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Seiteneinstieg in der Dritten

Den Grundschulen gehen die Klassenlehrer aus – Seiteneinsteiger sollen es richten

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Heute beginnt in Sachsen das neue Schuljahr, doch ein Problem aus dem letzten wird mitgeschleppt: zu wenige Lehrer. Schlechte Bezahlung, bundesweiter Lehrermangel, wachsende Klassen und falsche Planung – die Ursachen für den Notstand sind zahlreich und werden sich nur langfristig lösen lassen. Doch kurzfristig muss zum Schulbeginn vor jeder Klasse ein Lehrer stehen.

Allein in Leipzig sind für das kommende Schuljahr 425 volle Stellen vakant, 138 davon an Grundschulen. Damit möglichst viele davon besetzt werden können, setzt das Kultusministerium weiter auf Seiteneinsteiger. Menschen also, die keine ausgebildeten Lehrer sind. Fehlende didaktische Fertigkeiten sollen sie berufsbegleitend nachholen. Das hat Konsequenzen, nicht zuletzt an den Grundschulen. Dort, so teilte es der Stadtrat der Linken Adam Bednarsky in einem offenen Brief mit, könnten im neuen Jahr viele der startenden dritten und vierten Klassen ihre bisherigen Lehrer verlieren.

Letztlich liegt es zwar im Ermessen der jeweiligen Direktoren, wo sie ihre Lehrkräfte einsetzen. Klar ist aber: Die ersten Klassen brauchen laut Anweisung des sächsischen Kultusministeriums ausgebildete Lehrkräfte. Und wo diese fehlen, können sie aus den höheren Klassen abgezogen werden. Mit der Konsequenz, dass dritte und vierte Klassen wiederum Seiteneinsteiger als Lehrer bekommen könnten. Beim CDU-geführten Landesamt für Schule und Bildung versichert man auf Anfrage, dass ein Lehrerwechsel nach der zweiten Klasse nichts Unübliches sei. Grundsätzlich seien die Schulen bemüht, die Klassen eins bis zwei und die drei bis vier jeweils als Einheiten zu betrachten.

Doch sind die Seiteneinsteiger, die dritte und vierte Klassen übernehmen, auch genügend für ihre neuen Aufgaben vorbereitet? Die bildungspolitische Sprecherin der Linken im sächsischen Landtag Cornelia Falken verweist in einem Antwortschreiben an den kreuzer darauf, dass von den 4.000 bisher eingestellten Seiteneinsteigern die meisten immer noch nicht ausreichend qualifiziert seien. Sie sieht Fehler, die bei der Bildungsplanung der letzten Jahre gemacht wurden, und fordert Lösungen. Mehr Lehrer müssten ausgebildet, die Arbeitsbedingungen für die Lehrer attraktiver gemacht werden.

Kurzfristig werden sich die Eltern von Kindern, die jetzt in die dritte oder vierte Klasse kommen, wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass ihre Kinder unter Umständen keine fertig ausgebildeten Klassenlehrer mehr haben.

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