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Sehen was kommt

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Die Filmkunstmesse ist volljährig und präsentiert noch bis Freitag eine Auswahl an Highlights der kommenden Kinosaison. Neben Genreperlen wie »Under the silver lake« oder den Cannes-Gewinner »Shoplifters«, gibt es in einem mitternächtlichen Sonderscreening auch Gaspar Noés irren »Climax« zu sehen. Am Freitag wird der Gewinner des Publikumspreises noch einmal zu sehen sein.

»18. Filmkunstmesse«: 17.–21.9., Passage Kinos, Schauburg, Kinobar Prager Frühling, u.a.
> filmkunstmesse.de

Film der Woche: Der 22. Juli 2011 wird für immer im Gedächtnis der Norweger eingebrannt sein als der Tag, an dem eine Serie von terroristischen Attacken das Land erschütterte. Der schwerste dieser Angriffe spielte sich auf der Insel Utøya ab, wo der rechtsradikale Anders Behring Breivik 69 Menschen tötete. Viele von ihnen waren Kinder. Sie zelteten auf der Insel, 40 Kilometer von Oslo entfernt. Als die ersten Schüsse fielen, dachten sie, es sei ein Feuerwerk. Als die ersten Kinder fielen, begann der Kampf ums Überleben. Regisseur Erik Poppe hat das Unfassbare nun in einem Film festgehalten. Er erzählt die Ereignisse aus der Sicht der jungen Kaja, die versucht in dem Chaos ihre Schwester zu finden und dabei ums nackte Überleben kämpft. 72 Minuten dauerte der Anschlag. Exakt so lange rennt Kaja, versteckt sich mit den anderen, steht den Opfern bei, die blutend im Laub liegen. 72 Minuten ohne Schnitt, die den Zuschauer an den Rand des Erträglichen bringen. Der Horror wirkt real. Zu verdanken ist das auch der überragenden Leistung der Hauptdarstellerin Andrea Berntzen. Bei der Premiere auf der Berlinale war der Film überall Gesprächsstoff. Vielleicht ist es der beste Weg, mit den grausamen Ereignissen umzugehen – sie stets im Gedächtnis zu behalten. »Utøya 22. Juli« gelingt das nachdrücklich.

»Utøya 22. Juli«: ab 20.9. Passage Kinos

Als die Gemeinde Wackersdorf das attraktive Angebot für den Bau einer modernen Einrichtung bekommt, die 3.000 Arbeitsplätze schaffen soll, ist der Landrat der strukturschwachen Region Feuer und Flamme. Doch dann setzt er sich mit der Wiederaufbereitungsanlage und ihren Folgen auseinander. Oliver Haffner inszenierte eine glänzend besetzte und spannende Rekonstruktion der Ereignisse in der bayrischen Landespolitik Mitte der achtziger Jahre. Angesichts der jüngsten Ereignisse im Hambacher Forst und in Pödelwitz aktueller denn je.

»Wackersdorf«: ab 20.9., Passage Kinosaison

»Shut Up and Play the Piano« wirft erstmals ein Dokumentarfilm einen Blick in die Vita des musikalischen Genies Chilly Gonzales. Aufgewachsen als Sohn eines erfolgreichen kanadischen Baumagnaten lernte Jason Charles Beck, so sein bürgerlicher Name, bereits mit drei Jahren das Klavierspielen von seinem Großvater. Genau wie sein Bruder Christophe, heute angesehener Filmkomponist (aktuell mit »Ant-Man and the Wasp« im Kino), mit dem er immer in gesunder Konkurrenz stand. Im Gegensatz zu seinem Bruder lehnte es Jason ab, als konventioneller Komponist Karriere zu machen. Er wollte lieber Kunst schaffen und Underground bleiben. Dazu bot sich ihm Ende der Neunziger in Berlin die perfekte Bühne. Mit Peaches machte er die Clubs der Hauptstadt unsicher und entdeckte seine Liebe zum Rap. Mit Leslie Feist kehrte er zur klassischen Komposition zurück und begeisterte auch Musikkenner, die von seiner expressiven Art abgeschreckt waren, mit seinen Alben »Solo Piano I und II«. Regisseur Jedicke lebte selbst eine Zeitlang in Kanada und Frankreich und findet einen ehrlichen Zugang zum musikalischen Genie, denn: Man mag vom Auftreten Chilly Gonzales‘ halten, was man will, wenn er einmal am Piano sitzt, ist er an Kreativität kaum zu überbieten. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Shut Up and Play the Piano«: 20.9., Luru Kino in der Spinnerei, ab 27.9., Cineding

