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Cornern statt Parken

Leipziger erobern für einen Tag auf Parkplätzen ihre Stadt zurück

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Kaffee trinken, wo sonst Autos stehen: Beim Park(ing)-Day wurden am Freitag zwanzig Parkinseln in Leipzig umfunktioniert. Als Zeichen für eine lebenswertere Stadt.

Wo etwa zwei SUVs Platz zum Parken hätten, haben es sich fünf Menschen auf Liegestühlen und Sofas bequem gemacht. Davor ein Schild: »Ab 7 h auch auf dem Seitenstreifen Demo«. Das Wetter hält sich, auf dem aufgebauten Tisch gibt es gibt Kaffee und Kuchen, alle unterhalten sich, es wirkt wie ein entspannter Kaffeeklatsch mit Freunden. Ein Auto hält davor, ein Mann kurbelt die Scheibe runter und erkundigt sich, ob dies eine Party sei. Bernhard, einer der Teilnehmer, erwidert, es sei ein Protest, eine Demonstration für weniger Autos in der Stadt. Der Mann im Auto nickt, findet es irgendwie gut und fährt davon. Die Reaktionen sind durchaus positiv an diesem Tag an der Ecke Alfred-Kästner-/Augus-Bebel-Straße, erklärt Bernhard: »Das ist hier so etwas wie eine Nachbarschaftsbegegnung, viele Menschen halten an, man kommt ins Gespräch und man kann zumindest punktuell Aufmerksamkeit erzeugen.« Stadtplanung sei ein wichtiges Thema und die Stadt wäre mit weniger Autos sicherer und lebenswerter. Als Symbol hat die Gruppe auch einen Fahrradständer aufgebaut, der verdeutlichen soll, dass etwa zehn Fahrräder denselben Platz einnehmen, den ein einzelner Pkw zum Parken benötigt.

Ein ähnliches Szenario auch weiter südlich in der Brandstraße. Vor dem Linxxnet kampiert eine Gruppe mit Laptops und Smartphones auf Wohnzimmermobiliar. Tilman, ein Mitglied des Linxxnet, ist der Meinung, man könne eine Stadt zwar in die Höhe bauen, jedoch die Straßen nicht breiter machen. Der Platz, den vor allem parkende Autos einnehmen sei exorbitant. Er erklärt, dass die meisten Menschen ihr Auto meist für kurze Strecken nutzen würden, den Rest der Zeit stünden die Fahrzeuge still und nähmen nur Platz weg. Es sei ihm wichtig, darauf aufmerksam zu machen und die Menschen zum Umdenken zu bewegen.

Zum achten Mal fand am Freitag in Leipzig der Park(ing) Day statt. An etwa zwanzig Standorten in Leipzig, nach dem Motto »Schaffe Freiräume, wo normalerweise Autos stehen!« fanden sich Menschen in Gruppen zusammen, um Parkplätze zweckzuentfremden und somit ein Statement für eine lebenswertere Stadt zu setzen. Entstanden ist der Park(ing)Day 2005 in San Francisco, seit 2011 organisiert der Verein Ökolöwe dieses Open-Source-Projekt auch in Leipzig. Die Idee dahinter: den Autoverkehr zu reduzieren und veraltete städtebauliche Konzepte zu überdenken, die vor allem auf den Autoverkehr zugeschnitten wurden. Die Stadt soll attraktiver werden für Fußgänger und Radfahrer. Der aktuell benötigte Raum zum Parken bei über 200.000 registrierten privaten PKWs in Leipzig ist enorm. Durch das Wachstum der Stadt steigt der Bedarf bei über 16.000 Neuzulassungen jedes Jahr kontinuierlich an. Ob nun das Blockieren von zwanzig Parkflächen an einem Tag im Jahr daran nachhaltig etwas ändert, sei dahingestellt. Zumindest macht es darauf aufmerksam, dass neue Raumkonzepte benötigt werden.

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