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»Weniger Katzen, Mode und Food wären klasse«

Die Heldenstadt.de-Macher über Leipzigs Blogger-Szene

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In Leipzig wurde der höchste Promillewert gemessen: 7,37. Solche Dinge erfährt man in dem Blog superleipzig.de, das die Superlative der Stadt sammelt. Eins von ungezählten Blogs der Stadt. Über 100 Internetseiten sind auf dem Blog Heldenstadt.de verlinkt, das einen guten Überblick über die Szene gibt. Jeden Werktagsmorgen um halb neun liefern Guido Corleone und Daniel Heinze mit ihrer Morgenschau die interessantesten Links zu dem, was in Leipzig oder Leipzigern passiert. Im kreuzer-Interview erklären sie, warum Sport darin nie vorkommt, dass Twitterer zusammen grillen und Blogger gerne über die LVZ schimpfen.

kreuzer: Was motiviert euch, das jeden Tag zu machen?

DANIEL HEINZE: Meine Motivation? Eine Handvoll Links zum ersten Morgenkaffee zu liefern, die ich selber gerne gelesen hätte. Unseren Lesern Dinge servieren, die bei anderen vielleicht nicht auftauchen. Einfach ein Teil der Morgenroutine unserer Blogbesucher werden, und im Orchester der Leipziger Medienangebote eine kleine, feine alternative Stimme sein. Oder weniger pathetisch gesagt: Mich motiviert jeder Kommentar, jedes Lob, jede Kritik. Selbst jede Weiterleitung unserer Fundstücke auf Twitter und Facebook spornt an.

GUIDO CORLEONE: Dazu kommt der Ehrgeiz, das durchzuziehen, jeden Tag eine Morgenschau zu wuppen. Natürlich auch das Wissen im Hinterkopf, gelesen zu werden. Ohne Leser würde ich das nicht machen wollen. Manchmal ist es spannend, ein Thema in die Runde zu werfen, das anderswo nicht beachtet wird, und zu sehen, ob was passiert. Wenn uns wildfremde Menschen erzählen: »Hey, Heldenstadt.de gehört zu meinem Morgen wie Kaffee, hört bloß nicht auf damit!«, dann freue ich mich sehr darüber. Was für ein tolles Lob! Ein Nebeneffekt der täglichen Routine: Ganz nebenbei bildet man sich selbst und sammelt viel Wissen zu fast allen Leipzig-Themen. Schließlich muss für so eine kurze kommentierte Zusammenfassung ziemlich viel gelesen werden.

kreuzer: Wie findet ihr die Themen, wonach entscheidet ihr, was in die Morgenschau kommt?

CORLEONE: Wir durchforsten die Webangebote der lokalen und überregionalen Presse, lesen möglichst viele Blogs, Twitter, Facebook, surfen bei YouTube herum, schauen bei allen möglichen Leipziger Webseiten vorbei, nutzen Suchmaschinen.

HEINZE: Es gibt ein paar Regeln, die wir uns ausgemacht haben. Zum Beispiel berichten wir nicht über Sport in Leipzig – das können andere besser. Auch geht es uns nicht darum, pressespiegelartig zusammenzufassen, was alle anderen schreiben. Faustregel: Was mich selbst interessiert, kommt rein. Ich verstehe unsere Morgenschauen als leckere Nahrungsergänzung, nicht als vollwertige Mahlzeit.

CORLEONE: Sport interessiert mich nicht die Bohne.

kreuzer: Da Ihr ja jeden Tag auch die Blogs durchforstet, sehe ich euch jetzt mal als Experten für Leipzigs Blogger und hätte dazu auch noch einige Fragen: Sind in den letzten Monaten und Jahren viele neue Blogs hinzugekommen? Haben sich die Blogs verändert?

HEINZE: Hinzugekommen sind vielleicht gar nicht mal so viele. Aber ich bin beeindruckt, welche Disziplin mancher Leipziger Blogger hat. Manche Blogs gibt es seit Jahren, und sie sind immer wieder lesenswert. Und die »Neulinge« sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich erhoffe ich mir, dass noch mehr Leipziger meinungsfreudig losbloggen – ein paar weniger Katzen-, Food- und Modeblogs und ein paar mehr Blogger, die was zu aktuellen Themen der Stadt schreiben würden, das wäre schon klasse.

