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Sports & Stories

Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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Die Fußballsaison hat kaum richtig begonnen, schon geschehen Dinge, die Momente großen Verwunderns provozieren. Mit einem Bundesligisten, der am kommenden Sonntagnachmittag in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen in der Ostalb-Arena antritt und keine Woche später nach Gelsenkirchen zum ersten Ligaspiel fährt, und zwei Regionalligisten, die bereits drei Spiele absolvierten, lauern viele Geschichten auf das Publikum – wie ein Blick in die lokalen Medien zeigt.

Von Freunden und Helfern

Die Bild-Zeitung entschied sich in dieser Saison für einen ganz besonderen Weg im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Monate im Leipziger Fußballumfeld – insbesondere bei der BSG Chemie Leipzig: Sie schickt für die Leutzscher Berichterstattung einen ganz besonderen jungen Dresdner Reporter nach Leipzig. Dieser erhielt vor zwei Jahren im Dresdner Ballhaus Watzke beim Fest der Polizei – auch Polizeiball genannt – den Medienpreis der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen für »hervorragende journalistische Leistungen«.

Die Ehrung der Polizei 2015 wiederum schloss einen Artikel des jungen Reporters nicht explizit aus, der für einige überregionale Medienwellen sorgte. Am 8. September 2014 erschien bei Bild Dresden unter der Überschrift »Aus Angst vor Attacken im Asyl-Hotel – Sanitäter tragen schon Schutzwesten« ein Text, der einen direkten Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Schutzwesten und den Zuständen in einer Bautzner Flüchtlingsunterkunft herstellte. Diese Geradlinigkeit der Assoziation in einer »Vier-Sterne-Herberge« (Zitat Bild) störte nicht nur die Verantwortlichen in Bautzen, sondern auch die Leserschaft. Flurfunk Dresden griff das Thema unmittelbar auf – ebenso die überregionale Presse etwas später mit der Einordnung von Berichten wie diesem in sächsische Verhältnisse. Die Debatte führte letztlich zu Beschwerden beim Presserat, der dem Artikel eine Missbilligung im Hinblick auf journalistische Sorgfaltspflicht aussprach, da es sich dabei um »eine gezielte Streuung von Feindseligkeit« handeln würde.

Übrigens findet am Donnerstag, 24. August um 18 Uhr im Pöge-Haus eine Diskussionsveranstaltung zum Thema »Wenn der Staatsschutz heimlich mitspielt – der Abhörskandal in der Leipziger Fußballszene« statt.

Klickderby

Der MDR wiederum versucht mit dem Leipziger Fußball seine Popularität zu steigern, was nicht direkt verwerflich ist. Aber seine bisher eingesetzten Mittel und Strategien lassen sehr leicht erkennen, wer hier zu wessen Spielball wird und nötigt daher eine gewisse Skepsis heraus.

Der Lokalsender setzte nicht nur seine Wunschpartie zum Regionalligaauftakt Lok gegen Chemie durch, sondern auch die abstruse Anstoßzeit von 12 Uhr, um bloß kein Drittligaspiel ab 14 Uhr zu verpassen. Aber das Potenzial der Zuschaueranziehung war nach dem Derby vor zwei Wochen noch lange nicht erschöpft. Der Siegtreffer von Loks Innenverteidiger Robert Zickert wurde gleich danach beim Mitmachklicktippspiel »Volltreffer der Woche« ins Rennen geschickt und gewann. Nun nach der zweiten Regionalligaspielwoche dachten sich die Fernsehleute sicherlich, dass das mit den Klicks noch mal richtig nach oben gehen kann, wenn Lok gegen Chemie erneut antritt. Dieses Mal stehen Lokstürmer Djamal Ziane und Chemies Innenverteidiger Manuel Wajer zur Auswahl. Die Abstimmung endet am Donnerstag und bisher scheint das Kalkül des Senders aufzugehen. Alle klicken für ihren Verein. Aktuell führt Chemie vor Lok.

Noch in der vergangenen Saison wurde fein unterschieden – entweder ein Lok- oder ein Chemietorschütze gelangten da zur Abstimmung. Und um den Bundesligisten nicht aus den Augen zu verlieren: Zwei Tore von RB konnten 2016/17 auch gewählt werden: Marcel Sabitzer kam mit drei Prozent nicht über den letzten Platz hinaus. Bei Marcel Halstenberg sah es etwas besser aus. Er marschierte auf den zweiten Platz. Schaut man sich ältere Statistiken an, so verblüfft, dass RB in der Saison 2015/16 nicht einmal mit einem Volltreffer zum Klicken bereitstand. Auch 2014/15 sah es nicht besonders aus. Und wer zudem nun auch noch einen Sieger aus der RB-Elf sucht, der wird mit Daniel Frahn im August 2013 und Sebastian Heidinger im Februar 2014 fündig. Beide spielen schon längst nicht mehr bei RB. Denjenigen, die jetzt kess behaupten, dass der »Volltreffer« für einen Champions League-Teilnehmer zu profan sei, wünsche ich viel Erfolg beim Finden von RB-Spielern zum »Tor des Monats« bei der Sportschau.

Der Sender kompensiert das Manko nun mit einer »Langen RB-Nacht« vom Freitag auf Samstag. Ob ehemalige Spieler und/oder Funktionäre zu Wort kommen, die sich der vom Club allseits verbreiteten Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung entziehen und das ganze Unternehmen in seiner Theorie und Praxis kritisch hinterfragen, kann fast ausgeschlossen werden. Denn zumindest das hat bei RB Tradition. Auf jeden Fall geht mit Sendungen wie dieser das österreichische Marketingkonzept vollkommen auf.

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