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Die Geschichte vom hässlichen Philosophen

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Der Bitprof entdeckt das Heilige im Spiel und die Humanisierung der Realität. Und erklärt, warum vor allem sehr gut aussehende Menschen spielen.

Albert Camus ist einer der wenigen Philosophen, die von ihren Zeitgenossen als sehr gutaussehend beschrieben wurden. Als Camus einst beobachtete, wie sein Kumpel Jean-Paul Sartre ein umwerfend hübsches Mädchen auf das Heftigste umwarb, es mit allerlei extrem klugen sowie hinreißend schönen Worten und Sätzen zu beeindrucken suchte, fragte er ihn: »Warum lässt du es nicht ruhig angehen, spielst den Coolen? So mache ich das immer.« Sartre entgegnete mit ernster Miene: »Schau dir mal mein Gesicht an.«

Hässliche Männer müssen eben ihren Geist benutzen, um die Defizite der äußeren Erscheinung auszugleichen. Aufgrund dieser Erkenntnis soll es hier heute nicht um extrem kluge sowie hinreißend schöne Worte und Sätze gehen, sondern um die Wonnen der Sinnlosigkeit.

Das Spiel ist die Krone der Sinnlosigkeit, es dient der Humanisierung der Realität. Oder wie Alex Randolph, Geheimagent und legendärer Brettspielentwickler, es ausdrückte: »Spiele sind so herrlich sinnlos. Sie haben keinen Zweck außer sich selbst.« Das gilt, ganz gleich ob es sich um Fußballguckabende handelt, um endlose »Panzer General«-Sitzungen oder um einsame Scrabble-Nächte mit dem iPhone.

Am Ende geht es im Leben eines Mannes (vielleicht auch in dem einer Frau, aber wer weiß das schon) immer nur um die Brautwerbung. Dabei kann die Braut natürlich auch männlich oder gar unbestimmten Geschlechts sein. Kombiniert man diese Wahrheit mit jener aus der Psychoanalyse stammenden, dass alles, was wir tun, einen Grund in Emotion und Kognition hat, so entsteht von ganz allein der Schluss, dass Sinnlosigkeit, Grundlosigkeit, Zweckverlorenheit, das Spiel in seiner Reinform also, gleich einem Gottesdienst ist – eine Tätigkeit der Keuschheit und Reinheit, heilig sollten wir sie nennen.

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