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Noch mehr Platz für Familien

Das Kinderhospiz »Bärenherz« hat Anfang November seinen Neubau eröffnet

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Zwischen dem Cospudener See und dem Kees’schen Park in Markkleeberg finden schwerstkranke Kinder und ihre Familien im Kinderhospiz »Bärenherz« Unterstützung in häuslicher Umgebung. Im November wurde ein Neubau mit neuen Familienwohnbereichen eröffnet. Ein Besuch

Das Blumengebinde, das zur Eröffnung des Neubaus überreicht wurde, ist noch frisch. Gelb und lila leuchten die Blüten, die Ulrike Herkner und Sylvia Neumann stellvertretend für den Trägerverein und den Hospizbetrieb zur Feier der Fertigstellung des Anbaus überreicht bekommen haben. Im Kinderhospiz »Bärenherz« in Markkleeberg, für das die beiden Frauen sich an vorderster Front einsetzen, mischen sich die Eindrücke: Der Geruch von Desinfiziermittel steigt in die Nase, gleich darauf kommen einem Bilder von sterilen Krankenhausgängen in den Sinn. Gelb und damit völlig Krankenhaus-untypisch aber sind die Wände links und rechts gestrichen, an ihnen hängen eine Collage mit bunten Herzen und eine Kreidetafel. Das Klirren von Geschirr entspricht ebenfalls so gar nicht der typischen Geräuschkulisse eines Krankenhauses. In diesem Herbst ist der seit 2014 geplante Neubau fertig geworden. Anfang November wurde mit prominenten Gästen gefeiert. Er wurde größtenteils durch Spenden finanziert, die der Wohltätigkeitsverein einer großen deutschen Tageszeitung organisiert hat und die etwa 700.000 Euro betrugen.

Das Kinderhospiz »Bärenherz« liegt zwischen Cospudener See und Kees’schem Park und besteht seit 2003 (s. kreuzer 07/2017). Es ist sachsenweit das einzige Hospiz, das auf die Bedürfnisse von Kindern, die eine lebensverkürzende Krankheit haben, sowie deren Eltern und Geschwister ausgerichtet ist. »Mit dem Neubau sind wir einem wachsenden Bedarf nach Unterkunftsplätzen begegnet«, erklärt Geschäftsführerin Ulrike Herkner vom Trägerverein »Kinderhospiz Bärenherz«. Hospizleiterin Sylvia Heumann freut sich ebenfalls über den Anbau. »Die neuen Familienwohnbereiche erlauben uns, die Familien flexibler unterzubringen und unterschiedlichen Familienformen gerecht zu werden.«

Komplett neu errichtet wurde ein zweites Gebäude, direkt neben dem schon vorhandenen. Doch auch im seit 2003 bestehenden Altbau fanden Neuerungen statt. Die neuen Wohnräume sind wie die alten auch mit Bad und einem Aufenthaltsbereich ausgestattet, jedoch ist die Form der Aufbettung flexibler gestaltet. Es gibt Zimmer, in denen nur ein Bett steht. Dies dient den Bedürfnissen von alleinerziehenden Elternteilen. In manchen steht zusätzlich ein Schlafsofa, das die Bewohner bei Bedarf ausklappen können. Insgesamt vier neue solcher Wohnbereiche kommen im Alt- und Neubau hinzu, so dass das Hospiz nun neun Familien unterbringen kann.

Eine weitere Neuerung ist der Raum im ersten Stock des Altbaus, den Geschäftsführerin Ulrike Herkner die »Elternoase« nennt. Der ehemalige Besprechungsraum im Altbau ist komplett saniert worden. Hier können sich Eltern zurückziehen und in einem Ambiente entspannen, das wenig an Krankenhaus erinnert. Um einen großen Esstisch stehen Stühle mit hohen Lehnen, gegenüber findet sich eine Einbauküche mit Herd, Backofen und Spülmaschine. Blumentöpfchen zieren die Ablage. Neben dem Essbereich steht ein braunes Ecksofa mit Fernseher.

Setzen sich für das Kinderhospiz ein: Sylvia Heumann (l.) und Ulrike Herkner. Foto: Christiane Gundlach

Herkner merkt an, dass ein besonderer Raum für Begegnungen und tiefergehende Gespräche zwischen den Eltern der kranken Kinder sehr nützlich ist, denn nicht alle Eltern können das Erlebte etwa mit dem Freundeskreis zu Hause teilen. Ein Bullauge reicht zum Geschwisterspielzimmer nebenan. Auf blauem Teppichfußboden sammeln sich hier Spielzeug und Spielgeräte: ein Trampolin, ein Playmobil-Piratenschiff, eine Matratze zum Turnen. Im Regal Brettspiele, Bücher und Bausteine.

Der Gang im ersten Stock führt in einem Bogen vom Alt- in den Neubau. Hier richten sich Herkner und ihr Team derzeit in ihren neuen Büros ein. Weißbraune Holzträger zieren die Decke, hohe Fenster erlauben den Blick auf die Farbenpracht des Herbstlaubes im Kees’schen Park. Gleich links im Neubau befindet sich schon der zukünftige »Raum der Begegnung«, in dem sich sowohl Familienmitglieder als auch Hospiz- bzw. Vereinsmitarbeiter von ihren Schutzbefohlenen verabschieden können. Dies ist ein komplettes Novum im Hospiz und wird auf Anregung auch des medizinischen Personals realisiert.

Im Raum der Begegnung zeigt sich, dass bis zum Herbst noch nicht alles fertig geworden ist. Das Baugerüst steht noch, die Fahrradständer sind mit Bauzäunen umgeben und die Treppe, die in die Büros der Verwaltungsteams des Hospizes und des Vereins führen soll, ist ein Provisorium aus Metall. Aber Ulrike Herkners Stimmung trübt das nicht. Der Plan ist, bis Ende 2018 die Außenfassade und die Treppe fertiggestellt zu haben. Auch das, was im Inneren noch fehlt, soll bis dahin fertig sein.
Durch die Bärenherz-Akademie will der Verein das Wissen aus dem Arbeitsalltag im Kees’schen Park einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Aktivitäten rund um den Anbau reichen noch ins neue Jahr: Bis Januar 2019 sollen die Baumaßnahmen vollständig abgeschlossen sein. Für September 2019 ist ein Tag der offenen Tür geplant.

https://http://www.baerenherz-leipzig.de

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