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Interne Querelen um Dok-Festivalleiterin Leena Pasanen

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Vorab aus dem kommenden kreuzer 01/2017: Programmchefin Grit Lemke verlässt überraschend das Dok Leipzig. Im Gespräch mit dem kreuzer erklärt sie die Gründe für ihre Entscheidung. Festivalleiterin Leena Pasanen erläutert dagegen ihre geplanten »Umstrukturierungen«.

Grit Lemke wirkt befreit. »Es ist verrückt. Ich wollte meine Entscheidung eigentlich noch nicht öffentlich machen. Ich hatte es meinen Kollegen erzählt und einer von ihnen hat es auf Facebook gepostet. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war meine ganze Mailbox voll. Seitdem steht das Telefon nicht mehr still.« Eine Woche vor Weihnachten entlud sich die Spannung, die sich über die vergangenen zwei Jahre, seit dem Amtsantritt der Festivalleiterin Leena Pasanen, aufgebaut hatte. Immer wieder hörte man in den Monaten zuvor von Missstimmungen im Team des traditionsreichen Festivals. Viele Mitarbeiter verließen das Dok. Zuletzt hatte Annegret Richter die Leitung des Animationsfilmbereichs des Dok Leipzig abgeben müssen. Mitarbeiter klagten über fehlende Kommunikation und eine allgemeine Konzeptlosigkeit der Festivalleitung. Kooperationspartner wie die Bundeszentrale für politische Bildung würden inzwischen nicht mehr mit dem Dok Leipzig zusammenarbeiten. Auch dass Intendantin Pasanen zu selten anwesend sei, selbst während des Festivals, war ein – unter der Hand – oft gehörter Vorwurf. Zudem mache die sich angeblich verschärfende finanzielle Lage des Festivals den Mitarbeitern zu schaffen, hört man aus dem Team. So heißt es von Insidern etwa, der Programmetat sei deutlich gekürzt worden, Rechnungen würden sich mittlerweile stapeln.

Das Programm trug Lemkes Handschrift

Im Oktober 2014 bestätigte der Stadtrat Leena Pasanen als neue Intendantin des Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm und zugleich als Geschäftsführerin der städtischen Leipziger Dok-Filmwochen GmbH. Die Finnin hatte zuvor als Programmgestalterin beim finnischen Fernsehen und zuletzt als Leiterin des Kulturinstituts an der finnischen Botschaft in Budapest gearbeitet. Sie übernahm die Festivalleitung von Claas Danielsen, der das Festival in den letzten zehn Jahren geführt hatte. Danielsen war das Gesicht des Festivals, Grit Lemke das Herz. Sie begann schon 1991 ihre Arbeit beim Dok Leipzig, 2010 wurde sie Leiterin des Dokumentarfilmprogramms. Zuletzt war sie für das gesamte Filmprogramm verantwortlich. Die Auswahl der Filme und die Zusammenstellung des Programms trugen ihre Handschrift.

Grit Lemke, Foto: Susann Jehnichen

Grit Lemke, Foto: Susann Jehnichen

Doch seit dem Amtsantritt von Pasanen machte sich Unmut breit im Team. Erst habe es Streit gegeben über den Stellenwert des Jubiläums zur Gründung des Festivals vor 60 Jahren, das Pasanen angeblich nicht so wichtig fand. Dann wuchsen die Anforderungen, so hörte man. Einzelne Mitarbeiter hätten Verantwortungen übernehmen müssen, die vorher der Geschäftsführung oblagen. Viele von ihnen verließen frustriert das Dok. Darauf angesprochen, bezeichnet Grit Lemke die Mehrarbeit als Teil des Übergangs. »Ich habe diese extreme Belastung ein Jahr sehr gerne hingenommen. Natürlich ist es schwer, wenn jemand neu dabei ist. Das geht aber nicht über Jahre hinweg.« Dann war Schluss. Die Festivalleitung bot ihr keine Verlängerung ihres bestehenden Vertrags mehr an und entzog ihr die Leitung des Programms. »Das konnte ich nicht hinnehmen«, sagt Lemke. Zur kolportierten finanziellen Schieflage der Dok-Filmwochen GmbH will Lemke nichts sagen.

