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Geben ist seliger denn nehmen

Wie Leipziger Immobilienfirmen ihr Geld in Kunst und Sport einsetzen

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An einem Samstag im Dezember tritt der FC International Leipzig im Oberligaspiel gegen den VfL Halle 96 an: Es werden 55 Zuschauer beim Heimsieg gezählt. Von der Spielklasse her ist Inter die viertstärkste Leipziger Männerfußballmannschaft. Nur interessiert der Verein niemanden. Er besitzt kaum Fans, kein eigenes Stadion, einzig einen bekannten Hauptsponsor und einige prominente Mitglieder.

Als die Mannschaft 2014 entstand (siehe kreuzer 11/2014), waren Leipzigs ehemaliger Oberbürgermeister und jetziger Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee ebenso an Bord wie die CG Gruppe als Hauptsponsor. Geschäftsführer Christoph Gröner hielt damals vor allem das soziale Vereinsengagement für unterstützenswert. Der Leipziger Geschäftsführer Ulf Graichen ist nach wie vor der Inter-Vorstandsvorsitzende. Als CG die Postverladestation am Mariannenpark erwarb, wurde erwogen, ein eigenes Stadion zu errichten. Heute gibt sich das Unternehmen schweigsam, lehnt eine Interviewanfrage des kreuzer zum Thema ab. Neben Inter sponsert CG auch RB Leipzig. Bei Pressekonferenzen ist auf Augenhöhe von Cheftrainer Ralph Hasenhüttl der Schriftzug auf der Sponsorenwand zu lesen. Im Stadion wirbt CG mit »Immobilien neuer Dimension«. Zwei Jahre schmückt das Logo den linken Trikotärmel.

Muss man das Schweigen so auslegen, dass man gibt, aber nicht darüber spricht? Denn auch bei allen anderen angefragten Immobilienunternehmen herrscht das Motto: Zahlen sind irrelevant, die Unterstützung zählt. Numerisch wird auch der Leipziger Instone Real Estate-Geschäftsführer Torsten Kracht nicht, wenn es um den Handballbundesligisten SC DHfK geht. Kracht beeindrucken »Teamgeist, Leidenschaft und Wille der Mannschaft« und er unterstützt auch in der nächsten Saison das Team.

Christian Rocca leitet die hiesige Engel & Völkers-Filiale und ist seit 2011 Präsident bei Eintracht Leipzig-Süd. Er ist stolz auf das Sponsoring: Neben RB ist Eintracht der einzige regionale Fußballverein, der in allen Altersklassen einen identischen Schriftzug trägt – den seiner Firma. Dies wie auch zwei Kleinbusse führen zu einem Sponsoring im Wert einer kleineren fünfstelligen Summe.

Untersuchungen fanden heraus, dass persönliches Glück und das Weggeben von Geld im direkten Zusammenhang stehen. KSW-Geschäftsführer Jörg Zochert nennt zehn Prozent, die man der Gesellschaft zurückgeben sollte. Er sitzt im Wintergarten der Max-Klinger-Villa in der Karl-Heine-Straße, der Blick fällt auf Garten und Fluss. Man hätte die Villa auch an vier Westzahnärzte geben können, so Zochert, aber das gehöre sich nicht. Als Bürger und Unternehmen gehe es ihm um Verantwortung. So unterstützt die Firma den Freundeskreis Max Klinger und das Museum der bildenden Künste. Mit Angestellten wurde das Klingerforum gemäß dem Motto »Du willst doch nur etwas Gutes tun« gegründet: In der Villa soll Menschen die Angst vor der Kunst genommen werden. So waren im Erdgeschoss schon einige Ausstellungen zu sehen. KSW kommt für Versicherung und Transport auf. Für den Nachwuchswettbewerb mit der Richard-Wagner-Stiftung finanziert die Firma das Preisgeld von 5.000 Euro. Unternehmer, so Zochert, können nur anteilig Projekte stemmen. Sie seien »Korsettstangen«, die eine Bühne stellen, die von allen Leipzigern genutzt werden kann.

Die Stadtbau AG Leipzig wirbt mit der engen Zusammengehörigkeit von »Unternehmertum und gesellschaftlichem Engagement«. Im goldenen Firmenschild am repräsentativen Firmensitz im Handelshof spiegelt sich der gegenüberliegende Speck’s Hof. Zu Projekten am Leipziger Standort verpflichtet bereits der Name. Sie ist die einzige Leipziger Firma, bei der Institutionen, Vereine und Organisationen Anträge zur Unterstützung stellen können. In welcher Höhe wer bereits gefördert wurde, dazu gab das Unternehmen nach Anfrage keine Auskunft. Laut Homepage vergibt die Stadtbau AG Finanz- und Sachmittel für Kunst- und Kulturszene, Kinder- und Jugendförderung sowie für den Freundeskreis der Hochschule für Musik und Theater, das Museum der bildenden Künste, die Schauburg und das Gewandhaus-Orchester.

Steffen Hildebrand, Geschäftsführer von Hildebrand & Partner, erzählt, wie er sein erstes Kunstwerk 1988 von den Eltern geschenkt bekam. Das war kein hoch prämierter Westkünstler, sondern ein Porträt des heute längst vergessenen Leipziger Malers Jost Giese. Das habe seine Leidenschaft für Kunst geweckt, es sammelten sich immer mehr Werke an, was 2015 zur Eröffnung der Kunsthalle G2 gegenüber der Thomaskirche führte. Über Zahlen möchte auch Hildebrand nicht sprechen. Viel lieber beschreibt er den G2-Kunsthallen-Meisterschülerpreis, der im letzten Herbst erstmals vergeben wurde und noch viele Generationen existieren soll. Dafür stiftete er 10.000 Euro Preisgeld und ein Atelier für ein Jahr, um die Sorgen der jungen Künstler zu lindern.

Dieser Text stammt aus dem kreuzer, Heft 01/2018. Um ein kreuzer-Abo abzuschließen, klicken Sie bitte hier: https://kreuzer-leipzig.de/abo

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