Durch »Speak Up« erheben europäische Schwarze Frauen ihre Stimme: Der Film konzentriert sich dabei auf die kollektiv erlebte Diskriminierung Schwarzer Frauen und den Kampf, sich das allgemein geltende Narrativ anzueignen: Also selbst zu definieren, was eine schwarze weibliche Perspektive ausmacht. Die Regisseurin Amandine Gay lebt in Montreal und ist Aktivistin, Journalistin und afrofeministische Filmemacherin. Nach ihrem Abschluss der Kommunikationswissenschaften begann sie ein Studium am Konservatorium der Darstellenden Künste in Paris. Seit 2012 arbeitet Sie als Drehbuchautorin. »Speak Up« ist ihr Regiedebüt.

»Speak Up«: ab 20.9., Cineding

Weitere Filmtermine der Woche

Life Saaraba illegal 

(D/E 2017, Dok) – anschl. Diskussion mit dem Regisseur Peter Heller, GlobaLe
Das Filmprojekt verfolgt über fast ein Jahrzehnt Aladji und Souley, zwei Brüder von einer kleinen Fischerinsel im Atlantik vor der Küste Westafrikas auf dem Weg nach Europa. – anschl. Diskussion mit dem Regisseur Peter Heller, GlobaLe.
19.09., 20:00 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Adventures in Listening Kurt Masur 

(CDN/BRA/D 2009, Dok) – Auftaktveranstaltung der Filmreihe »Durch die Kraft der Musik«
Kurt Masur fordert seine Nachfolger heraus, zuzuhören und zu entdecken. Auftaktveranstaltung der Filmreihe »Durch die Kraft der Musik«, anschl. Filmgespräch mit Gästen, im Gartenhaus
.
20.09., 19:00 Uhr, 

Mendelssohn-Haus

Faschismus AG 

(GR 2014, Dok) – GlobaLe
Wie Industrielle und Bankiers in den 1920er/30er Jahren den Faschismus förderten, um sozialistische Bewegungen und Gewerkschaften zu zerschlagen.
20.09., 20:00 Uhr, UT Connewitz

Shorts Attack: Sundance Shorts 2018 

- 7 Filme in 85 Minuten
Sieben Filme in 85 Minuten: Die Filmreihe Shorts Attack ist wieder zu Gast im UT Conewitz und zeigt diesmal Gewinner und Highlights des diesjährigen Sundance Film Festivals. In einer Mischung aus Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen verkörpern die internationalen Filme »Maude«, »Baby Brother«, »Hair Wolf« (Foto), »Jeom«, »Fauve«, »Matria« und »{O}« den typisch wilden und anspruchsvollen Stil des Indie-Filmfestivals.
21.09., 21:00 Uhr, UT Connewitz

Zeit für Utopien 

(A 2017, Dok) – Filmabend zum neuen Weltladen in Plagwitz, im Rahmen der internationalen Fairen Woche
Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Wenn man das Wort ernst nimmt, steht es für Umdenken und Handeln. Der Film zeigt positive Beispiele, wie man mit Ideen und Gemeinschaftssinn viel erreichen kann.
21.09., 19:00 Uhr, 

Weltladen Plagwitz

Babylon Berlin 

(D 2017, Serie) – 16 Folgen à ca. 45 Min. an 2 Tagen
Henk Handloegten, Tom Tykwer und Achim von Borries schufen eine bildgewaltige Rekonstruktion der Berliner 1920er, die im letzten Jahr bei Sky Premiere feierte, in diesem Herbst im Free-TV zu sehen ist und vorher an zwei Abenden auf der großen Leinwand erlebt werden kann. 16 Folgen à ca. 45 Min. an 2 Tagen
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22.09., 18:00 Uhr & 23.09., 14:00 Uhr, Cineplex, 22.09., 17:00 Uhr & 23.09., 16:00 Uhr, Passage Kinos

True Warriors 

(D/ARG 2017, Dok) – anschl. Filmgespräch mit den Protagonisten und den Regisseuren
Mit Kunst gegen den Terror in Kabul: Bei der Premiere eines Theaterstücks gegen den Terror sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Schauspieler und Musiker, die an diesem Tag auf der Bühne standen – anschl. Filmgespräch mit den Protagonisten und den Regisseuren
22.09., 20:00 Uhr, 