Ein enormer Mehraufwand, hört man aus den Reihen des Festivalteams, entstehe allein durch die Sprachbarriere Pasanens. Auch im zweiten Jahr ihrer Festivalleitung läuft die Kommunikation nach wie vor komplett auf Englisch. Mitarbeiter müssen zwischen ihr und den Institutionen vermitteln, Termine bei Einrichtungen und Sponsoren wahrnehmen, Förderanträge und Berichte schreiben. Briefe, beispielsweise, die an Förderer, Partner, Medien gingen, hätten teilweise mehrmals hin- und herübersetzt werden müssen. Bei Screenings und beim Festival selbst war es meist Lemke, die die Moderation übernahm. Festivalchefin Pasanen glänzte oft durch Abwesenheit oder trat nach ein paar einführenden Sätzen in den Hintergrund.

Die Kommunikation innerhalb des Teams gestaltet sich schwierig, zumal sich bei vielen das Gefühl breitmachte, ohne funktionierendes Management auf sich allein gestellt zu sein. Es fehlen die Impulse, die die Festivalarbeit benötigt, um sich zu entwickeln.

Pasanen: »Struktur des Unternehmen auffrischen«

Stattdessen wird »umstrukturiert«, wie es Pasanen nun plötzlich ausdrückt. Sie begründet die personellen Entwicklungen mit dem Wachstum des Festivals. »In diesem Jahr wuchs die Anzahl der Filmeinreichungen immens, wir hatten etwa 400 Filme mehr«, erklärt Pasanen. »Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie man die Struktur des Unternehmens auffrischen kann.« Die Arbeit soll auf viele Schultern verteilt werden. Was sich wie eine basisdemokratische Idee anhört, scheint aber vielmehr die Konzentration von Macht auf die Festivalleitung zu sein, wie etwa die Umstrukturierung der PR-Abteilung zeigt, deren Leitung Pasanen abgeschafft hat. Dies soll nun auch auf die Programmgestaltung angewendet werden. Frischt Pasanen damit das Festival wirklich auf oder reagiert sie nur auf den Frust im Team?

Leena Pasanen

Leena Pasanen

»Meine Vision ist, dass ich die Leitung des Teams übernehme und die Aufgaben, die diese Position umfasst. Daneben soll es einen Programmator geben, Kuratoren und ein Auswahlkomitee, das sich voll auf die Auswahl des Programms und den Inhalt konzentrieren kann«, sagt Pasanen. Das Festivalkonzept würde aber nur funktionieren, wenn die einzelnen Teilbereiche zusammenarbeiteten, erklärt Grit Lemke. »Als Festival für den künstlerischen Dokumentarfilm braucht es eine politische Aussage und rote Linien im Programm.« Das hatte im letzten Jahr mit dem Oberthema »Ungehorsam« gut funktioniert und wirkte wie aus einem Guss, auch wenn das Thema bei Kennern der internen Situation beim Dok ein kaltes Lächeln hätte auslösen können. »Dieses Festival braucht ein kuratiertes Gesamtkonzept, so wie es bisher war«, stellt Lemke fest. »Das kann man nicht auf mehrere Personen verteilen, dann wird es zu einem Gemischtwarenladen.«

In seinen bald sechzig Jahren hat sich das Dok Leipzig zum wichtigsten deutschsprachigen Dokumentarfilmfestival entwickelt und gleichzeitig zu einer der letzten Bastionen für den künstlerischen Dokumentarfilm. »Wenn man das jetzt aufgibt, wird es hart«, sagt Lemke. »Sowohl im internationalen Wettbewerb, wie in der Konkurrenz mit Amsterdam, das wesentlich mehr Geld zur Verfügung hat. Aber auch das Dokfilmfestival München steht in den Startlöchern, Leipzig den Rang abzulaufen. Das Einzige, was wir dagegensetzen können, ist unsere künstlerische Handschrift und unsere Tradition – und beides ist in Gefahr.«

