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Russisch Brot

Leipziger Journalistik-Professor und ehemaliger MDR-Chef wird Lobbyist für RT

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Wolfgang Kenntemich, ehemaliger Chefredakteur des MDR und Honorarprofessor an der Leipziger Uni, arbeitet jetzt für den russischen Propagandasender Russia Today. Er will den deutschen Ableger RT Deutsch mit einer Sendelizenz ausstatten.

Der ehemalige Journalist Wolfgang Kenntemich will den vom Kreml finanzierten Sender Russia Today (RT) als Lobbyist unterstützen. Wie die Bild-Zeitung am Donnerstag mitteilte, soll Kenntemich dem Online-Sender RT Deutsch dabei helfen, eine Sendelizenz zu bekommen. Bild-Chefreporter Peter Tiede zitiert aus einer Mail Kenntemichs, wonach er von einer Anwaltskanzlei beauftragt worden sei, »einen Beirat für RT Deutsch zu bilden«.

Der 72-Jährige stellt in seiner Mail außerdem in Aussicht, dass Sanktionen gegen die Deutsche Welle in Russland abgeschwächt werden könnten, falls es zu einer Sendelizenz kommen sollte. Kenntemich war am Donnerstag für ein Statement telefonisch nicht zu erreichen.

Kenntemich begann seine Karriere als Presse- und Jugendoffizier, 1997 war er der Kommentator mit den zweitmeisten Beiträgen für die »Tagesthemen«, danach 20 Jahre lang Chefredakteur des MDR in Leipzig. Seit Wolfgang Kenntemich 2011 in den Ruhestand gegangen ist, arbeitet er unter anderem als Honorarprofessor am Leipziger Journalistik-Institut und als Medienberater.

Der vom Kreml finanzierte Propagandakanal RT Deutsch ist seit 2014 empfänglich. Der Sender schafft mit einem Potpourri aus gezielten Manipulationen, fragwürdigen Experten wie etwa Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer oder den Israelkritiker Martin Lejeune, der 2016 in einem Video den Holocaust angezweifelt hatte*, und schrägen Theorien ein verschwörungstheoretisches Paralleluniversum, das mit der Realität meist wenig gemein hat.

 

Gegendarstellung

In dem unter der URL https://kreuzer-leipzig.de/2019/01/10/russisch-brot/ am 10.01.2019 veröffentlichten Bericht mit der Überschrift „Russisch Brot – Leipziger Journalistik-Professor und ehemaliger MDR-Chef wird Lobbyist für RT“ hieß es in Bezug auf mich:

„Holocaust-Leugner Martin Lejeune“

Hierzustelle ich fest: Ich bin kein Holocaust-Leugner.

Martin Lejeune, Berlin, den 05.02.2019

 

*Die Äußerung bezog sich auf die Äußerungen von Martin Lejeune in dem Video vom 29. November 2016.

Redaktionelle Klarstellung:

In der ursprünglichen Version dieses Beitrags hieß es »Holocaust-Leugner Martin Lejeune«. Hintergrund dieser Bezeichnung war folgendes Zitat des Herrn Lejeune aus einem (inzwischen wieder gelöschten) Video, das er im Jahr 2016 im Internet veröffentlichte:
»Jetzt mal ein Punkt: Wir hatten ja diesen Holocaust. Dieser Holocaust, da sollen ja sechs Millionen Menschen, sechs Millionen Juden umgebracht worden sein, auf schrecklichste Art und Weise.
Jetzt frage ich mich aber, warum sind die Juden und die Israelis jetzt so unmenschlich mit den Palästinensern? (...)
Wenn wirklich sechs Millionen Juden umgekommen sein sollen - dann kann ich doch annehmen dass die ... (unverständlich) ... dieses Leid erfahren haben soll, etwas menschlicher umgeht mit den Palästinensern. Das sehe ich aber leider nicht.
Und wenn es so ist, wie es leider gerade geschieht, dass die Juden so unmenschlich sind zu den Palästinensern, dann müssen bei mir zumindest leider Zweifel entstehen, ob die Juden wirklich so ein Unglück erlebt haben. Weil sonst müssten sie sich wirklich mehr einfühlen, mehr Empathie zeigen für die Plästinenser.
Und daher auch meine Hoffnung, dass das große Feuer in Israel die Palästinenser, also die Christen und die Muslimen, verschone. Und ich kann mir leider im Augenblick nicht wünschen, dass Juden von diesem Feuer verschont werden. Weil sie so unmenschlich umgehen mit den Palästinensern.«

Wir stellen klar, dass wir Martin Lejeune zukünftig nicht mehr als "Holocaust-Leugner" bezeichnen werden. Da wir an einer gerichtlichen Auseinandersetzung zum Thema nicht interessiert sind, haben wir die Passage umformuliert und uns gegenüber Herrn Lejeune verpflichtet, ihn nicht mehr als "Holocaust-Leugner" zu bezeichnen.

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Ein Kommentar

  1. Peter Lichter | 19. Januar 2019 | um 13:01 Uhr

    Hallo Redaktion,
    RT liefert Nachrichten. Um sich ein Gesamtbild machen zu können nutze ich diesen Kanal wie auch jeden anderen.
    Warum ihr RT gleich zu 100% verteufeln müsst ist eure Sicht. Macht mich aber betroffen da ich euch bis heute demokratisch erlebt habe.
    Vielleicht wollt ihr nochmal nachjustieren ?
    Beste Grüße
    Peter Lichter