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Das So&So soll weg

Dem Club wurde gekündigt, nun hofft er auf die Stadt

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Dem So&So wurde gekündigt. Ende September soll der Club vom Gelände des ehemaligen Eutritzscher Ladebahnhofs verschwunden sein. Nun hoffen die Betreiber darauf, dass der Eigentümer des Grundstücks, die CG-Gruppe, die Kündigung zurückzieht. Unterstützung erhalten sie von Vertretern der Stadt, die fordern, dass Teile des riesigen Grundstücks an die Stadt übertragen werden.

Ende Juni erhielt das So&So das Kündigungsschreiben – gut zwei Jahre nach der Eröffnung. Eine Verlängerung des Mietvertrages sei aufgrund voranschreitender Planungen und Maßnahmen leider nicht möglich. Am 1. Juli hätte sich der Mietvertrag automatisch um ein Jahr verlängert. »Im nächsten Jahr wird auf dem Gelände wahrscheinlich eh noch nichts gebaut«, wundert sich Clubbetreiber Johannes Reis über die plötzliche Dringlichkeit. Denn der Bebauungsplan von der Stadt ist noch nicht beschlossen.

Dort geht es um ein 25 Hektar großes Gelände. »Leipzig 416 – ein Stadtteil entsteht« wirbt eine eigene Webseite, die den Prozess begleitet. Anscheinend arbeiten Bürger, Stadt und CG-Gruppe hier zusammen, von einer Schule und Sozialwohnungen ist die Rede. Auf allen Nachbarschaftsforen wurde betont, dass es auch kulturelle Einrichtungen geben soll. Die Architekten, die sich bewarben, kamen im So&So vorbei. »Die waren begeistert und meinten, dass wir unbedingt bleiben sollen«, sagt Reis. Der Gewinnerentwurf des Leipziger Architektenbüros Octagon sieht den Erhalt des So&So vor, hat ihn mit dem Vermerk »Soziokultur« versehen. Der Entwurf wurde im August 2017 einstimmig, also mit den Stimmen der CG-Gruppe, zum Sieger gekürt.

Aber nun soll der Club samt Proberäumen, Musikschule, Flüchtlingsprojekt und offener Werkstatt bis Ende September raus. Das wollen sich die Clubbetreiber nicht gefallen lassen. Vor allem, weil sich sowohl die Stadt als auch die Architekten und das Nachbarschaftsforum für ihren Verbleib ausgesprochen hatten. »Wir haben lange Zeit versucht, alle Kommunikationskanäle zur CG-Gruppe offen zu halten«, sagt Reis und bereut das offensichtlich.

Nun hoffen sie auf Unterstützer und darauf, dass die Stadt eingreift. Die Stadträte Tim Elschner (Bündnis 90/Die Grünen) und Christopher Zenker (SPD) haben am Freitag einen Antrag eingereicht, in dem sie fordern, dass die CG-Gruppe einige Flächen des Geländes an die Stadt überträgt.

Aber wieso sollte eine Firma wie die CG City Leipzig-Bord GmbH so etwas tun? Zenker sagt auf kreuzer-Anfrage, dass die Immobilienfirma weitaus mehr Wohnraum und Gewerbeflächen auf dem Gelände bauen könne, als ursprünglich geplant war. »Die CG-Gruppe wird genug Gewinne erwirtschaften«, ist sich der Stadtrat sicher. »Ich hoffe also, wir kommen da zusammen.«

Indem dem So&So gekündigt wurde, obwohl alle Nachbarschaftsforen und Bürgerbeteiligungsprozesse sich für den Erhalt ausgesprochen hatten, »wurden jetzt vollendete Tatsachen geschaffen«. Wie vollendet die sind, ist jetzt die größte Frage. »Eine Kündigung kann man auch wieder zurückziehen«, sagt Zenker.

Genau darauf hoffen auch Johannes Reis und die anderen So&So-Mitarbeiter, die nun weitere Proteste planen. »Eine Durchsetzung der Kündigung wäre das Ende für unser So&So«, sagt Reis, »und auch unser persönlicher Ruin.«

Mehr zu den Hintergründen der Kündigung im August-kreuzer, der am 27. Juli erscheint

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