Protest von Filmemachern

Derweil zeigten sich Filmemacher gegenüber der Presse entsetzt von der Entwicklung beim Dok Leipzig. »Wir sind völlig konsterniert«, sagte etwa der Regisseur Dieter Schumann dem MDR. Die Entscheidung, auf Lemke zu verzichten, nannte er »mutig«. Der Leipziger Filmemacher Andreas Voigt sieht den guten Ruf und die Qualität des Festivals in Gefahr, der Abgang Lemkes sei »ein schwerer Schlag«, sagte er an derselben Stelle.

Auch aus dem Ausland trudeln inzwischen Reaktionen ein. So schrieb der britische Medienkünstler und Filmemacher John Smith, der im Jahr 2015 mit einer Hommage beim Dok geehrt wurde, an Lemke: »What are the fucking idiots thinking of? I’m sure a lot of people are as outraged as I am – let me know if there’s any protest movement I can join!«

Andreas Voigt will derweil einen Protestbrief an Oberbürgermeister Jung schreiben. Jung und Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sind die politisch Verantwortlichen für das Dok Leipzig. An ihnen liegt es nun, zu entscheiden, ob sie mit Pasanens Kurs in die Zukunft gehen wollen oder die Reißleine ziehen.

Skadi Jennicke, Foto: Die Linke

Skadi Jennicke, Foto: Die Linke

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke kommentiert: »Es ist Leena Pasanen zunächst zugute zu halten, dass sie personelle Veränderungen erst nach dem Durchlauf ihres zweiten Festivals tätigt. Ich gehe also davon aus, dass sie sorgfältig abgewogen hat und ihre Entscheidung auf konkreten Erfahrungen gründet. Es ist an ihr, dem Festival, insbesondere angesichts des bevorstehenden Jubiläums, eine programmatische wie konzeptionelle Perspektive zu geben. Hier steht sie in der Verantwortung.«

Man hätte im Rathaus zumindest ahnen können, dass Pasanen offenbar Schwierigkeiten hat, das Festival zu managen. In einem Beitrag des Dokumentarfilmmagazins Modern Times gibt Pasanen im November 2016 zu, dass sie im ersten Jahr »wenig vertraut war mit den üblichen Schwierigkeiten in der Verwaltung eines so großen Festivals«. Ihre Lösung des Problems wird dann so beschrieben: »Aber nun, so sagt sie (gemeint ist Pasanen, d. Red.), spielt sie ihre Stärken aus, kombiniert mit einer finnischen Unverblümtheit, trifft schnelle Entscheidungen und delegiert viel. Das, so sagt sie, sei für die Deutschen ungewohnt und manchmal verwunderlich.«

Bürgermeisterin Jennicke findet das nicht ungewöhnlich: »Leena Pasanen bringt andere kulturelle Erfahrungen mit, auch hinsichtlich ihres Führungsstils. Ein internationales Festival sollte das gut vertragen. Da, wo das nicht funktioniert, müssen beide Seiten aufeinander zugehen und gemeinsam interkulturell lernen. Das erfordert Präsenz und Kommunikationsstärke – beides setze ich bei einer Führungskraft voraus.«

»Traurig für das Festival«

Leena Pasanen wirkt im Gespräch mit dem kreuzer emotionslos, als es um die Bedenken geht, die die Neuerungen mit sich bringen: »Ich habe keine Angst vor Veränderungen. Das ist immer schwierig, aber manchmal kann man es nicht vermeiden und vielleicht erwächst daraus etwas Neues. Ich verstehe die Bedenken, wenn es um die Tradition geht oder was auch immer. Aber alles, was ich tun kann, ist das bestmögliche Festival für 2017 zu machen, zusammen mit dem Team, das bleibt. Wir werden sehen, wie das läuft.«

