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Partys platzen lassen

Die Sperrstunde wurde abgeschafft, doch die Vielfalt der Clubs ist gefährdet

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Als der Stadtrat endlich abgestimmt hatte, war der Jubel groß. Die Sperrstunde in Leipzig gibts nicht mehr. Doch trotz der Freude hat die Clubszene noch andere Sorgen. Sie werden nicht von der Stadt verursacht, sondern von Investoren.

»Sperrstunde platzen lassen« steht in silbern glänzenden Luftballons vorm Rathaus. Dass der Stadtrat am Mittwoch die Sperrstunden abschaffen wird, war vorhersehbar, schon im Winter hatte er die nötigen Weichen dafür gestellt. Und so herrscht fröhliche Stimmung, als sich ab 17 Uhr Hunderte Freunde der Leipziger Clubkultur zur kleinen Party bei elektronischer Musik treffen.

 

Die Stadträte, die vors Rathaus kommen, sagen Unterstützung zu. Schließlich wirbt Leipzig schon seit Jahren damit, dass es keine Sperrstunden hat, doch gab es noch die sogenannte »Putzstunde«, die wegen Beschwerden beim IfZ doch eine Zeitlang durchgesetzt wurde. Etwa 8.000 Leute unterzeichneten eine Onlinepetition dagegen, auch die IG Livekommbinat, in der zahlreiche Clubs und Kulturzentren organisiert sind, protestierte.

Sie half auch bei der neuen Verordnung mit, die das Ordnungsamt am Mittwoch nun dem Stadtrat vorlegte und die die gesetzlich vorgeschriebene Sperrzeit für Gaststätten mit Veranstaltungsbetrieb, Veranstaltungsbetriebe, kulturelle Einrichtungen und Diskotheken für das Stadtgebiet Leipzig aufhob. 47 Stadträte stimmten dafür, vier dagegen, einer enthielt sich.

Damit ist dieses Ziel abgehakt. Steffen Kache, Distillery-Chef und LiveKomm-Vertreter, lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt. Aber er sieht die Vielfalt der Leipziger Clubszene von anderer Seite gefährdet: Investoren und Immobilienbesitzer, die keine Clubs in ihren Gebäuden haben wollen. So musste das 4 Rooms vor einigen Monaten schließen, weil der neue Eigentümer den Laden seinen Bewohnern nicht zumuten wollte. Das aktuellere Beispiel, das auch viele Demonstranten vorm Rathaus bewegt, ist die Kündigung des So&So. Die CG-Gruppe hatte dem Club auf dem Gelände des Eutritzscher Freiladebahnhofs trotz vorheriger öffentlicher Beteuerung, dass er auch im neuen Bebauungsplan bleiben wird, zu Ende September gekündigt. Inzwischen hat er eine Duldung bis Ende des Jahres erhalten. »Es ergibt doch keinen Sinn, etwas Bestehendes zu kündigen, um dann angeblich etwas wieder neu aufzubauen«, sagt Kache.

Und so wird es nach der Sperrstunden-Party am Mittwoch noch eine Demo mit dem Motto »Freiräume erhalten, Clubkultur schützen« im September geben. Das ist auch die Forderung einer Petition der IG Livekommbinat, die von der Stadt nicht nur den Erhalt des So&So erwartet, sondern auch »verstärkt auf die Belange der Kultur- und insbesondere Clubszene Rücksicht zu nehmen« und ein Konzept für den Erhalt von Freiräumen zu erarbeiten. Denn wem nützt es, dass es keine Sperrstunde mehr gibt, wenn es auch keine Clubs mehr gibt?

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