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Leipziger Bundestagskandidaten im Porträt: Daniela Kolbe, SPD, Wahlkreis Nord

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Am 24. September ist Bundestagswahl. Bis dahin stellen wir hier die wichtigsten Bundestagskandidaten aus den beiden Leipziger Wahlkreisen vor. Heute: Daniela Kolbe, SPD. Die Bundestagspolitikerin will den Wahlkreis Nord von der CDU zurückerobern.

Um kurz vor 9 Uhr ist die Halle in der Werkstatt in Plagwitz noch relativ leer. Stühle und ein Rednerpult stehen bereit. Es ist Anfang November, Daniela Kolbe ist schon da zum Wahlparteitag der Leipziger SPD, der heute hier stattfindet. Sie will bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 1 für die SPD kandidieren. Seit neun Jahren bereits ist sie Abgeordnete in der Hauptstadt. Dieser Wahlparteitag ist aber nicht wie jeder andere. Die sonst konkurrenzlose Daniela Kolbe hat mit Andreas Geisler zum ersten Mal einen Gegenkandidaten, es ist von einer Kampfabstimmung die Rede.

Ein Pressefotograf nimmt sie auf die Seite. Ganz genau hat er sich einen Punkt ausgesucht, an den sich die amtierende Bundestagsabgeordnete stellen soll. Beim ersten Versuch steht sie noch nicht richtig. Da wird dann ein bisschen am schwarzen Hosenanzug gezuppelt, bis Daniela Kolbe gut unter der Deckenlampe platziert ist.

Dabei will sie selbst gar nicht in das medienwirksame Licht gerückt werden. Sie wolle weg von der Arroganz der Politik-Eliten, sagt sie. Wieder näher heran an den Bürger, um sowohl die Themen der Politik zu ihm zu bringen als auch, um sich seine Themen anzuhören und mitzunehmen. Mit ihrem Parteikollegen Martin Dulig hat sie dazu Küchentischtouren organisiert. Die Themen der Diplom-Physikerin sind traditionell sozialdemokratisch: Bildung, Ausbildung, Lohn und Rente. Dort wiederum vertrete sie äußerst linke Standpunkte, sagen ihre Parteikollegen wie der sächsische Landtagsabgeordnete Holger Mann. Kolbe engagiert sich in der Parlamentarischen Linken, einem Zusammenschluss aus SPD-Abgeordneten, die Schröders Agenda 2010 scharf kritisierten. In ihrer Fraktion gehört sie damit oft zu einer Minderheit. Die Mehrheit bekennt sich nach wie vor zum Hartz-IV-System, das immer wieder zu sozialen Härten und Ungerechtigkeiten führt.

Kolbe hält ihrer Partei trotzdem die Treue und brennt auch nach Rückschlägen für Sozialpolitik. Während ihrer Rede beim Wahlparteitag wird sie dynamischer und emotionaler. Sie kann mit ihrer frischen Art die Menschen im Saal überzeugen. Oft brandet Beifall auf, der deutlich länger als nur ein paar Sekunden anhält. Kolbe kennt sich auf dem politischen Parkett aus. Sie ist Profi: Nie ist sie einem wirklich nah, aber auch nie wirklich distanziert.

Geboren 1980 in Schleiz bei Gera, begann sie ihre politische Arbeit bei den Falken, einem linken Jugendverband, aus dem schon viele hochrangige Gewerkschafter oder Sozialdemokraten hervorgegangen sind, unter ihnen auch Sigmar Gabriel. Von 2004 bis 2009 war sie Vorsitzende der Leipziger Jusos und stand damit mitten im Kampfgetümmel mit dem sogenannten rechten Lager in der Stadtpartei. Dabei ging es mitunter heftig zu. Auch nach ihrer Zeit als Chefin unterstützte sie dort ihre Verbündeten und soll 2013 einen Umsturzversuch des rechten Flügels aktiv verhindert haben (s. kreuzer 10/2013). Aus der Zeit bei den Jusos stammt auch ihre Parteifreundschaft mit Arbeitsministerin Andrea Nahles. Seit 2009 ist Kolbe Mitglied des Deutschen Bundestages. Dabei zog sie in beiden Legislaturperioden über die Landesliste ihrer Partei ins Parlament ein. Im Wahlkreis unterlag sie ihrer Konkurrentin Bettina Kudla von der CDU.

Beim Wahlparteitag fällt die angekündigte Kampfabstimmung dann doch überraschend undramatisch und deutlich für Daniel Kolbe aus: 66 Prozent der wahlberechtigten SPD-Mitglieder stimmen für sie. Ihre Zustimmung, dass sie die Wahl annimmt, geht in einem Jubelsturm unter. Danach verschwindet die kleine Frau hinter einer Wand aus Gratulanten. Sie nimmt sich trotzdem Zeit für jeden. Mindestens eine Umarmung bekommt jeder. Viele geben ihr auch ein Küsschen rechts und links auf die Wange.

Die nahe Zukunft wird persönlich nicht leicht für sie. Inzwischen muss sie einige Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Vor einigen Monaten erst ist sie Mutter geworden. Neben ihrem Bundestagsmandat hat sie auch noch den Job als Generalsekretärin der sächsischen SPD, verbringt darüber hinaus viel Zeit mit Wahlkreisarbeit. Das macht es kompliziert, eine kleine Familie zu organisieren. Viel Unterstützung erfahre sie von ihrem Lebensgefährten, sagt Daniela Kolbe. Sie sei ihm sehr dankbar, dass er sich so für sie zurücknehme und sich um die gemeinsame Tochter kümmere. So viele Abende wie möglich versucht Daniela Kolbe für ihre Tochter frei zu halten und sie ins Bett zu bringen.

Im Wahlkampf geht es für Kolbe darum, die Wende im Leipziger Norden zu schaffen. Ihr gefährlichster Konkurrent heißt dann Jens Lehmann. Der frühere DDR-Radsportler ist Bettina Kudlas Nachfolger als Direktkandidat der CDU. Kolbe will den Wahlkreis erobern, indem sie diejenigen erreicht, die sich abgehängt fühlen. Diejenigen, die der Meinung sind, ihre Arbeit werde von den Politikern nicht mehr wertgeschätzt. Da wolle sie mit der SPD hin, sagt Kolbe. Dass ihre Partei davon bislang weit entfernt ist, gibt sie offen zu. Sie hält das für einen Grund, warum die AfD weiter auf dem Vormarsch ist. An dieser Stelle wird sie wieder leidenschaftlich. Wenn die AfD einen emotionalen Wahlkampf betreiben wolle, dann würde sie auf jeden Fall dagegenhalten. Dass Frauke Petry nicht in Leipzig bei der Bundestagswahl antritt, hält sie für ein Kompliment an die Stadt.

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