Auch finanziell sei das Festival gut aufgestellt, erzählt sie im Gespräch, das Gesamtbudget würde wachsen, aber natürlich auch die Kosten. Es hätte Einsparungen gegeben bei der Öffentlichkeitsarbeit und etwa 30 Prozent bei den Reisekosten. »Das bedeutet aber nicht, dass weniger Filmemacher eingeladen wurden«, sagt Pasanen. Das Festival habe im Jahr 2015 zwar ein Defizit gemacht, doch das Jahr 2016 »sieht gut aus«. Sie betont: »Wir stecken nicht weniger Geld in Inhalte.« Auf konkrete Nachfrage nach Kürzungen im Programmetat sagt sie, dass man diesen Posten nicht genau von anderen trennen könne.

Für Grit Lemke enden 26 Jahre Mitarbeit beim Dok Leipzig. »Es tut mir sehr leid, mich vom Leipziger Publikum verabschieden zu müssen«, stellt sie fest. »Ich bin traurig für das Festival, aber nicht darüber, dass ich unter diesen Bedingungen nicht mehr arbeiten muss. Ich bin so traurig wie ein Galeerensklave, der vom Schiff gejagt wird.« Auch der ehemalige Festivalleiter Claas Danielsen findet: »Sie hinterlässt eine große Lücke.« Mit Grit Lemke gehen auch drei weitere langjährigen Mitglieder der Auswahlkommission: Cornelia Klauss, Matthias Heeder und Lars Meyer.

Leena Pasanen will bis Februar neue Mitglieder für die Auswahlkommission finden und davor den »Auswahl- und Programmierungsprozess für die Zukunft definieren«. Wie diese Zukunft ohne ein funktionierendes Team aussieht, wird sich zeigen.

Dieser Text erscheint auch in der kreuzer-Ausgabe 01/17.

http://kreuzer-leipzig.de/2016/12/15/grit-lemke-verlaesst-dok-leipzig/
http://http://www.moderntimes.online/disobedience/

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Dein Kommentar

  1. In the name of tradition | 21. Dezember 2016 | um 12:53 Uhr

    Ohne mich nun konkret im Dok-Festival-Geschäft auszukennen und zu wissen wo nun genau das Dok Konkurrenz hat, so sollte man doch zuerst mal schauen wo es Sinn macht sich zu verändern.
    Sich auf künstlerische Dokumentarfilme zu konzentrieren kann dabei etwas sehr Gutes sein, zugleich aber auch sehr festgefahren. Und genau darin liegt ja der Segen und die Gefahr von Kontuinität gleichermaßen. Und vielleicht war es für die Festivalleitung an der Zeit, die Strukturen aufzubrechen, um da neuen, frischen Wind hinein zu bringen. Und vielleicht war es ihrer Meinung nach nur möglich das zu machen, indem man der Person Grit Lemke eine andere Gewichtung zuweist. Wahrscheinlich kein schlechter Ansatz. Die Frage ist jetzt nur: Wie kommuniziert man das? Und wie moderiert man das?
    Irgendwie wirkt es wie eine Gemengenlage von Eitelkeiten und Unvermögen von Kommunikation auf beiden Seiten.
    Ich lese beim Kreuzer schon eine leichte Nähe zu Frau Lemke heraus. Aber ist Tradition tatsächlich alles und darf sich auf Tradition alles begründen?

    Das Texte auch im zweiten Jahr hin und her übersetzt werden müssen ist nicht gut, ohne Frage. Auf der anderen Seite muss man sich dann wohl doch die Frage gefallen lassen, ob ein internationales Dokumentarfilmfestival nicht auch in der Lage sein sollte, problemlos auf Englisch zu kommunizieren.
    Dass das mal länger dauert ist auch klar, und natürlich wäre es mehr als wünschenswert wenn dieses Bestreben auf beiden Seiten stattfindet. Aber vielleicht bedarf es manchmal solch radikaler Schritte, um auch alle im Team auf die Notwendigkeit des Beherrschens einer Fremdsprache hinzuweisen. Auch hier ist es wieder eine Frage der Moderation.

