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Boxenstopp für neue Stücke

Diskussion ums Jugentheater bei der Wektstatt der Autoren im TdJW

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Drei Tage lang standen im Theater der Jungen Welt neue Jugendtheaterstücke im Mittelpunkt des Interesses. Am Ende sprachen zwei Altgediente über die Ursprünge des westdeutschen Kinder- und Jugendtheaters und feierten ihren 150. Geburtstag.

Es war als Kampf der Giganten angekündigt. Mit dem unvermeindlichen »Eye of the Tiger« begann die Podiumsdiskussion mit Volker Ludwig, Gründer des Grips Theaters in Berlin, und Paul Maar, Erfinder des Sams und ebenso Autor zahlreicher Jugendtheaterstücke. Beide sind Jahrgang 1937 und bringen es zusammen auf 150 Jahre, was dem Theater der Jungen Welt genug Anlass schien, eine Torte zum Abschluss des Gesprächs zu bringen. Im demselben ging es dann vor allem um die Vergangenheit, die ersten Stücke von Maar und Ludwig und die groben Entwicklungstendenzen des Kinder- und Jugendtheater in Deutschland (bzw. in Westdeutschland), das sich vom kommerziellen Weihnachtsmärchen emanzipierte und statt dessen die Kinder als Zuschauer mit all ihren Problemen ernst nahm. »Wir machten Klassenkampf für die Klasse der Kinder«, erinnert sich Ludwig an die 1960er Jahre und auch Maar machte sicht dafür stark Kinder ernst zu nehmen, auch wenn er dabei eher auf Fantasien denn Alltagsrealität setzt.

Zwischen den beiden Polen waren auch die Stücke angesiedelt, die beim Werkstattfestival Boxenstopp erstmalig die Bühne erblickten. Die drei Autoren präsentierten dabei ihre Arbeitsergebnisse aus einem Stipendium des Deutschen Kindertheaterpreises, die in Werkstattarbeiten des Theaters an der Parkaue (Berlin), des jungen Schauspielhaus Zürich und dem hiesigen Theater der jungen Welt präsentiert wurden. So zeigte Carsten Brandauer Stück »Dreier steht Kopf« mit den Berlinern eine abstrakte Spielerei um drei Figuren, von denen einer immer erster und der andere immer zweiter sein muss. Erst das Auftauchen des Dritten bricht die Ordnungen auf, wobei sich auch für den Autor die Frage stellt, wie weit diese Anarchie gehen kann. Schwerer kam da »Supertrumpf« von Esther Becker daher. Das Stück, gezeigt vom Jungen Schauspielhaus Zürich, behandelt Magersucht aus Sicht der kleinen Schwester. Kein leichter Stoff, besonders für die angestrebte Zielgruppe ab acht Jahren. Das Leipziger Ensemble zeigte das Ergebnis ihrer Auseinandersetzung (es standen jeweils zehn Probentage zur Verfügung) mit Anja Tuckermanns »Fünf ist meine Lieblingszahl«, das die Annäherung eines jungen Schulmädchens an ihre demente Großmutter erzählt. In zahlreichen Workshops und Diskussionsrunden gab es dann die Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen. Zudem hatte das TdJW zwei Gastspiele aufs Boxenstopp geholt und zeigte zwei eigene Produktionen. Öffentliche Podien zu Urheberrecht oder der Rolle des Autors vervollständigten das Programm. Eine gelungene Veranstaltung, die aber für reine Zuschauer nur schwer erreichbar war.

http://www.tdjw.de

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