Schaubühne Lindenfels

3 Tage in Quiberon 

(D/A/F 2018) – Happy Birthday Romy Schneider
Kurz vor ihrem Tod öffnet sich Romy Schneider einem Stern-Reporter und reflektiert ihr Leben im Rampenlicht. Intime Rekonstruktion der drei Tage in der Bretagne. – Anlässlich des Geburtstags von Romy Schneider nochmal in der Schauburg. Heute wäre die Schauspielerin 80 Jahre alt geworden.
23.09., 15:00 Uhr, Schauburg

Nachlass 

(D 2018, Dok) – Preview zum Thementag Holocaust
Letztes Jahr schon bei der DOK, jetzt feiert diese spannende Doku auch Premiere in den Kinos. Sie begleitet verschiedene Menschen, die sich aus der Täter- oder Opferperspektive mit ihrer Familiengeschichte und der Involviertheit in den Holocaust auseinandersetzen. Fragen von Schuld und Sühne werden aufgeworfen, verschiedene Formen des Umgangs mit dem schweren Vermächtnis aufgezeigt.


23.09., 17:30 Uhr, Schauburg

Son of Saul 

(H 2015) – Thementag Holocaust
Ausschwitz-Birkenau 1944: Eine Gruppe der Lager-Inhaftierten wird gezwungen, an der Massenvernichtung der Nazis teilzuhaben. Saul findet moralische Erlösung, als er die Leiche eines kleinen Jungen vor den Flammen rettet und versucht, ihm eine würdige Beerdigung zukommen zulassen, während um ihn herum das Grauen tobt. Oscar-nominiertes Kriegsdrama.
23.09., 20:00 Uhr, Schauburg

Honeckers unheimlicher Plan
Anschließend Gespräch mit den Regisseuren Katharina und Konrad Hermann.
24.09., 19:00 Uhr, 

Museum in der »Runden Ecke«

Newcomers 

(D 2018, Dok) – im Rahmen der Interkulturellen Wochen
Geflüchtete erzählen ihre Geschichten: Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlichen Geschlechts und sexueller Orientierung; Menschen mit und ohne Behinderung. Menschen aus über acht verschiedenen Ländern. – im Rahmen der Interkulturellen Wochen


24.09., 18:00 Uhr, Kinobar Prager Frühling

… a bude hur / … und es kommt noch schlimmer 

(CS 2007) – im Rahmen des Projekts »Post ’68. Politik und Psychedelic«
Sex and Drugs and Rock’n’Roll im kommunistischen Nordböhmen der 1970er Jahre, der Zeit nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, als alles im Einheitsgrau versank. Olin, der sich die Pulsadern aufgeschnitten hat, um dem Militärdienst zu entkommen, stürzt sich nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie noch einmal in den Underground seiner Heimatstadt. Nach dem Kultroman von Jan Pelc. Im Rahmen des Projekts »Post ’68. Politik und Psychedelic«
25.09., 20:00 Uhr, Nato

Lu Over The Wall 

(J 2017) – Anime Special
Kai schleppt sich eher trübsinnig durch den Schulalltag. Das ändert sich, als er die Meerjungfrau Lu kennenlernt. – Anime Night 2018
25.09., 20:00 Uhr, Cineplex, 25.09., 20:00 Uhr, Cinestar

Being There – Da sein 

(CH 2016, Dok) – anschl. Gespräch mit Gästen
Thomas Lüchinger erzählt in seinem Dokumentarfilm von vier Menschen, die in verschiedenen Kulturen Sterbende bis zum Tod begleiten. Im Anschluss ist er im Gespräch mit Angela Helmers vom Ambulanten Hospizdienst und Silke Leicht von der Geschäftsstelle Internationale Altenpolitik.
26.09., 19:00 Uhr, 

Cinémathèque in der Nato 


Die Hütte am See 

(GB/FIN 2017) – Queerblick
Von einer unbeschwerten Romanze inmitten einer skandinavischen Sommeridylle entwickelt sich der Film dank seiner beiden herausragenden Hauptdarsteller zu einem vielschichtigen und gegenwärtigen Film über die Frage nach Herkunft und die Suche nach einer neuen Heimat. – Queerblick
26.09., 19:30 Uhr, Passage Kinos

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