    Wie auch immer das nun ausgeht, ich denke beide Seiten würden mehr als gut daran tun im Sinne des Festivals zu handeln und nicht basierend auf Eitelkeiten oder enttäuschten Erwartungen. Jedenfalls wirkt es so nach aussen.

  2. Palme | 22. Dezember 2016 | um 08:49 Uhr

    Ich finde es schade, dass der Artikel nicht so ausgewogen scheint, wie man es erwarten könnte, wenn der Autor über „Insiderwissen“ verfügt.
    Es wirkt so als stünde der Artikel unter der Überschrift „Alle für eine und gegen die andere“. Wie schon der vorherige Kommentar andeutet, ist dass eindeutig zu viel Konzentration auf die Streitereien Einzelner und zu wenig Beachtung des Festivals als Institution und als Arbeitgeber von mehr als zwei Menschen.

    Man könnte meinen, dass das Wohl und Übel einer so großen Veranstaltung nur von einer Person abhängt. Und wenn dem so sein sollte, kann man der Festivalleitung doch nur zustimmen. Diversität und mehrere Stimmen in der Gestaltung dieser wichtigen Leipziger Kulturveranstaltung macht aus ihr doch keinen Gemischtwarenladen, sondern bieten die Vielfältigkeit, die es in diesem Metier doch unbedingt braucht.

    Mir fehlt hier wirklich in vielen Punkten die andere Seite der Medaille. Aber vielleicht tu ich dem Autor unrecht und der Artikel zu der anderen Seite ist schon in Vorbereitung? :-)

    Frohe Weihnachten!

  3. nureinemeinung | 22. Dezember 2016 | um 12:19 Uhr

    Ich kann mich meinen Vor-kommentatoren nur anschließen und würde sogar noch ein Stück weit weiter gehen … ich finde es eigentlich würdelos, unbestätigte Gerüchte und interne Streitigkeiten, Befindlichkeiten einzelner Personen auf diese Art und Weise in der Öffentlichkeit auszubreiten, ganz besonders weil nur wenig Handfestes darunter zu sein scheint. Alles Andeutungen und Befindlichkeiten. Vielleicht sind sie wahr, aber hätte man nicht mal warten können, bis man echte Fakten hat und auch tatsächlich alle Seiten fair zu Wort kommen lässt? Was soll die subtile Suggestion, die eine „wirke befreit“, die andere „emotionslos“? Vielleicht war sie nur konzentriert in dem Moment?

    Ich kann auch nicht die Lage von Außen beurteilen und kenne mich da viel zu wenig aus beim DOK, aber schon allein der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass wenn ein langjähriger Mitarbeiter geht, es selten ohne Emotionen abläuft und es immer zwei Seiten hat.

    Stellenweise finde ich den Artikel sogar nahezu rufschädigend … es wird suggeriert, es gäbe finanzielle Schwierigkeiten, einen konkreten Beweis bleibt man schuldig, nur diffuse Andeutungen, aber die Einschätzung der Geschäftsführung (die es eigentlich am besten wissen müsste) wird einfach abgekanzelt als Behauptung …

    Ganz besonders wenn man sich um den Ruf und Qualität des Leipziger Festivals sorgt, hätte ich mir ganz besonders von einem Leipziger Magazin deutlich mehr Sorgfalt, Ausgewogenheit und Fingerspitzengefühl gewünscht.

