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Leben und Sterben in Madrid

»Amador und Marcelas Rosen« von Fernando León de Aranoa erzählt ein kleines Alltagsmärchen über Leben und Tod

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Die Tragikomödie des spanischen Regisseurs erzählt vom Leben und wie dieses unweigerlich mit dem Tod verbunden ist. Im Zentrum seines Filmes steht die Peruanerin Marcela, die gemeinsam mit ihrem Freund Nelson, der auf dem Schwarzmarkt Blumen vertickt, in Madrid lebt. Die beiden stecken in finanziellen Schwierigkeiten, und Marcela ist schwanger. Da kommt ein Jobangebot für die junge Frau gerade recht.

Aus Südamerika ist Marcela (Magaly Solier) ihrem Geliebten bis nach Madrid gefolgt, wo Nelson (Pietro Sibille) geklaute Blumen mit einem Heer von Rosenverkäufern vertickt. Überall in der Wohnung stapeln sich die roten Rosen, die aus den Abfallcontainern des Großhandels stammen und mit Blütenduftspray wiederbelebt werden. Es ist ein Leben unter dem Existenzminimum, das Nelson und Marcela mit dem illegalen Handel führen. Die beiden reden nur wenig miteinander und wenn, dann geht es ums Geld und die pragmatischen Dinge des Lebens. Marcela hat sich ihr Dasein in Europa anders vorgestellt. Sie hat schon einen Abschiedsbrief geschrieben, als sie an der Bushaltestelle zusammenklappt und erfährt, dass sie ein Kind erwartet. Sie kehrt zu Nelson zurück, ohne dass der je von ihrer gescheiterten Flucht erfährt. Um einen neuen Kühlschrank für die Rosen zu finanzieren, nimmt sie eine Stelle als Altenpflegerin an. Amador (Celso Bugallo) kann seinen Körper zwar kaum noch aus dem Bett herausbewegen, aber im Kopf ist der alte Herr noch hochmobil. Dass Marcela schwanger ist, erkennt er im Gegensatz zu Nelson schon nach wenigen Tagen. In kleinen, geduldigen Schritten freunden sich die beiden miteinander an. Aber eines Morgens liegt Amador friedlich entschlafen im Bett.

In einem äußerst gelassenen Erzähltempo widmet sich der spanische Regisseur Fernando León de Aranoa (»Princesas«, 2005) in »Amador und Marcelas Rosen« der Annäherung zwischen Leben und Tod. Noch über das Sterben hinaus wirkt der Einfluss des alten Mannes auf die junge Emigrantin, die in der Wohnung des Verstorbenen die Ruhe findet, das eigene Leben jenseits der Härten des Alltags neu zu überdenken. Aranoas Stärke liegt in der Genauigkeit der Beobachtung und der Zeit, die er sich für seine Hauptdarstellerin nimmt. Die Peruanerin Magaly Solier (»Eine Perle Ewigkeit«, 2009) spielt sehr nuanciert eine Frau, die das Leben eher erträgt als gestaltet, aber allmählich aus der eigenen Passivität herausfindet. Diese klassische Emanzipationsgeschichte findet in der Ruhe Momente von großer emotionaler Klarheit, ist aber durch ihre konsequent entschleunigte Dramaturgie definitiv kein Film für Plotsüchtige.

ab 7.6., Passage Kinos

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