willen zum Terror geht, und dann ist man wieder nah dran, mitten drin, wird die zwischenmenschliche Liebesbeziehung thematisiert. Gezielter Lichteinsatz, kaum Requisiten erschaffen eine sehr reduzierte Bühnensituation den das großartige Darstellerduo mit leisen wie lauten Tönen und Gefühlen anfüllt.

Noch eine Spur minimalistischer ist Günther Harder derzeit in »Willkommen im ewigen Leben« in der Skala zu sehen (Premiere: 2.12.). Im Soloabend nach Motiven von Michel Houellebecq changiert der Mime zwischen lakonischer Beschreibung und zynischer Bewertung vom langweiligen Leben des Mitteklassemenschen, der eigentlich alles und doch nichts hat. Wie in einem Kneipengespräch ist sein bitterer Tonfall beim Bierchen lässig, doch lauern Abgründe dahinter.

In der dritten Dezemberpremiere »Von nun an ging’s bergab!« (8.12.) stimmten Studierende des Studio Leipzig (Regie: Guido Lambrecht) einen absurden Liederabend als Ausflug in die Kunstgeschichte in der Skala an. Derweil scheint kein Weg an deren Schließung vorbeizuführen. Weitere kommunale Mittel sind nicht in Sicht – im Gegenteil. Die städtischen Gremien beraten über die verschiedenen Kürzungsszenarien, welche die von ihnen beauftragte Beratungsfirma Actori vorgelegt hat. Für Leipzigs Kultur verheißt keines von ihnen Gutes. Was Kürzungen bedeuten, kann man schon jetzt exemplarisch erahnen, wenn man sich nach den Kraftakten in der Skala die Nebenspielstätte wegdenkt.

Nächste Vorstellungen:
»Wir sind nicht das Ende«, 26.12,
»Willkommen im ewigen Leben«, 18.12.,
»Von nun an ging’s bergab!«, 6.1.,
jeweils 20 Uhr, Skala,
http://www.centraltheater-leipzig.de

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