  4. krampe | 23. Dezember 2016 | um 19:50 Uhr

    Ich finde es gut, dass der Kreuzer die Problematik nach nun fast zwei Jahren „erfolgreichen“ Wirkens von Frau Pasanen an die Öffentlichkeit trägt. Der Artikel erscheint mir angesichts der Situation des DOK-Teams, dem ich aus erster Hand leidlich beiwohnen durfte, noch recht zurückhaltend zu sein. Was sich hier abspielt, ist eben nicht Überforderung des Teams oder Unfähigkeit, sich weiter zu entwickeln, sondern Konzeptlosigkeit und Unfähigkeit einer völlig uninspirierten Leitung.

    Die Dynamik kann man wohl am besten mit der Berliner Volksbühne vergleichen und ich fand es persönlich sehr befreiend, als sich das Ensemble des Hauses öffentlich gegen den sogenannten „Macher“ gestellt hat. Und zwar nicht aus Prinzip, sondern erst nachdem dieser seine hohlen und inhaltleeren Phrasen von sich gegeben hatte. In Berlin muss sich noch zeigen, ob es wirklich so schlimm kommt, wie befürchtet. In Leipzig sind die Folgen längst zu sehen.

    Eigentlich sollte es eine größere Debatte auch darum geben, ob wir in den Kulturinstitutionen solche Managertypen brauchen, die bei der nächstbesten Gelegenheit an die neue Stelle wechseln, oder nicht doch besser Leute , die mit Herzblut an dieser und eben nur an dieser Stelle sein wollen. Weil sie dem Dokumentarfilm eng verbunden sind und im Leipziger Fall eben dem künstlerischen Dokumentarfilm. Jetzt werden wir wohl großartige TV-Kunst in Form von Dokumentationen sehen, und ja, das meine ich ausschließlich zynisch.

  5. Rot zu Schwarz | 8. Januar 2017 | um 17:15 Uhr

    Der einzige Vorwurf, den man dem Verfasser dieses Artikels machen kann, ist, dass die wirklichen Probleme nur angerissen werden. Wahr ist allerdings alles an diesem Artikel!
    Und auch dem Kommentator „in the name of tradition“ muss ich recht geben: Er/Sie kennt sich tatsächlich nicht konkret im Dok-Geschäft aus! Es zeugt doch nicht von Internationalität, wenn man nicht bereit ist, die Landessprache zu erlernen, sondern von Ignoranz. Natürlich kann man alles Deutsche als lächerlich und spießig abtun und es deshalb nicht als notwendig betrachten, die Sprache zu erlernen oder sich mit den rechtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. Aber warum übernimmt man dann in diesem Land eine solche Position?
    Auch in einem chinesischen Restaurant ist es völlig legitim, wenn unter den Mitarbeitern Chinesisch gesprochen wird. Und doch bemüht man sich selbst hier, mit den Gästen in der landesüblichen Sprache zu kommunizieren. Wenn man dann, so wie ein Filmfestival in Deutschland, aber auch noch auf die Unterstützung ansässiger Institutionen angewiesen ist, um beispielsweise die Finanzierung zu sichern, ist es geradezu gefährlich, auf die Kommunikation mit denselben zu verzichten. Aber diese Aufgabe obliegt nun einmal hauptsächlich dem Festivaldirektor. Und was sollte diese Unterstützer zwingen, nun auch Englisch zu sprechen? Die fühlen sich durch die nicht vorhandene oder eingeschränkte Ansprache nämlich – zurecht – mindestens missachtet, oder wenden sich gänzlich ab.
    Und was glauben eigentlich Diejenigen, die es für zeitgemäß halten, dass durch eine ausschließlich englischsprechende Festivaldirektorin die Mitarbeiter gezwungen werden, sich ebenfalls endlich der englischen Sprache zu befleißigen, wie bisher mit den internationalen Gästen, Unterstützern und Partnern (die es schon lange vorher gab!) kommuniziert wurde? Das seit jeher international agierende Leipziger Dokumentarfilmfestival musste sich noch nie den Vorwurf gefallen lassen, sich ausländischen Partnern und Gästen nicht verständlich machen zu können. Das traditionell sehr gute Englisch des Teams wird zu Zeiten des Festivals immer noch um weitere Fremdsprachen durch die Mitarbeiter des Gästebüros ergänzt.
    Und die Frage, ob „…das Wohl oder Übel einer so großen Veranstaltung nur von einer Person abhängt….“, muss leider auch mit: “Ja!“ beantwortet werden. Wenn sich beispielsweise jemand fragt, warum DOK Leipzig sein Erscheinungsbild nun plötzlich von rot in schwarz geändert hat, so gibt es darauf eine ganz einfache Antwort: Leena Pasanen verabscheut die Farbe Rot! Das genügt, um ein jahrelang aufgebautes Erscheinungsbild mit hohem Wiedererkennungswert über Bord zu werfen….
    Grundsätzlich scheint es der Führungsstil von Leena Pasanen zu sein, aus dem Bauch heraus zu entscheiden und hierbei gern auch persönlichen Präferenzen nachzugeben. Und gern werden auch lediglich intern angedachte Projekte medienwirksam verkündet, ohne sich über die Konsequenzen für das Festival im Klaren zu sein. Kritik wiederum an so getroffenen Entscheidungen ist nicht gern gesehen und wird streng geahndet (siehe Grit Lemke). Die Methode, unliebsame Mitarbeiter durch unannehmbare Angebote loszuwerden, hat mittlerweile seit 2 Jahren Tradition.
    Solle mal einer behaupten, Frau Pasanen fühle sich Traditionen nicht verpflichtet! Welcher allerdings, das entscheidet sie immer noch selbst….

