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Nationaler Kulturalist

Leipziger Bundestagskandidaten im Porträt: Christoph Neumann, AfD, Wahlkreis Nord

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Am 24. September ist Bundestagswahl. Bis dahin stellen wir hier die wichtigsten Bundestagskandidaten aus den beiden Leipziger Wahlkreisen vor. Heute: Christoph Neumann. Er tritt mit klassischer AfD-Linie an.

Die Alternative für Deutschland bleibt mit der Wahl ihres Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Leipzig Nord ihrem sächsischen Kurs treu. Der 51-jährige Christoph Neumann repräsentiert den guten deutschen Kulturschützer, Familienvater, Unternehmer und Sicherheitsfanatiker perfekt. Familie ist zentrales Thema der Politik des verheirateten zweifachen Vaters – dazu gehört auch, das Bild der Frau als Sorgeträgerin der klassischen Hetero-Familie zu stärken.

Das geht natürlich nur, wenn Menschen, die nach Deutschland kommen, »unsere Gesetze und kulturellen Werte respektieren«. Ohne es klar auszusprechen, der mitschwingende Impetus ist der, dass das auf Gleichberechtigung beruhende eigene Frauenbild gegen das der bösen Einwanderer zu verteidigen sei. Das alles ist nicht neu – Neumann folgt damit der klassischen Linie seiner Parteikollegen. Auch sonst hat der ehemalige Grenzschutzoffizier Einwanderung zu einem zentralen Thema gemacht und lässt sich kaum nehmen, dies rechtspopulistisch zu verwerten. Zu seinen erklärten politischen Zielen gehört demnach die Sicherung des Grenzschutzes nach dem Dublin-Verfahren. Seine »fundierte militärische und polizeiliche Ausbildung« wolle er nutzen, »um das Themengebiet Sicherheit für Deutschland weiterzuentwickeln«. Dabei muss Einwanderung reguliert werden, weshalb Neumann für die Anwerbung von benötigten Fachkräften nach dem kanadischen oder australischen Modell plädiert. Übersetzt heißt das: Grenzen stärker kontrollieren. Bleiben darf der, der etwas für die Wirtschaft tut. Ökonomie und das Leistungsprinzip als zentrales Bewertungskriterium von Migranten ist nicht erst seit Sarrazin eine verdeckte Form rassistischer Selektion. Auch Neumann zufolge dürfen also die Menschen einwandern, »die uns nützen«.

Nebenbei beklagt sich Neumann fast schon verschwörungstheoretisch darüber, dass das in Deutschland angewandte Grundgesetz von 1949 eines sei, dass von den alliierten Siegermächten genehmigt wurde. Ein Unding – es sei an der Zeit, »dass sich das deutsche Volk endlich selbst eine Verfassung gibt«. Wie diese dann aussieht und ob das eventuell sogar das Ende der Kanzlerrepublik sein könnte, lässt der Bundestagskandidat offen.

Mit Neumann schickt die AfD einen volkstreuen Grenzfanatiker ins Rennen. Seine Argumente sind klassisch ausschließend, nationalistisch und kulturalistisch. Kein Wunder, dass Neumann in die Partei eingetreten ist, »damit die deutschen Kulturwerte kein Opfer der kapitalen Globalisierung werden«. Nationaler Kulturfetisch par excellence.

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