CORLEONE: Manchmal wollen jüngere Blogs schon zu Beginn alles richtig machen. Da sind zum Relaunch gleich die Facebook-Seite, das Google-Profil und der neue Twitter-Account am Start. Da geht das Layout gerne in Richtung Magazin-Style. Das ist aber keine spezifische Leipzig-Entwicklung.

kreuzer: Wie rege ist der Austausch von Leipziger Bloggern? Trefft ihr Euch?

HEINZE: Eine echte Leipziger Blogger-Szene im Sinne einer »Community« kann ich nicht ausmachen, und sie fehlt mir auch nicht. Ich vermute, Blogger sind erstmal Individualisten, die sich eben auf ihrer eigenen Spielwiese artikulieren wollen und nicht nur auf den großen Pausenhöfen wie Twitter oder Facebook.Was ich sehr schätze, ist der Umgangston untereinander, wenn man mal Kontakt hat – auch, wenn meine Weltsicht vielleicht eine völlig andere ist als die des anderen, so gehen die Blogger doch in der Regel sehr höflich und fair miteinander um.

CORLEONE: Der Übergang vom Bloggen zum Microblogging wie z. B. Twittern ist fließend. Und da finden Austausch und Echtzeit-Kommunikation ganz automatisch statt. So gibt es in Leipzig die Tradition des sogenannten »Twitgrillens«, wo mindestens einmal im Jahr mehr als hundert Menschen gemeinsam im Park grillen, und alle haben sich ursprünglich über Twitter kennengelernt haben.

kreuzer: Welche sind die aktivsten Blogger?

CORLEONE: Das variiert von Zeit zu Zeit und hängt sicherlich auch von der Motivation der einzelnen Leute ab, aus welchem Grund sie bloggen. Eine Statistik über die aktivsten Leipziger Blogger führen wir nicht. Am fleißigsten sind vermutlich diejenigen, die politisch sehr interessiert sind. Wer ein Schwerpunktthema beackert, welches öfter was Neues hergibt, der hat auch mehr zu schreiben. Blogger, die ein möglichst großes Publikum ansprechen wollen, schreiben auch dementsprechend häufig. Denn je regelmäßiger du neue Artikel postest, desto öfter gibst du deinen Lesern einen Anlass, auf dein Blog zurückzukehren.

kreuzer: Gibt es Themen, die in Leipziger Blogs am meisten oder liebsten behandelt werden?

HEINZE: Mir fällt auf: Die, die sich in der Stadt ohnehin aktiv einmischen, sind auch in der Blogosphäre recht aktiv – Lokalpolitiker, Aktivisten, Künstler, Musiker, Medienschaffende. Dementsprechend kreisen die Themen oft um das eigene Tun, die eigene Partei, die eigene neue Platte oder die letzte Stadtratssitzung. Und das ist auch gut so.

CORLEONE: Über die Leipziger Volkszeitung wird gerne geschimpft, ist mir aufgefallen. Es gab mal ein Blog, das täglich den Kulturteil der Print-LVZ kommentiert hat. Das ruht derzeit leider. Der wahnwitzigste Neustart der letzten Zeit ist mit Abstand das Blog http://lvzstammtisch.tumblr.com. Dort sammelt ein Blogger die schlimmsten und absurdesten Leserkommentare aus der Onlineausgabe der LVZ. Und schlimm meint: wirklich schlimm.

heldenstadt.de, superleipzig.de

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Dein Kommentar

4 Kommentare

  1. Sophie Mausolf | 6. Juni 2012 | um 14:23 Uhr

    Danke für das spannende Interview. Ich finde empfinde heldenstadt.de auch als sehr netten Beigeschmack zum morgendlichen Kaffee und bin den beiden sehr dankbar, dass sie sich die Mühe machen, diese persönliche Vorauswahl zu treffen. Weiter so, „Jungs“!

  2. Toni | 8. Juni 2012 | um 01:46 Uhr

    Was für Affen! Warum lassen die sich nicht fotografieren? Heldenstadt ist nicht mehr als ein Durchlauferhitzer. Alles was dort steht findet man auch anderswo.

  3. Onlineredaktion | 14. Juni 2012 | um 12:06 Uhr

    Hey Toni, wir bitten doch um einen höflichen Umgangston.