  6. In the name of tradition | 12. Januar 2017 | um 01:47 Uhr

    @RotzuSchwarz …

    Ich sehe da immernoch genügend rot im Layout an einigen Stellen … Aber schwarz malen kann man auch mal, kein Problem ;)

    Ansonsten kann ich nur sagen. Manchmal hilft es zweimal zu lesen. Dann versteht man vielleicht auch worauf jemand mit dem Geschriebenen hinaus möchte.

    Was das Englisch des Teams betrifft. Ich hab nie irgendwo geschrieben dass das Team dem Englischen nicht mächtig wäre. Dann würde es das Festival tatsächlich nicht geben. Allerdings ändern sich auch Sichtweisen, wenn ich in meinem Alltag etwas ändere, wie bspw. Sprachgewohnheiten. Auch mein Selbstverständnis von dem was ich bin, was ich sein möchte. Der Bezug zu Dingen ändert sich natürlich auch … Ich kann nun natürlich sehr viel da hinein deuten, alles Gedanken die Frau Pasanen vielleicht nie hatte und zudem habe ich keine Einblicke in das Innenleben.
    Ich versuche nur zu verstehen was dahinter stecken könnte, als blind alles als böse zu bezeichen, oder unfähig oder oder oder.

    Und das kommt wiederum aus der eigenen Erfahrung, das Leipzig trotz wachsender Internationalität, nachwievor ein Kaff ist. Auch was die Denkweisen angeht. Und um sowas aufzubrechen, bedarf es manchmal radikaler Methoden. Die sind natürlich immer und stets diskutabel, aber sie sollten nicht per se verteufelt werden.

    Wenn nun aber Frau Pasanen nicht die Fähigkeiten besitzt das zu moderieren und zu kommunizieren was sie will, dann wäre sie die Falsche für den Job. Aber nicht wenn sie Bedarf sieht und Ideen hat.

    Und da wir bei der Abhängigkeit von Personen waren. So wie das hier dargestellt wird, war man sehr von Frau Lemke abhängig. Ich finde Abhängigkeit von 1-2 Personen ist selten ein gutes Fundament auf Dauer. Egal wie diese Person heisst. Und natürlich wäre es fatal, wenn das DOK nun von der nächsten Person abhängig wäre, wie sie beschrieben haben bzw. den Blick mal in die andere Rcihtung gewendet haben. Danke dafür.